Hacker mit Popstar-Charme

Morgan Marquis-Boire deckt Spionage-Affären im Netz auf.

Der Hacker, der Machthaber nervös macht: Morgan Marquis-Boire. Foto Jacob Kepler/Bloomberg

Der Hacker, der Machthaber nervös macht: Morgan Marquis-Boire. Foto Jacob Kepler/Bloomberg

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Hacker gelten als böse. Morgan Marquis-Boire arbeitet für die Guten. Denn die «Whitehats» setzen ihre Fingerfertigkeit nicht wie die «Blackhats» für kriminelle Zwecke ein. Marquis-Boire legt sich mit Hackern an, die im Auftrag des Staats deren Bürger ausspähen. Er durchforstet die digitale Unterwelt der Staatsüberwachung. Gerade erst hat er mit einem Team eine Gruppe namens «Packrat» identifiziert, die seit 2008 in Argentinien und anderswo in Lateinamerika Journalisten und Anwälte ausspioniert haben soll. Technisch komplexe Analysen lassen darauf schliessen, dass «Packrat» von einem Staat gedeckt wird. Von welchem, ist unklar.

Zuvor hat Marquis-Boire den Machthabern in Syrien, Marokko und Bahrain nachweisen können, dass sie Regierungsgegner und politische Aktivisten mit Staatstrojanern ausspionieren. Er identifizierte auch die Firmen, die mit der Herstellung von Überwachungssoftware viel Geld verdienen. Seine Recherchen machten die Firmennamen und ihre Produkte erstmals öffentlich.

Angefangen hat Marquis-Boire durchaus als böser Hacker, und zwar als 15-Jähriger in seiner Heimat Neuseeland. Mit ein paar Freunden verfasste er Anleitungen zum Hacken von Uni-Servern, damit Studierende ihre Noten ohne unnötigen Lernaufwand verbessern konnten. Das Hacken sei vor allem ein Spass gewesen damals, sagte er der «Süddeutschen Zeitung». Seine Kumpanen und er hätten etwa die Uhrzeit auf Telefonen um 12 Stunden verstellt, um vom günstigen Nachttarif zu profitieren.

Marquis-Boire arbeitete dann sechs Jahre lang als Sicherheitsexperte bei Google, wo er die Datensätze der Firma vor Hackerangriffen schützte. Damals enthüllte er unter anderem, dass 21 von 25 der grössten Zeitungen und Nachrichtenportale von Regierungen ausspioniert werden.

Das bewegte ihn dazu, sich für den digitalen Schutz von Journalisten einzusetzen. Seit 2014 ist er für das Onlinenachrichtenportal «The Intercept» tätig. Dessen Journalisten werden wegen ihrer Recherchen zu Korruption oder Justizmissbrauch häufig Zielscheibe staatlicher Überwachung, unter ihnen auch Edward Snowden.

Mit seinen 35 Jahren ist Marquis-Boire einer der Grossen in der Szene der «Whitehats». Er tritt regelmässig in TV-Sendungen auf, hält Vorträge an Kongressen oder klärt mit Kampagnen von Amnesty International darüber auf, wie Regierungsmächte Spähsoftware einsetzen. Bei seinen Auftritten überzeugt er nicht nur mit den Ergebnissen seiner Detektivarbeit, sondern bezaubert auch mit seinem Charme. Mit seinen Rastazöpfen, Silberohrringen und tätowierten Oberarmen ist er alles andere als ein klassischer Nerd. Er könnte als Doppelgänger von Lenny Kravitz durchgehen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.12.2015, 19:35 Uhr

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