«Trump ist ein charmanter Mann»

Faith Whittlesey war Ronald Reagans Botschafterin in Bern. Nun macht sie Wahlkampf für Donald Trump.

«Auch Mexikaner bauen Mauern, Mexiko ist voll von Mauern»: Faith Whittlesey. Foto: PD

«Auch Mexikaner bauen Mauern, Mexiko ist voll von Mauern»: Faith Whittlesey. Foto: PD

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Sie unterstützen Donald Trump. Weshalb?
Er war der Beste aller republikanischen Kandidaten. Er spricht auch konservative Demokraten an, so wie einst Ronald Reagan. Seither hat die Republikanische Partei diese Wähler verloren. Ich teile auch Donald Trumps politische Ansichten, vor ­allem, dass er die heiligen Kühe der orthodoxen ­Republikaner infrage gestellt hat. Denn sie sind der Grund, weshalb die Republikaner die Präsidentschaftswahlen gegen Bill Clinton und Barack Obama verloren hatten.

Was sind das für «heilige Kühe»?
Der Freihandel, die Einwanderung und die Aussenpolitik. Trump sieht die Idee des Freihandels kritisch. Die Bibel des republikanischen Establishments ist die Kommentarseite des «Wall Street Journal». Und dort gilt der Freihandel als sakrosankt, und zwar für immer und ewig. Fast niemand hat es gewagt, anderer Meinung zu sein. Bis Donald Trump kam und aufzeigte, dass die USA wegen der Nafta (das Nordamerikanische Freihandelsabkommen, dem die USA, Kanada und Mexiko angehören, die Red.) Jobs in den Fabriken verlieren. Er setzt sich für die Arbeiter ein, die Opfer dieser Politik.

Und die Einwanderung will Trump mit einer Mauer stoppen.
Das Establishment will alle Migranten amnestieren und betrachtet den globalen freien Personenverkehr als Teil des freien Handels, der zum Wohlstand aller Länder beiträgt. Donald Trump wagte es, zu sagen, dass das im Fall der USA gefährlich sei. Denn damit kommen Drogen und Kriminelle ins Land. Auch hat bisher niemand zugegeben, dass wegen der Migration der islamistische Terror zugenommen hat. Unsere Grenzen für so viele Muslime zu öffnen, birgt ein enormes Risiko. Mit den Flüchtlingen kommen Terroristen. Doch Hillary Clinton will Tausende Syrer ins Land holen.

Die geplante Mauer an der Grenze zu Mexiko sehen Sie also als vernünftige Idee?
Ja. Wir können nicht ganz Zentralamerika in die USA integrieren. Das ist viel zu teuer. Abgesehen davon bauen auch die Mexikaner Mauern, Mexiko ist voll von Mauern. Und was machte Hillary Clinton, als sie ihr Haus kaufte in Chappaqua? Sie baute eine Mauer! Der Vorschlag ist zwar kontrovers, aber Trump lancierte mit der Mauer die Diskussion über die Migration.

Und was will er in der Aussenpolitik anders machen?
Die amerikanischen Interessen sollen vor universellen Interessen kommen. Das betrifft zuerst die Nato, weil unsere europäischen Partner ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen. Das gilt aber auch für andere reiche Länder wie ­Japan und Südkorea. Und Trump nannte sogar Saudiarabien. Diese Länder sollen für die Sicherheit zahlen, welche die USA für sie gewährleisten.

«Für mich wäre eine Präsidentin Hillary Clinton ein Albtraum.»

Die Schweiz ist nicht in der Nato, liegt aber trotzdem unter dem nuklearen Schutzschild, den die USA über Europa aufgebaut haben. Müsste die Schweiz deshalb auch Geld überweisen nach Washington?
Die Schweiz gehört nicht zur Nato und hat deshalb keine vertragliche Verpflichtung. Also nein. Wir hoffen, dass die Schweizer Armee weiterhin bereitsteht, gut ausgerüstet ist und kompetent geführt wird. So wie im Kalten Krieg, als die Schweizer Armee zur Abschreckung des Ostblocks beitrug.

Sie gehörten der Regierung Ronald Reagans an, einem überzeugten Gegner Moskaus. Nun zeigt Trump Sympathien für Wladimir Putin, der die Kriege in der Ukraine und Syrien mitangefacht hat.
Donald Trump hat nur gesagt, Putin sei offensichtlich ein starker Führer, der von seinem Volk geschätzt werde. Er hat Putin nicht umgarnt, wie die Medien berichtet haben. Es geht um Diplomatie gegenüber einer Atommacht und dem Risiko eines Dritten Weltkriegs. Deshalb müssen wir sehr vorsichtig sein mit der Sprache. Russland hat 2000 Nuklearraketen, die auf uns gerichtet sind. Gleichzeitig können wir uns nicht mehr so wie früher weltweit in die Angelegenheiten anderer Länder einmischen. Nur schon aus finanziellen Gründen. Wir haben 19 Billionen Dollar Schulden. Das ist der wichtigste Grund, weshalb ich Donald Trump unterstütze, er ist unsere allerletzte Hoffnung.

