Der Star der Teenager

Sängerin, Schauspielerin, Suchbegriff: Ariana Grande zeigt, wie man im 21. Jahrhundert berühmt ist.

Ariane Grande, Superpop-Popstar. Foto: Reuters

Ariane Grande, Superpop-Popstar. Foto: Reuters

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Auch aus Manchester wurden diese farbig blinkenden Wackelvideos ins Netz gestellt. Sie zeigen Ariana Grande im ­Stadion und vermitteln mehr als die Musik die unbeschwerte Stimmung, die an diesem Abend herrschte. Es gibt solche Bilder auch aus Dublin, wo das 23-jährige Popstarlet aus Boca Raton, einer reichen Küstenstadt im Süden von Florida, am Samstag aufgetreten ist, und ebenso aus Birmingham, Amsterdam, Stockholm oder Oslo, wo es seine Show in den Tagen zuvor gezeigt hat.

Das war die «Dangerous Woman»-Tournee. Und wo immer man reinklickt in den Strom der Fanvideos, blickt man in einen dieser fröhlich aufgebretzelten Popevents, wie sie heute ständig durch die Stadien der Welt touren: Man hört den hibbeligen R & B, wie ihn das schwedische Hit-Genie Max Martin für Ariana Grande eingerichtet hat, und man sieht die Tänzer tanzen, die Bildschirme leuchten, die Pyros speien, die Bodennebel fliessen – und die Handydisplays der anderen Fans, die das alles ins ­Unendliche vervielfachen. Kurzum, es ist Superpop für den Massenmarkt, und der Massenmarkt hat sichtlich Spass. «Eine geschäftige, bombastische Sache», schrieb der «Guardian» vor wenigen ­Tagen über das Konzert in Birmingham, «mit ADHS im Endstadium.»

Sexy, lasziv, jugendlich – das Video zum Hit «Dangerous Woman»:

Ariana Grande würde dieses Fazit vermutlich sogar unterstreichen. Wie Miley Cyrus oder Justin Bieber war sie einer jener Teenage Stars, die schau­spielend und bereits mit Millionen von Followern im Musikgeschäft ankamen. Sie wurde bekannt als Cat Valentine in «Victorious», einer Sitcom vom Campus einer Kunst-Highschool, und erst ihre Beiträge für den Soundtrack der Serie trugen ihre spektakuläre, wenn auch nicht besonders schöne Sopranstimme auch in die Hitparaden. Mittlerweile ­gehören ihre Konten bei Instagram und Twitter zu den fettesten der Welt.

Vor allem Teenager folgen dieser Sängerin, die auf der Bühne immer noch ihren mädchenhaften Ponytail zeigt, aber auch schon einiges an Haut. Das neue Album und die neue Tournee ­wollten Ariana Grande als «Dangerous ­Woman» positionieren, als gefährliche, erwachsene Frau. Aber auch wenn die Sängerin ihre Präsenz im Internet und auf der Bühne mit ein bisschen Feminismus sprenkelt, ein bisschen Gender und ein bisschen mehr Sex, so sieht man auf den Fanvideos doch weiterhin auch Luftballone und hört in erster Linie die grosse Internationale der Teenager – diesen hohen, furchterregend lange an­haltenden Schrei der Verzückung.

Ja, die knallbunte Kunst von Ariana Grande ist ein Angebot an die Teenager dieser Welt, noch möglichst lange in der Jugend zu verharren, im Zustand jener ekstatischen Nichtidentität, in dem noch alles ausmalbar und möglich ist. Und so wirkt es wie eine böse Ironie, dass der mutmasslich islamistische Attentäter die Stadt angegriffen hat, die man in der Popkultur auch als Madchester kennt: Die versteinerte Identität eines Jihadisten ist das passgenaue Gegenstück zu diesem imaginären, verrückten, fröh­lichen Ort, den Popstars wie Ariana Grande bespielen. Doch wie fragte der «Guardian» nach dem Konzert in Birmingham: «Wie lange lässt sich eine ­Ekstase durchhalten?» Das war, bevor die Realität einschlug in Madchester.

Bildstrecke – Terror in Manchester:

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.05.2017, 22:54 Uhr

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