Ausschreitungen am Rand von Klimademo in Paris

Vor dem Uno-Klimagipfel in New York gehen Aktivisten weltweit auf die Strasse. Am Samstag traf sich António Guterres mit Greta Thunberg.

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Eine Klimademonstration in Paris mit rund 15'000 Teilnehmern ist am Samstag von Gewalt von Linksradikalen überschattet worden. Gewaltbereite zündeten Abfalleimer an und schlugen Scheiben ein. Die Polizei setzte Tränengas ein, es gab mehr als 160 Festnahmen.

In der französischen Hauptstadt fanden gleich drei Demonstrationen statt: An der Kundgebung «Für das Klima und die soziale Gerechtigkeit» nahmen nach Angaben der Veranstalter 50'000 Menschen teil, die Präfektur sprach von 16'000 Teilnehmern. Ein Fachdienst, der für Medien Zählungen vornimmt, kam auf gut 15'000 Teilnehmer.

«Wir verteidigen nicht die Natur, die Natur verteidigt sich selbst», steht auf diesem Plakat, das eine Frau in Paris hält. (21. September 2019) Bild: Pascal Rossignol/Reuters

Zuvor gab es bereits eine Demonstration der sozialen Protestbewegung «Gelbwesten», am Nachmittag eine Gewerkschaftskundgebung gegen die Rentenreform der Regierung. Die gewaltbereiten Demonstranten gingen zunächst zusammen mit den «Gelbwesten» auf die Strasse und schlossen sich dann der Klimakundgebung an. Der Schwarze Block habe sich dann auf dem Boulevard Saint-Michel im Quartier Latin sehr schnell in die Klima-Demo eingereiht, teilten die Behörden mit.

Nachdem etwa 150 militante, teilweise maskierte Demonstranten Beamte beworfen, zwei Bankfilialen attackiert und Mülleimer sowie E-Scooter angezündet hätten, seien die Sicherheitskräfte eingeschritten, verlautete aus informierten Kreisen. Die Polizei setzte Tränengas ein und schoss mit nicht-tödlicher Munition, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Ultralinke und Gelbwesten

Insgesamt nahmen laut Polizeipräfektur tausend «radikale» Demonstranten aus dem ultralinken Lager und von den «Gelbwesten» an der Kundgebung teil. Bis zum Abend wurden nach Polizeiangaben mehr als 160 Menschen festgenommen.

Zwei der Veranstalter, Greenpeace und Youth for Climate, riefen die Demonstranten angesichts der Ausschreitungen auf, nach Hause zu gehen. Greenpeace warf der Polizei vor, auch gegen friedliche Demonstranten, darunter Familien, Tränengas eingesetzt zu haben. Am Weltklimastreik am Freitag hatten sich nur knapp 10'000 Menschen in Paris beteiligt.

Bereits am Samstagvormittag versammelten sich mehrere hundert «Gelbwesten» in Paris. Nach Angaben der Polizeipräfektur hatten einige Hämmer und Benzinkanister bei sich. Sicherheitskräfte setzten demnach Tränengas ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben, die in Richtung der Champs-Elysées unterwegs waren.

Demoverbot für Champs-Elysées

Für den Prachtboulevard war ein Demonstrationsverbot verhängt worden, da die Behörden Ausschreitungen befürchteten. Auch Touristen und Pariser, die Sehenswürdigkeiten besichtigen wollten, wurden von der Polizei zurückgedrängt. Einige Gebäude blieben am Tag des Denkmals geschlossen, unter anderem der Arc de Triomphe, der im Dezember von Demonstranten schwer beschädigt worden war.

Nach Polizeiangaben waren rund 7500 Sicherheitskräfte im Einsatz - so viele wie zuletzt am 1. Mai, als es in Paris schwere Krawalle gab. Auch Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge standen bereit. Polizisten in Uniform und in Zivil kontrollierten zahlreiche Menschen.

In Sicherheitskreisen war befürchtet worden, dass sich Mitglieder der «Gelbwesten» und Mitglieder des «Schwarzen Blocks, die alles zerstören wollen», zusammentun könnten. Auf Seiten der «Gelbwesten» äusserten einige Aktivisten die Hoffnung, dass es zu einem Zusammenschluss mit den Umweltaktivisten kommen könne. «Dieser Tag ist symbolisch für uns, für den Zusammenschluss der Kämpfe für das Klima, die Renten», sagte Eric, nach eigenen Angaben Mitglied der Gelbwesten aus dem südwestfranzösischen Toulouse.

Zu Klimaprotesten war auch in anderen französischen Städten wie Strassburg, Lyon und Bordeaux aufgerufen. In Lyon versammelten sich laut Präfektur rund 5000 Menschen.

Greta: «Uns kann niemand stoppen»

Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hat nach den weltweiten Klimaprotesten vor den Vereinten Nationen den Kampf gegen die Klimakrise beschworen.

«Gestern sind Millionen Menschen rund um den Globus marschiert und haben wirkliche Klimamassnahmen verlangt, vor allem junge Leute», sagte die 16-Jährige am Samstag beim Uno-Jugendklimagipfel in New York. «Wir haben gezeigt, dass wir geeint sind und dass uns junge Leute niemand stoppen kann.»

António Guterres hört während der Eröffnung des Youth Climate Summit in New York Greta Thunberg zu. (21. September 2019) Bild: Carina Karlovits/Bundesheer/APA

Offiziellen Angaben zufolge wurden bei dem Treffen, das dem Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs am Montag vorgeschaltet ist, etwa 700 Teilnehmer erwartet. Bei der Veranstaltung sollen die Jungdelegierten Vorschläge für den Kampf gegen den Klimawandel erarbeiten.

Hongkong, Bangladesh, Melbourne, London, Prag: Am Freitag, 20. September 2019 dürften Millionen von Menschen am Klimastreik «Friday for Future» teilnehmen. Video: Tamedia

Die entwickelten Massnahmen sollen den Staats- und Regierungschefs unterbreitet werden. Auch Uno-Generalsekretär António Guterres war bei dem Jugendgipfel dabei – vor allem als Zuhörer.

Trotzdem hielt auch Guterres eine Ansprache: «Das ist eines der Probleme der weltweiten Anführer: dass sie zu viel reden und nicht genug zuhören», sagte er. Noch vor einigen Jahren habe er sich entmutigt gefühlt angesichts des voranschreitenden Klimawandels und der mangelhaften Handlungen der Politiker.

Guterres: Ich ermutige euch, weiterzumachen

«Und plötzlich habe ich gespürt, dass da ein neuer Impuls war, der zunahm. Und der kam zu einem grossen Teil von der Jugendbewegung», so Guterres. Mittlerweile gebe es einen Wandel und Umdenken in der Politik, aber es müsse noch mehr getan werden, um das Rennen in der Klimakrise nicht zu verlieren.

Einige Leute hätten ihn gewarnt, vorsichtig mit der Unterstützung der jungen Aktivisten zu sein. «Ich bin aber überhaupt nicht vorsichtig, ich ermutige euch, weiterzumachen.» Seine eigene Generation müsse für ihren Umgang hinsichtlich des Klimas zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Gipfel fand einen Tag nach den weltweiten Klimastreiks statt, bei denen Greta Thunberg am Freitag vor Zehntausenden Menschen in New York gesprochen hatte. An den Protesten hatten Hunderttausende Menschen in Dutzenden Ländern teilgenommen.

(oli/sda)

Erstellt: 21.09.2019, 23:12 Uhr

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