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Der Präsident hat keinen Spass

Donald Trump muss sich verrechnet haben. Den Job, den er jetzt hat, hatte er so nicht gewollt.

Regieren macht ihn zum Verlierer: So jedenfalls erging es allen Präsidenten vor Donald Trump. Foto: Keystone
Regieren macht ihn zum Verlierer: So jedenfalls erging es allen Präsidenten vor Donald Trump. Foto: Keystone

Was hatte er doch Spass bei den republikanischen Vorwahlen und überhaupt im Wahlkampf! Donald Trump provozierte und stellte seine Widersacher, vom texanischen Senator Ted Cruz bis hin zu Hillary Clinton, mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln bloss. Er unterhielt sich und sein Publikum. Bis er gewann.

Jetzt ist der Spass weg. Trump wirkt verbiestert, zuweilen erweckt er den Eindruck, ein Dampfkochtopf mit defektem Überdruckventil zu sein. «Es gilt festzuhalten, dass Präsident Trump derzeit keinen Spass hat», befand das Webmagazin «Slate» kürzlich. Wie sollte er auch? Die Ersatzreform für Obamacare ist kaputt, Trumps Partei zankt sich, seine Umfragewerte dümpeln auf historisch niedrigem Niveau.

Das Justizministerium findet, dass Klagen durch Personen, nicht Staaten eingereicht werden sollten: Ein Demonstrant tut seine Meinung vor dem Berufungsgericht in San Francisco kund. (7. Februar 2017)
Das Justizministerium findet, dass Klagen durch Personen, nicht Staaten eingereicht werden sollten: Ein Demonstrant tut seine Meinung vor dem Berufungsgericht in San Francisco kund. (7. Februar 2017)
AP Photo/Jeff Chiu, Keystone
Gemeinsam mit Trump gegen den Terrorismus: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara. Er und Trump betonen ihre Zusammenarbeit im Anti-Terror-Kampf. (2. Februar 2017)
Gemeinsam mit Trump gegen den Terrorismus: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara. Er und Trump betonen ihre Zusammenarbeit im Anti-Terror-Kampf. (2. Februar 2017)
AP Photo/Lefteris Pitarakis, Keystone
Nach Trumps Willen soll Mexiko die gigantische Anlage an der 3200 Kilometer langen Grenze finanzieren. Die mexikanische Regierung lehnt dies jedoch strikt ab: Blick auf den Grenzzaun in Tijuana.
Nach Trumps Willen soll Mexiko die gigantische Anlage an der 3200 Kilometer langen Grenze finanzieren. Die mexikanische Regierung lehnt dies jedoch strikt ab: Blick auf den Grenzzaun in Tijuana.
Guillermo Arias, AFP
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Und die Tage im Weissen Haus scheinen endlos, angefüllt mit Terminen und Auftritten, die Trump am liebsten auslagern würde. Wie am Montag, als er weibliche Entrepreneure empfing und dabei etwas vom Blatt ablas. Regieren ist spassfeindlich, man kassiert Niederlagen und wird zwangsläufig zum Verlierer. So jedenfalls erging es allen Präsidenten vor Trump.

An seiner Misere ist Trump nicht allein schuld. Seine Partei ist nie richtig mit ihm warm geworden. Eigentlich wäre sie mit Vizepräsident Mike Pence im Weissen Haus besser bedient gewesen. Hinzu kommt Trumps fürchterliche Presse. Er hat sie sich mit seinen furiosen Attacken gegen die Medien selbst eingebrockt. Aber nun hat sich die gegenseitige Abneigung verselbstständigt.

Die Angst geht um

Trumps Freunde haben dafür einen Witz erfunden: Trump und der Papst segeln in einem kleinen Boot. Der Wind weht den Pileolus, die Kopfbedeckung des Papstes, auf das Wasser. Trump steigt aus, läuft auf dem Wasser und holt den Pileolus. Triumphierend titelt daraufhin die «New York Times»: «Präsident Trump kann nicht schwimmen».

Wahrscheinlich dachte Trump, die amerikanische Präsidentschaft biete eine einmalige Gelegenheit, sich pausenlos selbst zu zelebrieren. Stattdessen gibt es vor allem Ärger. Die Insider in Washington fragen sich, ob Trump überhaupt durchblickt. Einen profunden «Mangel an Kompetenz» attestiert Chuck Schumer, Minderheitsführer der Demokraten im Senat, dem Präsidenten.

Weil Trump die Welt missfällt, schafft er sich eine bessere Welt.

Das organisatorische Chaos hilft nicht: Hunderte wichtiger Positionen in Trumps Regierung bleiben unbesetzt, Machtkämpfe toben in seiner Umgebung. Die Atmosphäre im Weissen Haus ist so vergiftet, dass Trumps Mitarbeiter ihre Diensthandys nach Arbeitsschluss zu Hause in eine Schublade legen – aus Angst, man höre sie mithilfe der Handys ab.

«Die Leute haben Angst», als Arbeitsplatz sei Trumps Weisses Haus «eine ziemlich feindselige Umgebung», zitierte das Online-Portal «Politico» neulich einen «hochrangigen Mitarbeiter» des Präsidenten. Unter anderem argwöhnen Trump und seine Untergebenen, der «Deep State» sei hinter ihnen her. Sie glauben, der permanente Staat aus Geheimdiensten, feindlichen Bürokraten und Obama-Überbleibseln hätte es auf Trump abgesehen.

Apropos Obama: Im Gegensatz zu Trump hat der Vorgänger Spass. Er hat seine Freiheit wieder, ist in Lederjacke und Sonnenbrille in Washington zu sehen. Sicherlich ist er happy: Trumpcare versus Obamacare null zu eins!

Alternative Fakten und Golf

Trump hingegen wird von Pannen und Paranoia geplagt. Weil ihm die Welt missfällt, schafft er sich eine bessere Welt. Fakten interessierten ihn nie sonderlich. Aber je isolierter Trump im Weissen Hauses lebt, desto beharrlicher hängt er alternativen Fakten nach, die keine sind.

In einem bemerkenswerten Interview mit «Time» versank Trump tief in seiner Parallelwelt. Drei bis fünf Millionen illegale Wähler hätten gegen ihn gestimmt. Die Arbeitslosenzahlen unter Obama seien gefälscht gewesen. Fünf Prozent? Die wahren Zahlen lagen irgendwo zwischen 28 und 42 Prozent. Sagt Trump, einfach so.

Wenn es so wäre, müssten Hunderte Beamte im Arbeitsministerium Teil einer gewaltigen Verschwörung sein. Obamas Amerika wäre schlimmer gewesen als unter Franklin Roosevelt während der Grossen Depression in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Aber jetzt stehen die Dinge besser. Ausser dass Trump null Spass hat. Fast jedes Wochenende flüchtet er nach Florida in seine Villa Mar-a-Lago und spielt Golf. Washington ist wohl nicht das, was er wirklich wollte.

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