Grosser Häuptling Kim Jong-un

Nordkoreas Machthaber unternimmt eine spirituelle Reise auf den höchsten Berg. Die Bilder sollen beeindrucken. Und das tun sie auch – nur nicht wie gewollt.

Ein Fotoshooting, so viele Assoziationen. Nicht alle dürften Kim Jong-un gefallen. Bild: Keystone/KCNA

Ein Fotoshooting, so viele Assoziationen. Nicht alle dürften Kim Jong-un gefallen. Bild: Keystone/KCNA

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Der grosse Häuptling reitet auf einem Schimmel auf den heiligen Berg. Es könnte die Schlüsselszene eines Indianerfilms sein. Und tatsächlich: Wenigstens eine Gemeinsamkeit haben die Ureinwohner Amerikas und die Kims, Nordkoreas Herrscherfamilie. Jeder starke Mann hat sein Totemtier.

Entsprechend euphorisch dichtet die nordkoreanische Staatspresse über das neueste offizielle Foto von Kim Jong-un: «Sein Marsch auf dem Pferderücken auf dem Paektu-Berg ist ein grosses Ereignis von gewichtiger Bedeutung in der Geschichte der koreanischen Revolution.»

«Marschall Kim Jong-un reitet wie ein professioneller Jockey», beteuert sein Trainer. Nicht alle professionelle Jockeys dürften dem zustimmen. Bild: Keystone/KCNA

Der Paektusan ist der höchste Berg Koreas. Ein mythischer Vulkan an der Grenze zu China. 2750 Meter hoch. Bereits im Oktober liegt hier der erste Schnee. Im eisigen koreanischen Winter türmt er sich oft meterhoch. Dennoch soll Kim Jong-il, der Vater des Reiters, mitten im Februar am Berg geboren worden sein, in einer einfachen Hütte. Ein besonders heller Stern sei damals zu sehen gewesen, überall im Land seien Kraniche aufgestiegen.

Als Vater Kim im Dezember 2011 starb, war es wieder bitterkalt, ein Schneesturm habe innegehalten und das Eis eines Sees so laut geknackt, dass «Himmel und Erde» erschüttert worden seien. Nicht zuletzt habe sich in der Stadt Hamhung ein mandschurischer Kranich auf einer Statute von Staatsgründer und Grossvater Kim Il-sung niedergelassen. Was für Vater Kim Jong-il der Kranich war, ist für den Sohn das Pferd.

Sägespäne für pinkelnde Pferde

Vor ein paar Jahren hat Kim Jong-un einen Reitklub in Pyongyang, der zuvor nur der Familie zur Verfügung stand, umbauen und für die Oberklasse öffnen lassen. Zehnmal besuchte er die Baustelle. Jedes Mal schleppte man vorher extra für ihn einen Schreibtisch heran und stellte einen Kristallaschenbecher darauf. Kim setzte sich, während seine Entourage stand. Rauchend gab er Anweisungen.

«Eine der weisen Ideen von Marschall Kim Jong-un war es, die Arena mit Sägespänen einzustreuen», erzählte später einmal stolz einer der Reittrainer. «Wenn die Pferde pinkeln, wird der Geruch absorbiert, und wenn jemand abgeworfen wird, kann er sich nicht verletzen.»

Fast im Galopp: Nordkoreas Staatspresse misst dem Ritt des Staatschefs eine «gewichtige Bedeutung bei». Bild: Keystone/KCNA

Einige Meter abseits der Reithalle wurde auf Kims Anordnung ausserdem noch ein fensterloser Bau errichtet: Nordkoreas Reitmuseum. Dort haben sie die Sättel von Vater Kim Jong-il ausgestellt, seine Stiefel und die Handschuhe, die er beim Reiten trug. Seine bevorzugte Marke: der Münchner Hersteller Roeckl.

In einem zweiten Raum liegen Parkas von Kim Jong-un unter Glas. Auf einer Tafel ist aufgeführt, wie häufig Kim den Reitklub besucht hat. Während seiner Schulzeit in der Schweiz kam er nur gelegentlich im Sommer, sonst aber mehr als hundert Mal pro Jahr. An den Wänden hängen Fotos, die man sonst nirgendwo sieht, Kim beim Reiten als Sieben- oder Achtjähriger, Aufnahmen als Teenager auf einem Schimmel. Mal im Galopp, mal mit verspiegelter Sonnenbrille. «Marschall Kim Jong-un reitet wie ein professioneller Jockey», beteuerte der Trainer.

Erstellt: 16.10.2019, 20:21 Uhr

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