Den Alternativen Nobelpreis hat sie schon in der Tasche

Neben der Schwedin werden auch ein Kämpfer für indigene Amazonas-Völker, eine Frauenrechtlerin aus China und eine Aktivistin aus der Westsahara ausgezeichnet.

«Die Zeit ist so was von reif für politisches Engagement, und es gibt eben Einzelne, die vorangehen und die vielen dann einladen, mitzugehen»: So wie zum Beispiel Greta. Foto: Fabrizio Bensch (Reuters)

«Die Zeit ist so was von reif für politisches Engagement, und es gibt eben Einzelne, die vorangehen und die vielen dann einladen, mitzugehen»: So wie zum Beispiel Greta. Foto: Fabrizio Bensch (Reuters)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Stockholm wurde am Mittwochmorgen der Right Livelihood Award verliehen, der auch als «Alternativer Nobelpreis» bekannt ist. Ausgezeichnet wurden ein Kämpfer für die Rechte der indigenen Völker im Amazonas-Gebiet (Davi Kopenawa), eine Frauenrechtlerin aus China (Guo Jianmei), eine Menschenrechtsverteidigerin aus der Westsahara (Aminatou Haidar) und eine Klimaschutzaktivistin (Greta Thunberg).

Ole von Uexküll, der Direktor der Right Livelihood Foundation, nannte die vier «praktische Visionäre, deren Einsatz es Millionen von Menschen ermöglicht, ihre grundlegenden Rechte zu verteidigen und für eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten zu kämpfen». Es ist das 40. Mal, dass der Right Livelihood Award verliehen wird, der es sich zur Aufgabe gesetzt hat, «mutige Menschen zu unterstützen, die globale Probleme lösen».

«Für Resignation gibt es überhaupt keinen Grund»Ole von Uexküll, Stiftungsdirektor

Die Preisverleihung findet am 4. Dezember in Stockholm statt. Zu der Veranstaltung ist in diesem Jahr erstmals auch eine breitere Öffentlichkeit eingeladen. «Wir wollen zum 40. Jubiläum noch öffentlicher werden», sagte Stiftungsdirektor Ole von Uexküll der SZ. Die Preisträger, aber auch die anderen Nominierten zeigten, «wie viel möglich ist und wie unglaublich viel ein Einzelner bewegen kann».

Briefmarkensammlung zur Finanzierung

Die Stiftung wolle Mut machen gerade in einer Zeit, da manche in Resignation verfielen. «Für Resignation gibt es überhaupt keinen Grund», sagte Ole von Uexküll. «Die Zeit ist so was von reif für politisches Engagement, und es gibt eben Einzelne, die vorangehen und die vielen dann einladen, mitzugehen.» Bestes Beispiel sei die von Greta Thunberg angestossene Jugendbewegung für den Klimaschutz.

Die Right-Livelihood-Award-Stiftung war einst von dem schwedisch-deutschen Philanthropen und Briefmarkensammler Jakob von Uexküll gegründet worden, dem Onkel des heutigen Stiftungsdirektors. Er war 1979 an die Nobelpreisstiftung herangetreten, um unter anderem einen neuen Nobelpreis für Umwelt einzuführen. Zur Finanzierung bot er an, seine wertvolle Briefmarkensammlung zu verkaufen. Die Nobelstiftung lehnte damals ab, also rief er seinen eigenen Preis ins Leben.

Von Uexkülls «alternativer Nobelpreis» möchte zum einen den Ausgezeichneten mit der Aufmerksamkeit helfen, die der Preis mit sich bringt. Eine Aufmerksamkeit, die zum Beispiel Greta Thunberg nicht unbedingt mehr nötig hat. Sie wird ausgezeichnet, weil «niemand erfolgreicher» war, wie es in der Begründung heisst, die Klimakrise «im Bewusstsein der Menschen zu verankern».

Mit Verfolgung und Repression haben die drei anderen Preisträger neben Greta Thunberg ihre Erfahrungen gemacht.

Der Preis biete jedoch viel mehr als nur die Aufmerksamkeit, sagte von Uexküll: So könnten die Ausgezeichneten auf ein grosses Netzwerk von ehemaligen Preisträgern zurückgreifen. «Da finden Sie auch Preisträger, die schon vor 40 Jahren mit den Themen der Greta Thunberg gearbeitet haben.» Ausserdem betreibe die Stiftung ein Schutzprogramm für bedrohte Preisträger. Man wolle insbesondere solchen Aktivisten beistehen, deren Leben und Freiheit bedroht sind.

