Es ist zu viel Geld im Spiel

Gegen die Fussballer Neymar und Ronaldo wird nicht weiter wegen Vergewaltigung ermittelt. Ist das gerecht?

Neymar verlässt eine Polizeistation in São Paulo. Die Untersuchung gegen ihn wurde eingestellt. Foto: EPA

Neymar verlässt eine Polizeistation in São Paulo. Die Untersuchung gegen ihn wurde eingestellt. Foto: EPA

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Es fehlen Beweise, also lässt man die Anklage fallen. Das ist der Fall im Verfahren gegen den Fussballer Neymar, dem ein brasilianisches Model vorwirft, er habe sie vergewaltigt. Die Anschuldigungen seien eingehend geprüft worden, gab die leitende Ermittlerin gestern bekannt, aber man habe sich entschieden, keine Klageempfehlung dazu abzugeben. So auch im Fall Cristiano Ronaldo. Im September 2018 erhob Model Kathryn Mayorga in Nevada Zivilklage gegen ihn. Er soll sie 2009 in einem Hotelzimmer in Las Vegas vergewaltigt und ihr danach Schweigegeld gezahlt haben. Nun entschied die Staatsanwaltschaft, dass die Vorwürfe nicht zweifelsfrei bewiesen werden könnten.

Es könnten auch moralische Aversionen ausschlaggebend sein

Aufseiten der Beschuldigten dürfte die Erleichterung gross sein. Beide hatten vehement ihre Unschuld beteuert, die Anschuldigerinnen der Lüge bezichtigt und mit allen Mitteln versucht, die Vorwürfe abzuwehren. Ronaldo setzte ein ganzes Heer von Anwälten ein, welche den instabilen Lebenslauf der Frau offenlegten. Neymar veröffentlichte die Instagram-Kommunikation mit dem vermeintlichen Opfer. Nach wochenlangem Sexting war die Frau nach Paris gereist mit der Absicht, sich mit dem Fussballer in sexuellen Aktivitäten zu ergehen. Nach dem ersten Treffen, bei dem er sie vergewaltigt haben soll, wünschte die Frau noch weitere Treffen. Neymar gibt an, die Frau habe versucht, ihn zu erpressen.

Auf der Seite von Opfervertretern argwöhnt man hinter der Einstellung der Verfahren blanken Sexismus. Denn natürlich ist Vergewaltigung ein Vieraugendelikt, am Ende steht immer Aussage gegen Aussage. Zudem handelt es sich bei beiden Anklägerinnen um Models, Frauen, die aus ihrer Attraktivität und ihrem Kontakt zu Starspielern Kapital schlagen. Denkbar wäre also auch, dass die Strafverfahren wegen moralischen Vorbehalten eingestellt worden sein könnten, aus stillschweigender Aversion gegen diesen Lebenswandel.

Beide Versionen sind vorstellbar

Schon in normalen Vergewaltigungsfällen ist die Lage verworren, wenn die Aussagen sich diametral widersprechen. Sind aber auch noch Millionenbeträge im Spiel, wird die Sache gänzlich unübersichtlich. Denkbar sind beide Varianten, und zwar vorbehaltlos: Ganz ungeachtet des Lebenswandels dieser Frauen ist denkbar, dass die Fussballer ihnen sexuelle Gewalt angetan haben – selbst wenn ihnen bewusst gewesen sein muss, welche Konsequenzen das zeitigen könnte. Dafür spricht eine lange Liste von Prominenten, die für sexuelle Dummheiten Vermögen, Karriere und Familie aufs Spiel setzten.

Denkbar ist aber auch, dass die Frauen aus ihrer sexuellen Begegnung mit den Fussballern Kapital schlagen wollten, indem sie ihnen falsche Vorwürfe machten. Weil sie sich davon Popularität erhoffen oder ein paar Dollars zusätzlich. Auch für dieses Verhaltensmuster gibt es genügend Beispiele. Sicher ist nur, dass eine der Parteien lügt und damit der anderen Partei grosses Unrecht zufügt. Und sicher ist, dass es bei solchen Prozessen letztlich um sehr viel Geld geht (das im Fall von Ronaldo bereits vor zehn Jahren reichlich geflossen ist).

Die Behörden haben die undankbare Aufgabe, nach Beweisen zu suchen, mit denen sich die eine oder andere Version erhärten lässt. Fehlen diese, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als das Verfahren einzustellen. So gerecht oder ungerecht man das finden mag.

Erstellt: 30.07.2019, 20:07 Uhr

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