Papst besorgt über Ausbeutung der Natur

«Der Schutz der Erde ist zugleich Schutz des Lebens», sagte das Kirchenoberhaupt in Moçambique. Und: «Raffgier» bedrohe auch den Frieden.

«Hoffnung, Frieden und Versöhnung», steht auf der Flagge dieses kleinen Jungen anlässlich des Papstbesuchs in Moçambique. (5. September 2019) Bild: Mike Hutchings/Reuters

«Hoffnung, Frieden und Versöhnung», steht auf der Flagge dieses kleinen Jungen anlässlich des Papstbesuchs in Moçambique. (5. September 2019) Bild: Mike Hutchings/Reuters

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Papst Franziskus hat bei seiner Reise in den Südosten Afrikas die Ausbeutung der Natur und soziale Ungleichheit für Gewalt und Konflikte verantwortlich gemacht. Auf der Reise nach Moçambique, Madagaskar und Mauritius sind Umweltzerstörung und Frieden zentrale Themen.

«Der Schutz der Erde ist zugleich Schutz des Lebens, der besondere Aufmerksamkeit verlangt, wenn man eine Neigung zum Rauben und Plündern feststellt, die getrieben ist von einer Raffgier», sagte Franziskus am Donnerstag in Moçambique, das zuletzt von einem Zyklon verwüstet wurde.

Man dürfe nicht aus den Augen verlieren, dass «ohne Chancengleichheit» Aggression und Krieg einen fruchtbaren Boden fänden. Eine Kultur des Friedens dagegen «bringt eine produktive, nachhaltige und inklusive Entwicklung mit sich», sagte er nach einem Treffen mit dem Präsidenten Moçambiques, Filipe Nyuso. «Lassen Sie in Ihrem Einsatz», nachhaltigen Frieden zu schaffen, «nicht nach», mahnte er.

Moçambique war jahrelang von einem Bürgerkrieg zerrissen, der 1992 mit Hilfe der katholischen Kirche beendet wurde. Die Gewalt flammte in den vergangenen Jahren wieder auf, die Widersacher unterschrieben aber im August erneut ein Friedensabkommen.

«Wir sind uns der Herausforderung, die uns bevorsteht, bewusst», sagte Staatschef Nyusi zu dem Versuch, nachhaltig Frieden zu schaffen. «Und wir glauben, dass es unsere Verantwortung ist, den Frieden zu bewahren.» In dem Land im Südosten Afrikas sind fast ein Drittel der knapp 30 Millionen Einwohner katholisch.

Stark von Folgen der Klimakrise betroffen

Moçambique, Madagaskar und Mauritius sind stark von den Folgen der Erderhitzung und der Klimakrise bedroht – die Problematik hat Franziskus zu einem zentralen Thema seines Pontifikats gemacht. Moçambique wurde in diesem Jahr von dem verheerenden Zyklon «Idai» sowie einem weiteren tropischen Wirbelsturm verwüstet.

Auch schreitet in diesem und vielen anderen afrikanischen Ländern die Umweltzerstörung schnell voran, etwa durch Entwaldung: Seit den 1970ern wurden der Weltbank zufolge in Moçambique acht Millionen Hektar – eine Fläche so gross wie Portugal – abgeholzt. Das liegt demnach primär an der landwirtschaftlichen Brandrohdung und dem Export von Holz vor allem nach China.

Madagaskar, wo Franziskus am Freitag hinreisen wird, zählt wie Moçambique zu den ärmsten Ländern der Welt. Laut Weltbank erlebt die viertgrösste Insel der Welt im Durchschnitt drei Zyklone pro Jahr. Auch das östlich von Madagaskar im Indischen Ozean gelegene Urlaubsparadies Mauritius, das der Papst am Montag besuchen wird, wird von Wirbelstürmen und steigendem Meeresspiegel bedroht.

Kritik aus USA als «Ehre»

Auf dem Weg in das südliche Afrika äusserte sich der Papst zudem zu Kritik, die in konservativen Kreisen in den USA an ihm geübt wird. «Für mich ist es eine Ehre, wenn mich die Amerikaner angreifen», sagte er im Flug vor Journalisten. Das Zitat fiel gegenüber dem französischen Vatikankorrespondenten Nicolas Senèze, als er dem Papst am Mittwoch sein Buch «Wie Amerika den Papst verändern will» überreichte.

Franziskus habe ausdrücken wollen, dass Kritik immer eine Ehre sei – «vor allem, wenn sie von anerkannten Denkern, und in diesem Fall aus einer wichtigen Nation kommt», zitierte die vatikanische Nachrichtenplattform Vaticannews Papstsprecher Matteo Bruni. In den USA gibt es einen wachsenden Widerstand erzkonservativer Kritiker gegen Franziskus' moderneren Kurs.

(oli/sda)

Erstellt: 05.09.2019, 22:02 Uhr

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