Ein Gipfeltreffen macht noch keinen Frühling

Wie ein negativer Ausgang des möglichen Treffens zwischen Donald Trump und Kim Jong-un verhindert werden kann.

Wollen sich treffen: US-Präsident Donald Trump (links) und Nordkorea-Machthaber Kim Jong-un. Bild: AP/Ahn Young-joon

Wollen sich treffen: US-Präsident Donald Trump (links) und Nordkorea-Machthaber Kim Jong-un. Bild: AP/Ahn Young-joon

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Nun wollen sie sich also treffen, die beiden Gegner im gefährlichsten atomaren Kräftemessen seit der Kubakrise. Das ist zunächst eine gute Nachricht, denn wer reden möchte, will nicht schiessen. Ausserdem vermindert bereits die Ankündigung des Gipfel­treffens zwischen Donald Trump und Kim Jong-un die Gefahr, dass es wegen Fehlwahrnehmungen unbeabsichtigt zum Krieg kommt. Auch ein amerikanischer Präventivschlag ist weniger wahrscheinlich geworden. Beides schien nicht ausgeschlossen, als sich zum Jahreswechsel der US-Präsident und Nordkoreas Jungdiktator in ihrer martialischen Rhetorik überboten.

Trotzdem, der für den Mai geplante Gipfel birgt Risiken. In der Regel ist ein solches Treffen der Höhepunkt einer sorgfältigen diplomatischen Annäherung. Das ist hier offensichtlich nicht der Fall: Kim ist weltweit isoliert, und Trump konsultierte nicht einmal sein eigenes Aussenministerium, bevor er ins Treffen einwilligte. Die Frage ist auch, was dabei herausschauen soll: Kim hat zwar ausrichten lassen, er sei bereit, über die nukleare Abrüstung zu reden. Ob zu Bedingungen, die für die USA akzeptabel sind, ist jedoch völlig unklar. Und wie eine solche Abrüstung kontrolliert würde, erst recht. Der Gipfel macht deshalb noch keinen Frühling. Obwohl es positive Beispiele gibt: Nixons Reise zu Mao 1972 entspannte Amerikas Verhältnis zu China.

Gefahr eines nuklearen Schlagabtauschs besteht wieder

Und das Treffen zwischen Reagan und Gorbatschow in Genf 1985 war der Anfang vom Ende des Kalten Kriegs. Hingegen traf das exakte Gegenteil ein, als Kennedy, kaum im Amt und schlecht vorbereitet, 1961 in Wien auf Chruschtschow traf. Unter vier Augen drohten sich die beiden offen mit Krieg. Kennedy sprach von einem «kalten Winter» und meinte damit den Einsatz von Atomwaffen. Ein Jahr später kam es wegen der Kubakrise fast zum nuklearen Schlagabtausch.

Diese Gefahr besteht auch jetzt wieder. Dass Trump impulsiv agiert, ist bekannt, dass sich Kim ähnlich verhält, wird befürchtet. Das ist keine ideale Voraussetzung für ein Burger-Dinner, bei dem alle Probleme mit einem Deal à la Trump ausgeräumt werden. Umso wichtiger wird nun die klassische Diplomatie. Mit einem strengen Protokoll kann wohl am ehesten verhindert werden, dass das grosse Egomanen­treffen scheitert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.03.2018, 23:18 Uhr

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