Aber Amerika kann sich kaum auf sich selbst zurückziehen, auch nicht unter Trump.
Er sagt: Kein Nation Building mehr, keine Regime-wechsel mehr. Clinton will dagegen einen Regime-wechsel in der Ukraine. Sie pushte den Sturz Ghadhafis in Libyen; jetzt haben wir dort Terroristen, ein zerstörtes Land und Millionen verzweifelter Flüchtlinge, die versuchen, von Libyen aus übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Dafür verantwortlich ist Hillary Clinton, sie drängte Obama dazu, Libyen zu bombardieren. Und wegen Obama haben wir nun einen Regimewechsel im Jemen. ­Hillary will auch einen Regimewechsel in Syrien. Wie konnten wir uns in diesen muslimischen Bürgerkrieg verstricken? Und weshalb kämpfen alle Seiten mit amerikanischen Waffen? Russland hingegen unterstützt Assad. Donald Trump sagt, okay, vielleicht ist das eine vernünftige Position.

Sie haben von Diplomatie gesprochen. Sie sind Diplomatin. Donald Trump drückt sich oft vulgär aus. Wie finden Sie das?
Ich kann es erklären: Er ist kein geübter, professioneller Politiker. Er ist ein Geschäftsmann, und er kommt aus Queens, einem Stadtteil von New York. In Queens geht es grob zu und her. Er besuchte keine der amerikanischen Eliteschulen wie St. Paul’s oder Andover. Er hat nicht Jahre damit verbracht, über Aussenpolitik zu diskutieren. Er arbeitete praktisch. Er ist auch nicht Mitglied der elitären Clubs in New York. Er besuchte eine Militärakademie. Ja, seine Sprache ist manchmal grob, und ich wünschte mir, er würde sich bessern.

Er machte sich lustig über einen behinderten Reporter der «New York Times».
Das war ein Fehler. Donald Trump ist oft sarkastisch, und das hätte er nicht tun sollen. Doch es gibt viele Missverständnisse. Als man ihm vorwarf, er ermuntere die Russen, sich in Hillarys E-Mails zu hacken, machte er einen Witz. Er sagte, wir kämen nicht in die ­E-Mails rein, vielleicht könnten die Russen helfen.

Und es hat einfach niemand diesen Witz verstanden?
Doch. Aber Donalds Gegner versuchen, ihn schlechtzumachen, weil er nicht zum Establishment gehört. Die «Kriegspartei», wie ich sie nenne, ist entschlossen, Donald Trump zu zerstören. Die Kriegspartei ist die politische Klasse, die aus den Republikanern und Demokraten besteht, welche die Aussenpolitik der vergangenen 15 Jahre geprägt ­haben. Wie viele Länder bombardieren wir? 54 000 Angriffe allein in Syrien! Und diese Kriegspartei will Trump verhindern, weil er sich nicht an ihre Anweisungen halten würde.

Ist Donald Trump also ein Pazifist?
Nein, nein. Das ist wieder so ein Zerrbild, einfach ins andere Extrem. Aber er sagt: «Amerika zuerst!» Er gehört zu den ganz wenigen Republikanern, die sagten, der Irakkrieg sei der grösste strategische Fehler gewesen in der amerikanischen Geschichte. Trump fordert die Kriegspartei heraus. Nur deshalb behauptet das Establishment, er sei instabil und nicht zurechnungsfähig. Dabei ist er gesund und völlig normal.

«Donald Trump war stets sehr höflich zu mir und liebte es, über Politik zu sprechen.»

Was halten Sie von Trumps Stil?
Er führt offensichtlich zum Erfolg. Ich kenne ihn persönlich und habe ihn mehrmals getroffen in seiner Residenz in Mar-a-Lago hier in Florida. Er war stets sehr höflich zu mir und liebte es, über Politik zu sprechen. Donald ist ein sehr einnehmender, charmanter Mann. Er liebt die Menschen. Und wenn er mit seiner Grösse und breiter Brust einen Raum betritt, zieht er alle Aufmerksamkeit auf sich und wirkt wie ein natürlicher Anführer. So wie Ronald Reagan oder Barack Obama.

Ist es nicht Zeit für eine Frau im Oval Office?
Diese Frage verletzt Frauen, denn sie insinuiert, dass Frauen keine politischen Ansichten haben. Für mich wäre es ein Albtraum, wenn Hillary Präsidentin würde, und zwar wegen ihrer Politik. Sie ist eine Sozialistin und Kriegstreiberin. Wenn ich mich an der US-Botschaft in Bern so verhalten hätte wie sie mit ihren E-Mails, hätte ich meinen Job verloren und wäre wohl ins Gefängnis gekommen.

