Die Freiheitsikone paktiert mit den Tätern

Aung San Suu Kyi ist zur Verteidigerin der Herrscher in Burma geworden – weil sie selbst herrschen will.

Wird sich in Den Haag schützend vor das Militär stellen: Aung San Suu Kyi am 22. Oktober 2019 in Tokio an der Inthronisierung des japanischen  Kaisers. Foto: Pierre Emmanuel Deletree (Getty)

Wird sich in Den Haag schützend vor das Militär stellen: Aung San Suu Kyi am 22. Oktober 2019 in Tokio an der Inthronisierung des japanischen Kaisers. Foto: Pierre Emmanuel Deletree (Getty)

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Wenn Aung San Suu Kyi an diesem Dienstag den Gerichtssaal in Den Haag betritt, wird sie als eine Ver­teidigerin auftreten. Der Burmesin, die Burma regiert, ist eine solche Rolle nicht fremd. Früher allerdings hat sie noch Ideale verteidigt: Freiheit, Menschenrechte, demokratische Prinzi­pien. Weil sie sich gegen die Junta stemmte, weil sie tapfer kämpfte gegen das Unrecht, das die Generäle über ihr Land gebracht hatten, bekam sie den Friedensnobelpreis.

Nur verteidigt «die Lady», wie sie im Westen immer noch genannt wird, inzwischen leider ganz andere Vorstellungen: Aus der Menschenrechtlerin ist eine Machiavellistin geworden, sie tritt jetzt nicht mehr für die Rechte der Geknechteten ein, sondern schmiedet Pläne, um ihre Macht zu vermehren.

Aung San Suu Kyi wird den Genozid abstreiten

Man braucht nicht darauf zu hoffen, dass sie in Den Haag das Wort für die Rechte der muslimischen Minderheit erheben wird. Stattdessen dürfte Aung San Suu Kyi viel daransetzen, das militärische Vorgehen Burmas zu rechtfertigen und dabei abzustreiten, dass im Westen ihres Landes, unter dem Kommando der burmesischen Generäle, ein Genozid geschieht.

Das afrikanische Land Gambia hat das Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof angestrengt, es soll klären, ob sich Burma des Völkermords an den Rohingya schuldig gemacht hat. Suu Kyi kommt in ihrer Funktion als Aussenministerin. Ihr Auftritt folgt einem innenpolitischen Kalkül: Zu Hause wird sie schon dafür ge­feiert, dass sie nach Europa reist, um ihr Land zu verteidigen.

Das bedeutet aber auch, dass sie sich schützend vor das Militär stellen wird. Ein bizarrer Moment, denn das sind jene Kräfte, die sie einst einsperrten und unterdrückten. Gut möglich, dass dahinter geheime Absprachen stehen. Suu Kyi schirmt jetzt die Generäle ab, die im Gegenzug eine Verfassungs­änderung zulassen, damit sie bald als Präsidentin gewählt werden darf.

Wenn Aung San Suu Kyi aber als Anwältin der Generäle auftritt, paktiert sie mit den Tätern.

Mit einem solchen Deal würde sie sich viel Macht erkaufen, doch sie zahlt einen doppelten Preis. Sie verrät nicht nur ihre alten Ideale, sondern tut auch nichts für die Rechte der vertriebenen Rohingya. Sie weiss, dass die Minderheit bei den dominierenden Burmesen extrem verhasst ist. Und sie hat opportunistisch bislang jeden Schritt vermieden, der sie Sympathien im Mehrheitsvolk kosten könnte.

Wenn Aung San Suu Kyi aber als Anwältin der Generäle auftritt, paktiert sie mit den Tätern. Dann wird es keinen Weg mehr geben, ihren Ruf in der Welt zu retten, auch wenn sie der Schritt zu Hause erst mal stärker machen wird. Wie sie allerdings ihr Land Burma aus der Isolation führen will, sollte das UNO-Gericht einen Völkermordvorwurf bestätigen, bleibt Suu Kyis Geheimnis. Eine Komplizenschaft mit den Generälen wird dabei nicht helfen, diese schwere Last wird sie nie mehr los.

Erstellt: 10.12.2019, 06:08 Uhr

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