Doppelte Blamage

EU-Korrespondent Stephan Israel über Grillos Flirt mit den Liberalen.

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Es klang wie ein Witz. Beppe Grillo, der Euroschreck aus Italien, wollte im EU-Parlament Anschluss bei den Liberalen des überzeugten Europäers Guy Verhof­stadt. Die Allianz zwischen dem euroskeptischen Populisten und dem EU-Turbo ist jedoch im letzten Moment am Widerstand bei den Liberalen gescheitert.

Dabei wäre es aus Sicht der beiden Politiker, die den Deal eingefädelt hatten, um eine reine Vernunftehe gegangen. Grillo, Guru von Italiens Protestbewegung Cinque Stelle, sucht zu Hause den Ausweg aus der Schmuddelecke und wollte vom seriösen ­Etikett der etablierten Liberalen profitieren. Bisher waren seine 17 Abgeordneten im EU-Parlament ­zu­sammen mit dem englischen Brexit-Vorkämpfer ­Nigel Farage in einer Fraktion.

Der Plan für ihren Pakt hat den beiden Politikern kein Glück gebracht.

Der Ukip-Chef hat aber mit dem Votum der Briten für den Austritt sein Ziel erreicht und wird mit seinen Abgeordneten auf absehbare Zeit das EU-Parlament verlassen. Cinque Stelle brauchte deshalb dringend eine neue Heimat. Grillo ist zwar gegen den Euro, will aber anders als Farage in der EU bleiben. Da versprach der Wechsel in die Fraktion der Liberalen in Zukunft mehr Macht und Einfluss. Darum ging es auch Guy Verhofstadt, der nächsten Dienstag Nachfolger von Martin Schulz als EU-Parlamentspräsident werden wollte. Nun kann er seine ohnehin vagen Hoffnungen endgültig begraben.

Der Plan für ihren Pakt hat den beiden Politikern kein Glück gebracht. Verhofstadt und Grillo stehen jetzt gleichermassen blamiert da. Sie haben die Vernunftehe hinter den Kulissen vorangetrieben, entgegen allen ihren Sonntagsreden über Transparenz. Der Glaubwürdigkeit von Politik haben sie damit keinen Dienst erwiesen, im Gegenteil. Verhofstadt, wortgewaltiger Protagonist der Vereinigten Staaten von Europa, hatte Grillos Bewegung vor zweieinhalb ­Jahren noch für inkompatibel erklärt. Das sollte nun plötzlich nicht mehr gelten. Verhofstadt und Grillo wollten vielleicht nur demonstrieren, dass der Unterschied zwischen Politikern der etablierten Parteien und der Populisten nicht immer gross sein muss. ­Zumindest dies ist ihnen gelungen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2017, 23:15 Uhr

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