Sie wird gerne deutlich

Die strittige US-Botschafterin Samantha Power ist abgetreten.

Soll auf Barack Obama grossen Einfluss gehabt haben: Samantha Power. Foto: Reuters

Soll auf Barack Obama grossen Einfluss gehabt haben: Samantha Power. Foto: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer sich fragt, wie man sich eine UNO-Diplomatin vorstellen muss, der käme nicht auf sie: Samantha Power fällt auf. Nicht ihrer roten Haare wegen. Die gebürtige Irin (46) ist wohl das, was man eine undiplomatische Diplomatin nennen würde. Sie fordert, will Taten sehen, zaudert nicht. Untypisch auch das: Sie sagt, was ist. Und legt sich dabei mit anderen an: unbeeindruckt, leidenschaftlich und pointiert.

Bis letzte Woche sass Samantha Power für Barack Obama drei Jahre als Botschafterin in der UNO. Nicht nur dort hat sie sich für Menschenrechte eingesetzt. Und für jene, die eine Stimme brauchen. Wie sie dabei vorging, war typisch für sie. In ihren Reden konkretisierte sie, wo andere abstrakt blieben. Zum Beispiel nannte sie die Namen von Kindern, Frauen und Männern, erzählte deren Geschichten, gab ihnen ein Gesicht. Zugleich machte sie deutlich, wer in ihren Augen schuldig war für deren Schicksal. Zum Beispiel Russland, der Iran und das Assad-Regime für die Lage in Aleppo: «Drei UNO-Mitgliedsländer ziehen die Schlinge um Zivilisten enger und enger», sagte sie im Sicherheitsrat und fragte: «Sind Sie unfähig, sich zu schämen?»

Idealistisch, politisch links und impulsiv

Die Mutter zweier Kinder gilt als Idealistin, politisch links und impulsiv. Und als eine, die schon als Beraterin von Senator Barack Obama durch ihre deutliche Kritik auffiel: Ban Ki-moon sei in der Darfurkrise «extrem enttäuschend» gewesen, sagte sie 2007. Sie nannte Hillary Clinton im Wahlkampf 2008 um das Präsidentenamt gegen Obama ein «Monster». Und bezeichnete Jean Ziegler, der 2013 erneut für die Schweiz als Experte für den UNO-Menschenrechtsrat kandidierte, als «ungeeignet».

Auf Obama selber soll sie grossen Einfluss gehabt haben. So soll sie ihn unter anderem überzeugt haben, dass er, der lange zögerte, einer Militär­intervention in Libyen zustimmte. Der Einsatz führte zum Sturz Muammar al-Ghadhafis. Samantha Power hatte Washington wiederholt aufgerufen, Völkermorde zu verhindern, falls nötig mit Gewalt. Und sie kritisierte die US-Regierung, wenn das nicht passierte wie in Ruanda und Bosnien. Deswegen nannten ihre Gegner sie auch «Völkermord-Tussi» oder «bewaffneter Gutmensch». Was Krieg bedeutet, erlebte Power, damals 22 Jahre alt, im Balkankrieg, über den sie als «Boston Globe»-Reporterin berichtete. Später studierte sie Jus in Harvard, war Professorin und publizierte 2003 über das Grauen des Genozids in «A Problem from Hell». Dafür erhielt sie den Pulitzerpreis.

Jetzt tritt Nikki Haley an ihre Stelle, eine 44-jährige Senatorin der Tea Party. Samantha Power gab in «The Daily Show», der politischen Satiresendung, ein Interview zu ihrem Abgang. Als das Publikum applaudierte, sagte sie: «Nicht der Empfang, den ich täglich von den Vereinten Nationen bekam.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.01.2017, 23:33 Uhr

Artikel zum Thema

Bewaffneter Gutmensch

Kopf des Tages Die designierte UNO-Botschafterin Samantha Power will ein Amerika, das sich einmischt in der Welt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Abkühlung: Der kleine Gorilla Virunga wird von seiner Mutter Nalani durch den Biopark Valencia in Spanien getragen. Virunga ist der zweite Gorilla, der im Rahmen des europäischen Artenschutzprogrammes geboren wurde. (17.August 2018)
(Bild: Manuel Bruque/EPA) Mehr...