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Als Meryl Streep mit Selbstbräuner den Trump mimte

Der Infight der Schauspielerin mit dem gewählten US-Präsidenten hatte ein Vorspiel.

Meryl Streep bei der Verleihung der Golden Globes in Beverly Hills.

Vielleicht war die Verleihung der 74. Golden Globes genau der richtige Ort für Meryl Streeps Moment der Wahrheit. Sie wurde mit dem Cecil-B.-DeMille-Preis geehrt, was lediglich ein anderer Ausdruck dafür ist, dass man Meryl Streep auf der Bühne haben kann. Als sie kam, schob sie gleich alles beiseite, den moderierenden Late-Night-Langweiler Jimmy Fallon und den schalen Geruch, den seine Politwitzchen hinterlassen hatten.

Die 67-Jährige war schon selbst einmal als Trump aufgetreten.

Zuerst sagte sie, was schon nur historisch gesehen eine Tatsache ist, nämlich, dass viele Hollywooddarsteller Ausländer sind. Dann erwähnte sie eine Performance, die sie 2016 nicht mehr losgelassen habe, weil sie in ihrem Herz «Haken» geschlagen hat. Der Saal hing jetzt an ihren Lippen, denn sie musste den Namen Trump nicht nennen, man erkannte sich auch so in dem Gefühl, das sie mit bewegter Stimme beschrieb: diese weitverbreitete Fassungslosigkeit über das Verhalten eines Mannes, der in zehn Tagen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt werden wird. Das Gefühl, dass einem entweder zum Weinen oder zum Würgen zumute ist.

Mit der Performance meinte sie den Moment, als Donald Trump einen behinderten Journalisten der «Washington Post» nachäffte, indem er mit den Händen fuchtelte. «Jemanden, dem er überlegen war hinsichtlich Privilegien, Macht und der Fähigkeit, sich zu wehren.» Das Bild mit den diffamierenden Gesten gehe ihr nicht mehr aus dem Kopf, gerade weil der Auftritt nicht aus einem Film stamme. «It was real life.» Und wenn jemand in einer derart mächtigen Position solche Demütigungen vormache, würde er sie zugleich allen erlauben, und sie würden hineinbluten in unseren Alltag. In Meryl Streeps Auftritten erkennt man sich noch dann wieder, wenn sie gar nicht spielt.

Die 67-Jährige war schon selbst einmal als Trump aufgetreten. An einem Wohltätigkeitsanlass in New York trug sie Selbstbräuner und eine lächerliche Perücke, machte also Method-Acting. Die Make-up-Artistin des Abends postete davon ein Bild:

Streep hat ausserdem nicht nur mehr Oscars gewonnen als Trump, sondern auch mehr Emmys – eine Trophäe, der der Reality-TV-Präsident seit seinen Tagen bei der Sendung «The Apprentice» hinterherrennt. Nach der Anklage bei den Golden Globes tweetete Trump denn auch, Streep sei «eine der überschätztesten Schauspielerinnen Hollywoods», eine Lakaiin von Hillary Clinton, die wie sie die Wahl verloren habe.

Da wars schon wieder, das trumpsche Gefuchtel. Dabei hatte Meryl Streep in ihrer Rede, in der sie den Tränen nahe und die Welt für einen Moment stillgestanden war, nur darauf hingewiesen, dass Schauspieler den «Akt der Empathie» aufführen würden, und Hollywoodstars bei dieser Darbietung ein Privileg und also eine besondere Verantwortung hätten. Sich in andere Personen hineinzuversetzen, ist jene Performance des Mitgefühls, auf die es ankommt. Denn Meryl Streep weiss: Es geht nicht aus dem Kopf.

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