Den Knoten durchtrennt

Die Lösung des Namensstreits zwischen Griechenland und Mazedonienkann die Region beruhigen.

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Winston Churchill lag richtig: «Der Balkan», hat der britische Staatsmann einmal gesagt, «produziert mehr Geschichte, als er verbrauchen kann.» In den bizarren Abgründen der Region lauern immer noch ungelöste Konflikte. Der Namensstreit zwischen Griechenland und Mazedonien steht auf der Skala der Absurditäten ganz oben. Fast drei Jahrzehnte lang hat Athen die Westintegration Mazedoniens blockiert mit dem hanebüchenen Argument, der Begriff Mazedonien sei quasi urheberrechtlich geschützt – und er gehöre seit der antiken Kulturepoche allein den Griechen.

Wenn ein gordischer Knoten nicht gelöst werden kann, dann muss man ihn durchtrennen. Der Feldherr Alexander der Grosse (ein Mazedonier) hat dies erfolgreich vorexerziert. Nach diesem Vorbild handelt der griechische Premier Alexis Tsipras. Der radikale Linke hat sich mit seinem mazedonischen Amtskollegen Zoran Zaev geeinigt: Das Nachbarland soll in Zukunft «Nordmazedonien» heissen. Plötzlich ist eine Lösung zum Greifen nah – vorausgesetzt, die Nationalisten auf beiden Seiten halten still.

Möglich geworden ist diese historische Wende, weil Tsipras in der Namensfrage kein Scharfmacher ist und in Skopje vor einem Jahr das kremltreue und kleptokratische Regime von Nikola Gruevski die Macht verlor, nachdem dieser das Balkanland fast in einen Bürgerkrieg gestürzt hatte. Sein sozialdemokratischer Nachfolger Zaev ist ein Pragmatiker, der «Nordmazedonien» in der Nato verankern will. Die Regierung in Athen warnt ihrerseits, ohne eine Einigung drohe eine Destabilisierung der Region durch «Drittkräfte»: Gemeint ist Russland.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2018, 23:29 Uhr

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