Zum Hauptinhalt springen

Analyse: Diese Hochzeit stärkt die britische Monarchie

Es herrscht Feierlaune: Harry und Meghan tragen das Haus Windsor mit ihrer Hochzeit in die Zukunft.

Prinz Harry und seine Verlobte Meghan Markle werden bald heiraten.
Prinz Harry und seine Verlobte Meghan Markle werden bald heiraten.
Eddie Mulholland/Pool via AP, Keystone
Die Einladungen sind längst verschickt. Und auch ...
Die Einladungen sind längst verschickt. Und auch ...
EPA/Victoria Jones/PA Wire, Keystone
Damit wie schon bei Will und Kate alles gut läuft für die Fans, hat der Palast ein paar Massnahmen getroffen.
Damit wie schon bei Will und Kate alles gut läuft für die Fans, hat der Palast ein paar Massnahmen getroffen.
AP Photo/Chris Radburn, Pool, Keystone
1 / 5

In den engen Strässchen um Windsor Castle drängen sich rund 100'000 Menschen und lassen die Royals hochleben. Und mehr als hundert Millionen Menschen, schätzt man, verfolgen die Zeremonie an Bildschirmen rund um die Erde. Vorhang auf zur World­wide-Windsor-Show.

Das kann diese Monarchie noch, die die letzte wahrhaft grosse Monarchie der Welt ist, wie in den alten Zeiten: Eine Festivität mit Pomp und Glorie veranstalten, globale Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Die Hauptakteure, vor allem die Braut, geben dabei der Veranstaltung besonderen Reiz. Der transatlantische Charakter eines Eheschlusses, der sich um kein Rassentabu mehr kümmert, sorgt für Extrainteresse. Und Hollywood lässt grüssen: Was will die Krone mehr?

Neuer Fokus für die britische Monarchie

Schon die Hochzeit Prinz Williams und Kate Middletons vor sieben Jahren, und die Geburt ihrer drei Kinder seither, hat der britischen Monarchie einen neuen Fokus gegeben. Als folgten die Royals einem cleveren Plan, haben sie nach und nach ihre Angebotspalette erweitert.

Mittlerweile hat das Haus Windsor Personal für jeden Bedarf, für jeden denkbaren Anspruch. Die älteren Generationen erfüllen, zusammen mit der Queen, die Erwartungen der Traditionalisten im Lande, der monarchistischen Stammkundschaft. William und Kate wiederum kommen jener mittelständischen Bevölkerungsgruppe entgegen, der schon mal ein jüngeres Team recht wäre – und die doch zugleich festhält an konventioneller Rollenverteilung und angestammten Familienverhältnissen, an «massvoller» Reform.

Harry und Meghan dagegen stehen für Wandel. Sie machen es einem republikanischen Blatt wie dem Londoner «Guardian» schwer, den Anachronismus der Institution zu bespötteln. Sie bedienen Grossbritanniens Jugend, den «millennial market».

Erste Ehen gingen zu Bruch

Vor allem beginnt die Monarchie mit Harry und Meghan eine gewisse Bereitschaft zur Reform ihrer selbst zu demonstrieren. Ob sich der gute Wille in die Tat umsetzen lässt, bleibt natürlich abzuwarten. Skepsis ist angebracht. Die «Firma» mit ihren ehernen Regeln mag sich als stärker erweisen als der Wunsch nach Veränderung, nach etwas frischem Luftzug durch muffige Gemächer. Und den unbarmherzigen Methoden mächtiger Medien und Munkelmaschinen mag auf Dauer selbst eine erfahrene Schauspielerin nicht gewachsen sein.

Auch weiss natürlich niemand, ob dieser «Bund fürs Leben» von Bestand sein wird. Drei der vier Kinder der Queen, darunter Thronfolger Charles, haben ja ihre Ehen über die Jahre scheitern sehen. Auch Meghans erste Ehe, drüben in den Staaten, ist zu Bruch gegangen. Aber wer will schon sagen, dass dieser neue Anlauf zweier Hoffnungsvoller keine Chance hat?

Ende der «Elisabethanischen Ära»

Zufall ist es jedenfalls nicht, dass sich nun so viel Hoffnung auf William, Harry, Kate und Meghan richtet – die «Fab Four», wie die britische Presse sie nennt (eigentlich ein Spitzname für The ­Beatles). Mit 92 Jahren sieht sich Elizabeth II. endgültig gezwungen, ihr Arbeitspensum einzuschränken. Philip, ihr Mann, ist sogar 97, und sein Gesundheitszustand ist nicht der beste. So beunruhigend der Gedanke für viele Royalisten ist, so wissen doch alle, dass auch die lange «Elisabethanische Ära» nicht ewig währen kann.

Sobald aber Charles den Thron besteigt, droht dem Königtum ein Einbruch der Popularität – daran besteht wenig Zweifel. Der Thronfolger und dessen zweite Frau Camilla sind denkbar unbeliebt. Schon heute hätten die meisten Royalisten lieber William, Charles' Ältesten, als nächsten König: Was natürlich, in der Logik der Monarchie, nicht geht.

80 Prozent der Briten wollen Monarchie erhalten

Nervosität macht sich wohl auch breit, weil das Vereinigte Königreich im aktuellen Brexit-Chaos in eine Identitätskrise geraten ist. Die Zukunft Britanniens, die Rolle des Landes in Europa und der Welt, ist sehr ungewiss geworden. Die Kontinuität, welche die Krone symbolisiert, steht in scharfem Kontrast zu den extremen Irrungen und Wirrungen, welche die Politik der Insel dieser Tage durchläuft.

Bemerkenswert ist ja schon, wie still es um die Antimonarchisten geworden ist in jüngsten Jahren. Zu Zeiten der Sex Pistols oder des Diana-Dramas war die republikanische Bewegung noch fester Bestandteil britischer Kultur. Nun wollen, dank Elizabeth und den «Fab Four», wieder 80 Prozent aller Briten die Monarchie um jeden Preis erhalten. Solange ein emotionales Band Krone und Bevölkerung verknüpft und die jüngeren Windsors sich relevanter zu geben wissen, schläft die Queen sorglos unterm blauen Baldachin.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch