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Die Terroristen vom Sinai

Die ägyptische IS-Zelle Wilayat Sinai behauptet, sie habe die russische Metrojet-Maschine zum Absturz gebracht. Wer sind diese 2000 Kämpfer, die Terroristen aus Syrien nacheifern?

Ausschnitt aus einem Bekennervideo: Ein Terrorist der Wilayat Sinai schiesst angeblich einen Helikopter vom Himmel.
Ausschnitt aus einem Bekennervideo: Ein Terrorist der Wilayat Sinai schiesst angeblich einen Helikopter vom Himmel.
Screenshot Youtube

Zahlreiche Geheimdienstexperten und Regierungen sind mittlerweile überzeugt: Eine Bombe im Frachtraum liess den russischen Metrojet über dem Sinai abstürzen. Kurz nach dem Absturz tauchten im Internet zwei Bekennerbotschaften von IS-Terroristen auf. «Soldaten» des sogenannten Kalifats hätten das Flugzeug zerstört, um sich für die russischen Luftangriffe in Syrien zu rächen.

Schon seit langem erschüttert der ägyptische IS-Ableger Wilayat Sinai das Land mit Attentaten und Übergriffen auf Sicherheitskräfte. Der Nord-Sinai ist eine Hochburg der Terroristen. Das Problem ist hausgemacht, denn seit Jahren vernachlässigt die ägyptische Regierung die arme Region, sodass die IS-Ideologie hier auf fruchtbarem Boden gedeiht.

Terror aus Syrien kopiert

Seit Monaten kommt es immer wieder zu heftiger Gewalt zwischen Sicherheitskräften und Extremisten. Beim bislang massivsten Angriff der Terroristen auf die Armee und anschliessenden Gefechten sollen im Sommer mehr als 100 Menschen getötet worden sein. Dabei kopierten die Terroristen der Wilayat Sinai die Taktik des IS in Syrien und im Irak und attackierten ihre Ziele auch mit mehreren Selbstmordattentätern.

Die Gruppe trat 2011 als Ansar Beit al-Makdis («Unterstützer Jerusalems») in Erscheinung, leistete aber vor einem Jahr dem IS ihren Treueschwur und nannte sich fortan Wilayat Sina, Provinz Sinai. Auch in anderen ägyptischen Regionen ist sie aktiv. So bekannten sich die Jihadisten zu mehreren Attentaten in Kairo.

Die Verbindungen reichen bis in den Sudan, von wo laut Experten Waffen über den Sinai zum IS geschmuggelt werden. Auch zu Extremisten im benachbarten Bürgerkriegsland Libyen gibt es wahrscheinlich Kontakte.

Mubaraks eiserner Griff

Sollte der IS tatsächlich aus Rache für Russlands Luftangriffe in Syrien ein russisches Flugzeug zum Absturz gebracht haben, würde das Terrorphänomen in Ägypten eine völlig neue Dimension erreichen. Bislang konzentrierte sich Ägyptens IS auf den Kampf im eigenen Land und nahm vor allem die Sicherheitskräfte ins Visier.

Ägyptens Regierung und ihr damaliger Machthaber Hosni Mubarak reagierten in den 90er-Jahren mit harter Hand auf den Terror. Sie rüsteten den Sicherheitsapparat auf und inhaftierten Anhänger extremistischer Gruppen, bis diese geschwächt waren. Auch die Meinungs- und Pressefreiheit schränkte das Regime ein und nahm das Land in einen eisernen Griff. Diesen Weg führte Nachfolger al-Sisi fort – ohne dem IS bisher Einhalt gebieten zu können.

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