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Dem Kreml ist nicht zum Lachen

Mit einem Grinsen reden russische Kommentatoren die angeblichen Moskauer Dokumente gegen Trump klein. Doch der Kreml fürchtet um den Neustart in den amerikanisch-russischen Beziehungen.

Wladimir Putin: Soll keine Eskalation und weitere öffentliche Enthüllungen wollen. Foto: Keystone
Wladimir Putin: Soll keine Eskalation und weitere öffentliche Enthüllungen wollen. Foto: Keystone

Die Meldungen, Moskau besitze kompromittierendes Material über Donald Trump, seien ein offensichtlicher Versuch, die Beziehungen zwischen den USA und Russland zu belasten, kommentiert der Pressechef des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Bericht eines britischen Geheimdienstmannes sei nichts als Schund. «Das Beste wäre, in gleicher Weise darauf zu reagieren – mit einer Prise Humor dazu.»

Video - «Es war Russland», sagte Trump am Mittwoch vor den Medien:

An Humor fehlt es den russischen Kommentatoren nicht. Mit einem spöttischen Grinsen im Gesicht stellt der Moderator des vom Kreml gesponserten Senders Russia Today die Professionalität der westlichen Medien infrage, die unbestätigte, um nicht zu sagen «lächerliche» Gerüchte verbreiteten. Die westlichen Medien seien tief gesunken, arbeiteten nur noch wie Paparazzi. Der Russia-Today-Kommentator deutet die «schmutzigen und falschen Vorwürfe» sogar als Anfang vom Ende von US-Medien wie CNN. Die öffentliche Brüskierung des Senders an Trumps Pressekonferenz vom Mittwoch fand in Moskau ganz besonderen Widerhall, geht der Sender doch seit Jahren hart ins Gericht mit Russland. Der Kreml stempelt ihn schon lange als Lügenpresse ab.

Verkehrte Welt

Anlass zu Spott gab auch, dass sich in den USA nun plötzlich alles um Russland dreht, wo doch der scheidende Präsident Barack Obama das Land zu Putins grossem Ärger vor drei Jahren noch als zweitrangige Regionalmacht abgetan hatte. «Die ersten Fragen sind alle zu Russland», schreibt Wladimir Warfolomejew vom liberalen Radiosender Echo Moskau während Trumps Pressekonferenz. «Das ist die lange ersehnte multipolare Welt.»

Ein anderer Kommentator bemerkt, wie verkehrt die Welt doch plötzlich sei: Früher seien an allen grossen und kleinen Problemen Russlands immer die Amerikaner schuld gewesen. Doch nun sei plötzlich alles umgekehrt. In Wahrheit seien die USA wohl eine heimliche Kolonie Russlands. Nach der Wahl Trumps ging bereits der Witz durchs Netz, Putin habe Trump zum Chef des Distrikts Nordamerika ernannt. Die Wahl des Republikaners und vor allem das Gemunkel über russische Einflussnahme festigten den Allmachtsstatus Putins zu Hause noch einmal mächtig.

Missgünstige Demokraten

Doch inzwischen hat die Debatte eine Dimension angenommen, die dem Kreml offensichtlich nicht mehr ganz geheuer ist. Das Thema Trump und angebliche Moskauer Papiere ist schnell auf die hinteren Plätze der russischen News verschoben worden. In den Nachrichten wird zuerst ausführlich über eine Antiterroraktion in Tschetschenien berichtet, Trump und die massiven Vorwürfe an Russland belegten nur gerade Platz 5 von 8.

Die Wahl Donald Trumps und vor allem das Gemunkel über russische Einflussnahme festigten den Allmachtsstatus Putins zu Hause noch einmal mächtig.

Der Tenor ist immer der gleiche: dass die angeblichen Moskauer Dokumente nur ein weiterer schmutziger Schachzug der Demokraten seien, die Trump das Präsidentenamt nicht gönnten und einen Ausgleich mit Russland unter allen Umständen verhindern wollten. «Die finsteren Inquisitoren von Geheimdienst und Kongress verlangen, dass Trump sich beugt vor dem Staat im Staat und seiner antirussischen Agenda», heisst es beim Kreml-freundlichen Nachrichtenportal Sputnik.

Eskalation stoppen

Ob all der schlechten Presse in den USA sieht der Kreml den von Trump versprochenen Neustart mit Russland offenbar allmählich in Gefahr, weil nun jede Geste gegenüber Russland in den USA mit Argusaugen beobachtet werden wird, jedes Entgegenkommen wie ein Kniefall vor dem Kreml wirkt. Putin wolle die Skandalwelle so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen, sagt der russische Politologe Wladimir Frolow. «Eskalation und mehr öffentliche Enthüllungen sind nicht in Putins Interesse.»

Frolow glaubt sogar, dass der Kreml inzwischen den Hackerangriff auf die US-Demokraten bereut. In Moskau glaube man nicht wirklich daran, das Ergebnis der US-Wahl damit beeinflusst zu haben. Doch nun bedrohten die Skandale den erhofften fundamentalen Wandel in den Beziehungen zwischen den USA und Russland.

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