Die Schweiz hat ihn mitgeprägt

Der Jurist Quim Torra kandidiert als katalanischer Präsident.

Von Carles Puigdemont als neuer Präsident vorgeschlagen: Quim Torra. Bild: Reuters

Von Carles Puigdemont als neuer Präsident vorgeschlagen: Quim Torra. Bild: Reuters

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Die Madrider Medien haben keine Zweifel: Quim Torra ist ein katalanischer Nationalist von der härtesten Sorte und ausserdem fremdenfeindlich. Ausgerechnet dieser Mann soll heute Samstag vom Parlament in Barcelona zum neuen Regionalpräsidenten gewählt werden, zum Nachfolger des im Oktober abgesetzten Carles Puigdemont. Für die Führung in Madrid sind die beiden energischen Verfechter der Loslösung ihrer Heimat­region vom Königreich Spanien ein Graus.

Als Beleg für Torras angeblichen katalanischen Chauvinismus werden einige Twitter-Sprüche aus den letzten Jahren ausführlich ausgebreitet, die er allerdings von seinem Konto gelöscht hat. «Wir leben seit 1714 unter spanischer Besatzung», hatte er da verkündet, eine Anspielung auf die Brandschatzung Barcelonas durch den spanischen König. «Die Spanier können nur plündern.» Ausserdem sei «Scham» aus dem spanischen Wortschatz getilgt.

Seine Verteidiger weisen die Unterstellung zurück, Torra sei fremdenfeindlich. Vielmehr hätten sich seine Tweets auf historische Erfahrungen der Katalanen bezogen. Es sei zu beklagen, dass die Spanier ihre Untaten bis heute verdrängten. Eines dürfte sicher sein: Noch bevor Torra sich überhaupt der Wahl im Parlament gestellt hat, erregt er die Gemüter.

Dabei ist der 55-jährige Jurist, der mit vollem Namen Joaquim Torra i Pla heisst, im persönlichen Umgang eher zurückhaltend. In der Politik ist er ein Quereinsteiger, erstmals wurde er im Dezember in das Regionalparlament gewählt, in dem die Separatisten über eine knappe Mehrheit verfügen. Auf ihm ruhen nun die Hoffnungen, dass er als neuer Regierungschef der Region erst einmal politische Normalität herstellt. Katalonien steht seit der Proklamation der Unabhängigkeit durch Puigdemont im Oktober unter der Zwangsverwaltung Madrids. Vorsorglich hat der spanische Premierminister Mariano Rajoy ihn verwarnt: Falls Torra gegen die Verfassung verstossen sollte, werde er sofort abgesetzt.

Nun muss Torra sich erst einmal von seinem bisherigen Engagement verabschieden: Er ist Direktor des berühmten Born-Kulturzentrums in Barcelona und führte auch kurz die Kulturvereinigung Òmnium, die sich als intellektuelle Plattform der Separatisten versteht. Torra hat mehrere Essaybände über katalanische Kultur veröffentlicht und auch Prosa, darunter den Roman «Schweizer Messer». Dem Werk liegen zwei Jahrzehnte Erfahrung als Manager der Winterthur-Versicherung zugrunde, die heute im Axa-Konzern aufgegangen ist. Zwei Jahre hatte er in der Konzernzentrale in der Schweiz gearbeitet, bis er bei einer Umstrukturierung seinen Job verlor. In seinem Roman, der im Milieu der Versicherungsmanager spielt, scheint eine starke Kapitalismuskritik durch. Doch sagt Torra dazu selbst, er sei kein Linker. Auch kein Rechter. Sondern vor allem Katalane.

Erstellt: 12.05.2018, 15:28 Uhr

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