Dauerhafter Frieden klingt anders

Im Handelsstreit wurde die nächste Eskalationsstufe abgewendet. Eine Einigung gibt es aber nicht.

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Waffenstillstand also, mancher spricht gar schon von Frieden. Wenn sich die Experten da mal nicht täuschen. US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Kollege Xi Jinping haben vereinbart, den Handelsstreit zwischen ihren Ländern vorerst nicht weiter anzuheizen. Das ist zunächst tatsächlich eine gute Nachricht, denn eine Eskalation hätte das ohnehin fragile Weltwirtschaftswachstum zusätzlich schwer belastet. Diese Gefahr ist nun abgewendet.

Allerdings wohl nur vorerst, denn das Grundsatzproblem bleibt. China will die USA als Weltmacht Nummer eins ablösen, die Amerikaner wollen natürlich ebendies verhindern: Das – und nicht die Handelsbilanz – ist der eigentliche Kern der Auseinandersetzung.

Für die Welt wäre es gut, wenn beide Staaten die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gemeinsam angingen, vom Klimawandel über Ernährung, Alterung und Migration bis zur Terrorismusbekämpfung. Doch Kooperation oder wenigstens ein gesunder Wettbewerb stehen weder in Washington noch in Peking auf der Agenda: Es geht nicht darum, den Kuchen für alle zu vergrössern, es geht darum, sich auf Kosten des jeweils anderen vom bestehenden Kuchen ein grösseres Stück zu sichern. So missverstehen sowohl Donald Trump als auch Xi Jinping das Wesen von Handel und globaler Kooperation – der eine aus Ignoranz, der andere aus Kalkül.

Dazu kommen das Naturell der beiden Präsidenten und die Umstände, unter denen sie arbeiten. Trump ist ein Spieler, der in der Kategorie von Sieg und Niederlage denkt. Er braucht Zuspitzungen und Beinahe-Katastrophen, um den starken Mann markieren und seine Mär vom «Wir gegen den Rest der Welt» weitererzählen zu können. Xi wiederum mag zwar kein Narziss sein. Er steht jedoch intern unter Erfolgsdruck und ist zudem ein kühler Machtpolitiker, der nicht das grosse Ganze im Blick hat, sondern permanent versucht, für Chinas Marsch an die Weltspitze Zeit zu gewinnen. Nach dauerhaftem Frieden klingt das alles nicht.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 02.12.2018, 21:03 Uhr

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