Dem Aktivismus gewidmete Leben

Mit Verfolgung und Repression haben tatsächlich die drei anderen Preisträger neben Greta Thunberg ihre Erfahrungen gemacht. Davi Kopenawa vom Volk der Yanomami musste einst erleben, wie die Zerstörung des Regenwaldes im brasilianischen Amazonasgebiet seinem Volk Krankheit und Tod brachte. Auf der Suche nach Gold töteten Arbeiter Menschen, zerstörten Dörfer und schleppten Krankheiten ein. Kopenawa trug durch seine Arbeit dazu bei, dass sich indigene Völker zusammentaten, um sich gegen die Wirtschaftsinteressen zu wehren, die ihre Lebensgrundlage zerstörten. Kopenawa erhält den Preis gemeinsam mit der von ihm gegründeten Organisation Hutukara Associação Yanomami. In einer Stellungnahme forderte Kopenawa die Welt auf, sein Volk und andere indigene Völker zu unterstützen.

Die chinesische Juristin Guo Jianmei hat sich ihr Leben lang für die Rechte chinesischer Frauen eingesetzt. Häusliche Gewalt, Diskriminierung am Arbeitsplatz oder sexuelle Belästigung sind einige der Themen, derer sie sich annahm. Nicht einfach in einem Land wie China, das einerseits geprägt ist von patriarchalen Machtstrukturen, und das andererseits zwar eine Vielzahl schön klingender Gesetze hat, die aber oft nur auf dem Papier stehen: China ist kein Rechtsstaat. Bekannt wurde Guo vor allem für das von ihr 1995 gegründete Zhong-Ze-Frauenberatungszentrum, das mehr als 100'000 Frauen kostenlose Rechtsberatung ermöglichte und einige bahnbrechende Klagen auf den Weg brachte. Die wachsende Repression in China führte allerdings dazu, dass das Zentrum nach mehr als zwanzig Jahren erfolgreicher Arbeit 2016 geschlossen wurde.

Aminatou Haidar wurde ohne Anklage verschleppt, inhaftiert und gefoltert.

Aminatou Haidar setzt sich seit mehr als drei Jahrzehnten für die Unabhängigkeit ihrer Heimat, der Westsahara in Marokko, ein. Dabei setzt sie auf gewaltfreien Widerstand. Sie hat Demonstrationen für die Rechte ihres Volkes – den Sahrauis – organisiert und Folter dokumentiert. Dabei wurde sie selbst ohne Anklage verschleppt, inhaftiert und gefoltert, sass vier Jahre lang in einem geheimen Gefängnis.

Eine internationale Jury wählte die Preisträger in diesem Jahr aus einem Feld von 142 Nominierungen. Das Preisgeld beträgt jeweils 1 Million Schwedische Kronen, umgerechnet 94'000 Euro; die Preisträger sollen das Geld für ihre Arbeit verwenden.

Erstellt: 25.09.2019, 09:42 Uhr

Artikel zum Thema

Der Nobelpreis der Weltverbesserer

Einsatz für Behinderte oder das Aufdecken von korrupten Machenschaften. Der Right Livelihood Award ist eine Auszeichnung für Leistungen, die im traditionellen Nobelpreis nicht berücksichtigt werden. Mehr...

Woher so viel Hass auf Greta?

Vier Gründe, warum der bekannteste Teenager der Welt so viel Aggressionen auslöst. Mehr...

«Gandhi der Westsahara» ist in Lebensgefahr

In Lanzarote protestiert die Menschenrechtsaktivistin Aminatou Haidar seit drei Wochen mit einem Hungerstreik gegen ihre Abschiebung nach Spanien. «Ihre Zeit geht zu Ende», sagt ein Arzt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Rioja fasziniert mit neuer Vielfalt

Die Winzer aus der Region Rioja glänzen mit stetig zunehmender Finesse und Vielfalt. Neben Weissweinen sind auch Einzellagen, Orts- und Gebietsweine auf dem Vormarsch.

Blogs

Geldblog Eine Million Cash abheben? Geht nicht!

Mamablog Wutanfälle sind so ... gesund

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Hochwasseralarm: Touristen im Gänsemarsch auf einem Laufweg auf dem Markusplatz in Venedig. (13. November 2019)
(Bild: Stefano Mazzola/Getty Images) Mehr...