Aber was hat Herr Trump für ein Frauenbild? Sein Verhalten gegenüber Megyn Kelly, der TV-Journalistin, war doch bemerkenswert.
Das war lächerlich. Kelly ist so aufgeblasen und von sich eingenommen. Oh, mein Gott! Sie wollte ihn in eine Falle locken. Sie ist nicht seriös.

Sie leben in Florida, einem wichtigen Swingstate. Wie läuft es für Donald Trump?
Er liegt vorn. Alle meine Freunde hier sind für ihn. Er ist ein liebenswerter Mann. Die Leute wollen einen Wandel. Mit Hillary aber geht es einfach gleich weiter. Und Donald Trump macht zwar Fehler, aber er verstellt sich nicht. Alle meine Leute hier sind für Trump, weil er den Arbeitern helfen will. Sogar mein schwarzer Gärtner.

Ja? Die Afroamerikaner wählen doch Clinton.
Ja, aber er wählt Trump, denn er ist ein echter Mann. Er war beim Militär. Und er sagt, Donald Trump sei ein Geschäftsmann, der die Probleme des Landes kenne. Und er weiss, dass sonst ein Südamerikaner kommt und ihm den Job wegnimmt.

Weshalb unterstützen nur wenige prominente Republikaner Trump so öffentlich wie Sie?
Sie haben Angst vor dem Establishment. Und das ist ein Wahlkampf gegen das Establishment. Viele Republikaner im Kongress gehören zum Establishment. Sie fürchten vor allem, dass sich die Geld­geber im Hintergrund abwenden könnten, wenn sie sich für Trump einsetzen.

Was sind die Folgen für die Partei?
Es ist ein Erdbeben. Es wird nie mehr so sein, wie es war. Egal, ob Trump gewinnt oder nicht. Er hat den Tisch umgestossen, an dem das republikanische Partei-Establishment sass.

«Meine Enkelin arbeitet im Übergangsteam von Trump, das die Präsidentschaft vorbereitet.»

Machen Sie für Donald Trump Wahlkampf, so wie einst für Ronald Reagan?
Ja, ich war kürzlich in St. Louis, Missouri, sowie in Philadelphia und hielt eine Rede. Ich mache, was ich kann. Ich schreibe in der «Huffington Post».

Was müsste die Schweiz erwarten von einer Regierung Trump?
Donald Trump glaubt an die traditionellen Prinzipien des freien Marktes, also an den beschränkten Einfluss der Regierung, tiefe Steuern, Zurückhaltung bei den Ausgaben. Alles, was ihr habt in der Schweiz. Er ist hier der Einzige, der über die 19 Billionen Dollar Schulden spricht. Das nervt das Establishment, denn die haben diese Schulden verursacht. In der Schweiz sind die Leute vorsichtig, ihr glaubt an die dezentralisierte Regierung. Daran glaubt auch Donald Trump.

Was wäre Trumps Position in Sachen Steuerflucht?
Er würde weniger darauf pochen, dass US-Recht auch ausserhalb des Landes angewendet wird, so wie eine sozialistisch ausgerichtete Regierung der Demokraten. Hillary Clinton ist umzingelt von Leuten wie Elizabeth Warren mit einer europäisch-sozialistischen Mentalität. Und diese Leute wären in ihrer Regierung. Die Schweiz ist das einzige Land in Europa, das noch keine Landesregierung hatte, die sozialistisch war. Die Schweiz würde ohne Zweifel mit Trump besser fahren als mit Clinton. Die Beziehungen wären ausgezeichnet.

Würden Sie in einer Regierung Trump den Präsidenten in Fragen zur Schweiz beraten?
Ich strebe kein Amt mehr an, ich bin pensioniert. Ich habe nicht mehr die Kraft für eine Aufgabe in der Regierung. Aber ich ermuntere viele junge Leute, sich um einen Job zu bewerben. Meine Enkelin arbeitet im Übergangsteam von Trump, das die Präsidentschaft vorbereitet.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.10.2016, 18:23 Uhr

Faith Whittlesey

Der Schweiz eng verbunden

Faith Whittlesey (77) war von 1981 bis 1983 und von 1985 bis 1988 US-Botschafterin in Bern. Dazwischen arbeitete sie unter Präsident Ronald Reagan im Weissen Haus. Nach ihrer Rückkehr in die USA übernahm die Anwältin den Vorsitz der American Swiss Foundation, einer privaten Stiftung mit Sitz in New York, die sich für die Beziehungen zwischen den USA und der Schweiz einsetzt. Seit 2008 ist sie deren Ehrenpräsidentin. Whittlesey lebt in Palm Beach County im US-Bundesstaat Florida. (chm)

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