«Ihr seid nicht erwachsen genug, um die Wahrheit zu sagen»

Die 15-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg rechnet am Klimagipfel in Katowice mit Politikern und Erwachsenen ab.

«Ihr seid nicht einmal erwachsen genug, um die Wahrheit zu sagen»: Was Greta Thunberg den Delegierten sonst noch zu sagen hat. (Video: AFP/Youtube: Connect4Climate)

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Die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg ist in den vergangenen Monaten zu einer Galionsfigur der Klimabewegung geworden: Im August hatte sie beschlossen, nicht mehr zur Schule zu gehen, bis ihr Land die Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllt. Mit einem Plakat, auf dem «Schulstreik für das Klima» stand, setzte sie sich wochenlang – vorzugsweise immer freitags – vors schwedische Parlament.

Nun richtete sich Thunberg direkt an die Delegierten: «Seit 25 Jahren haben unzählige Menschen in den Weltklimagipfeln die Führer unserer Staaten gebeten, die Emissionen zu stoppen. Das hat offensichtlich nichts gebracht.» Und sie wird noch deutlicher: «Das einzig Vernünftige wäre, die Notbremse zu ziehen, doch ihr seid nicht einmal erwachsen genug, um die Wahrheit zu sagen,» wirft sie den Politikern bei ihrer Rede in Polen auf dem Gipfel vor. (Die ganze Brandrede im Video).

Freitag ist Protesttag

Das Beispiel der Proteste von Greta Thunberg im Vorfeld des Gipfels hatte Schule gemacht: Weltweit unterstützten viele Menschen den Protest der Schülerin. Besonders viele Nachahmer hat die Aktion in Australien: Dort sind Tausende Schüler auf die Strasse statt zur Schule gegangen, denn Australien gehört zu den Ländern mit der schlechtesten CO?-Bilanz der Welt. Am letzten Freitag hatten Schüler mit Protestaktionen und Schulstreiks in mehreren deutschen Städten für mehr Klimaschutz demonstriert. Umweltverbände unterstützten die Aktionen.

Uno-Gipfel billigt Regeln zum Klimaschutz

Der Weltklimagipfel hat nach zwei Wochen zäher Verhandlungen ein umfassendes Regelwerk zum Klimaschutz beschlossen. Es soll helfen, die Erderwärmung und ihre fatalen Folgen wie Dürren, Stürme, Starkregen und Überschwemmungen einzudämmen.

Das von 196 Staaten und der EU gebilligte Dokument legt fest, dass alle Länder regelmässig berichten müssen, wie viel Treibhausgase sie ausstossen und was sie dagegen tun.

Uno-Generalsekretär António Guterres sprach in der Nacht zum Sonntag von einem «soliden» Ergebnis, mahnte aber zu mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Er lud für September zu einem grossen Uno-Treffen ein, bei dem die Staats- und Regierungschefs Farbe bekennen sollen.

Als Konferenz-Präsident Michal Kurtyka am Samstagabend die Einigung mit einem Hammerschlag verkündete, gab es im Plenum Applaus und Jubelrufe. «Das ist ein historischer Moment», sagte Kurtyka. Die 24. Uno-Klimakonferenz in Katowice hätte eigentlich am Freitag enden sollen. Wegen fortbestehender Streitpunkte verzögerte sich der Abschluss aber mehrmals.

Das gut 130 Seiten starke Regelbuch setzt das als historisch eingestufte Pariser Klimaabkommen von 2015 praktisch um. Ziel ist, die Erderwärmung auf unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Dafür muss der Ausstoss von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl in den kommenden Jahren drastisch reduziert werden. Schon jetzt hat sich Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um etwa ein Grad erwärmt.

Vergleichbarkeit und Transparenz

Vergleichbarkeit und Transparenz sind wichtig, da das Pariser Abkommen auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Es gibt keine Sanktionen, wenn Länder nicht vorankommen. Vor allem der Gruppendruck soll alle auf Kurs halten.

Umweltverbände zeigten sich in der Nacht zum Sonntag unzufrieden und forderten mehr Klimaschutz und Solidarität mit armen Ländern. Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan wies darauf hin, dass etwa ganzen Nationen das Versinken im Meer und damit die «Auslöschung» drohe. «Ein Jahr voller Klima-Katastrophen und eindringliche Warnungen der besten Wissenschaftler weltweit hätten zu viel mehr führen sollen.»

Aus Sicht der Schweiz ausreichend

Insgesamt wurden 20 Beschlüsse und Richtlinien verabschiedet, welche die Umsetzung des Klimaschutzabkommens von Paris präzisieren. Nach Einschätzung der Schweizer Delegation ist das Regelwerk ausreichend, um die für eine wirksame Umsetzung des Pariser Klima-Abkommens notwendige Transparenz sicher zu stellen, teilte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Samstagabend mit.

Die Schweizer Delegation ist mit den Beschlüssen insgesamt zufrieden aber nicht euphorisch, wie Delegationsleiter und Botschafter Franz Perrez auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte.

Perrez begrüsste ausdrücklich, dass für die Klärung der Emissionsreduktionen für alle Länder rechtlich verbindliche Regeln hätten verabschiedet werden können, an die sich sowohl die grossen Wirtschaftsnationen wie auch die Schwellenländer halten müssten. «Das ist ein grosser Erfolg». Zudem seien in Bezug auf die technische Überprüfung äusserst praktikable Regeln gefunden worden.

Keine Einigung beim Emissionshandel

Nicht einigen konnten sich die Staaten hingegen bei dem für die Schweiz wichtigen Thema der Emissionsverminderungen im Ausland. Hierfür wurden keine Regeln verabschiedet, da Brasilien einem Ausschluss der Doppelzählung von Emissionsminderungen nicht zustimmte und sich damit einem zentralen Grundsatz des Pariser Abkommens widersetzte.

«Aus unserer Sicht ist es aber gut, dass hierzu letztlich kein statt ein schlechter Beschluss gefällt wurde, da die Regeln Jahrzehnte in Kraft bleiben», sagte Perrez. Mit dem Ergebnis der Konferenz in Katowice lässt sich nach Meinung des WWF gut arbeiten. Ausgerechnet das Kapitel zum umstrittenen Handel mit Klimazertifikaten bleibe jedoch offen, teilte die Umweltorganisation mit. Die Schweiz setze als eines von wenigen Ländern sehr stark auf diese Zertifikate, statt den Erdöl- und Erdgasverbrauch im eigenen Land zu reduzieren.

Die Zeit drängt

Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation in Genf die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Und die 20 wärmsten lagen in den vergangenen 22 Jahren. Geht es weiter wie bisher, leben wir Ende dieses Jahrhunderts wohl in einer gut drei Grad wärmeren Welt.

Strittig waren in Katowice auch Fragen rund um Finanzhilfen der reicheren Länder für die ärmeren. Beschlossen wurde nun: Die Geberländer müssen künftig allgemein angeben, welche Hilfen sie geben wollen.

Der nächste Uno-Klimagipfel tagt in Chile, und zwar nach Angaben des dortigen Umweltministeriums entweder im Dezember 2019 oder im Januar 2020. (red)

Erstellt: 16.12.2018, 20:36 Uhr

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