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Eine Königin für Aserbeidschan

First Lady Mehriban Alijewa ist nun auch die Vizepräsidentin.

Mehriban Alijewa bei einer Veranstaltung in Baku 2015. Foto: Getty Images
Mehriban Alijewa bei einer Veranstaltung in Baku 2015. Foto: Getty Images

Dass sie Eheleute sind, liessen beide unerwähnt. Er mache sie zur Vizepräsidentin, sagte Präsident Ilham Alijew letzte Woche, weil sie als Abgeordnete im Parlament und als Leiterin mehrerer Kulturstiftungen viel «zur Entwicklung unseres Landes beigetragen» habe. Die Ernannte, seine Frau Mehriban, nahm an: «Herr Präsident, ich versichere Sie meines tiefen Danks für Ihr Vertrauen in mich», sagte sie laut lokalen Medien. Sie mögen Vetternwirtschaft ersten Grades betreiben, doch die Alijews wahren die Form.

Mit der Beförderung der Gattin verstärkt Ilham Alijew (55) seinen ohnehin kräftigen Griff um Aserbeidschan; Kenner des Landes vermuten, dass er Mehriban Alijewa (53) als Nachfol­gerin aufbaut. Die Alijews beherrschen das Land am Kaspischen Meer seit Jahrzehnten. Als es noch Teil der Sowjetunion war, amtete Ilhams Vater Hejdar Alijew von 1969 bis 1982 als Chef der örtlichen Kommunistischen Partei. Nach dem Auseinanderbrechen der UdSSR wurde er 1993 erster Präsident des unabhängigen Aserbeidschan. Nach seinem Tod 2003 übernahm Sohn Ilham; letztes Jahr hat dieser vom Volk eine Verfassungsänderung absegnen lassen, die seine Amtszeiten von fünf auf sieben Jahre verlängert.

Viel diskutiert werden im grossmehrheitlich muslimischen Land auch Mehriban Alijewas Absätze und Kleider.

Mehriban steht seit 1983 an Ilhams Seite. Sie entstammt einer bekannten Intellektuellen­familie, beide Eltern waren Professoren, sie selber studierte Medizin in Moskau und arbeitete gemäss ihrer offiziellen Vita kurzzeitig als Augenärztin. Das erste der drei Kinder kam 1985 zur Welt, heute ist sie vierfache Grossmutter.

Der Bevölkerung ist die First Lady vertraut. Seit 2004 steht sie der wohltätigen Hajder-Alijew-Stiftung vor – ein Amt, das sie ständig in die Medien bringt, wenn sie Grundsteine legt oder Bänder durchtrennt. Viel diskutiert werden im grossmehrheitlich muslimischen Land offenbar auch ihre Absätze und Kleider.

Aber auch der weiteren Welt ist Alijewa ein Begriff. Sie spielte eine entscheidende Rolle bei der Organisation des Eurovision Song Contest in Baku 2012 sowie bei den Europaspielen 2015. Für die Realisierung dieser Prestigeprojekte bedachte der Präsident seine Frau mit dem Hajder-Alijew-Orden, der höchsten Auszeichnung des Landes. Der Schwiegervater ist überall.

Die Welt zum Freund

Die Welt will durchaus mit Aserbeidschan befreundet sein, das Land ist reich an Öl und Gas, ein Pipeline-Partner. Zudem ist es ein Markt: Die Schweizer Stadler Rail liefert Schlafwagen, eine Fabrik vor Ort kam leider nicht zustande.

Nur ein paar Menschenrechtsorganisationen mäkeln: Die Alijews würden wie ein Königspaar regieren, die Opposition gängeln, Presseleute einsperren. Enthüllungen in den Panama Papers legen zudem nahe, dass die Familie ein Offshore-Imperium aufbaut, Geld ausser Landes schafft.

Der jüngste Personalentscheid zeigt, dass den Präsidenten solche Berichte nicht verunsichern. Alijewa wird Vize. Das System wird gefestigt.

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