Krieg mit der vierten Gewalt

Das Verhältnis Donald Trumps zu den US-Medien ist schon vor seinem Amtsantritt gestört. Aussichten auf Besserung gibt es kaum.

Mit den Medien auf Kriegsfuss: Schlagzeilen in Amerika nach der überraschenden Wahl Donald Trumps. Foto: Michael Reynolds (EPA; Keystone)

Mit den Medien auf Kriegsfuss: Schlagzeilen in Amerika nach der überraschenden Wahl Donald Trumps. Foto: Michael Reynolds (EPA; Keystone)

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Donald Trumps Beziehung zu den Medien, genauer gesagt: zu den seriösen Nachrichtenmedien, ist zerrüttet. Noch ehe der neue Präsident sein Amt überhaupt angetreten hat. Das hat Gründe. Nicht förderlich war sicherlich der Umstand, dass Trump sich fast ein halbes Jahr lang keinen Fragen gestellt hatte, jedenfalls nicht in einer regulären Pressekonferenz. Auch dass er die Medien generell in seinen Tweets regelmässig beschimpfte, war wenig hilfreich.

Und dann kam Mitte Woche Trumps turbulente erste Pressekonferenz als gewählter Präsident. Selbst der ihm wohl gesinnte Sender Fox News tadelte ihn. Journalisten sollten nicht «durch den gewählten Präsidenten verächtlich gemacht und ihrer Legitimität beraubt» werden, mahnte ein Moderator. Die «New York Times» schrieb, der neue Präsident habe mit den US-Medien einen «Krieg» begonnen.

Die einstige Vize-Präsidentschaftskandidatin der Republikaner, Sarah Palin, ist eine lautstarke Medienverächterin. Foto: David Zaluboswki (AP, Keystone)

Spannungsfrei war das Verhältnis der Präsidenten zur Presse nie. Selbst der mediengewandte Barack Obama hatte Probleme. Die «Columbia Journalism Review» kommt in einer Studie aller Pressekontakte, die der Präsident 2014 mit Medienleuten hatte, zum Ergebnis, dass Obama und seine Entourage bewusst den Kontakt mit den Medien einschränkten und kaum Einblick in die politischen Entscheidungsprozesse im Weissen Haus gewähren wollten.

Politischer Journalismus ist in den USA durchaus angesehen. Das hat viel mit der Geschichte zu tun. Denn dass das Land eine demokratische Verfassung bekommen hat, liegt nicht zuletzt an insgesamt 85 Artikeln, die 1787 und 1788 in New Yorker Zeitungen veröffentlicht wurden und um Zustimmung für den Verfassungsentwurf warben. Das First Amendment, der erste Zusatzar­tikel zur Verfassung, drei Jahre später verabschiedet, garantierte dann ausdrücklich die Pressefreiheit.

Sarah Palins Manifest

Doch der traditionelle Respekt vor unabhängigem Journalismus hat sich bei den neuen Rechten in den USA in tiefes Misstrauen und Verachtung verwandelt. Etablierte Blätter wie die «New York Times» und Sender wie NBC oder CNN verschmähen sie nur noch als Mainstream Media und loben stattdessen die neuen rechten Kampfmedien wie «Breitbart News», die gar nicht versuchen, objektiv und fair zu berichten. Deren bisheriger Betreiber und Chefideologe Stephen Bannon wird nun Trumps höchster Berater.

Eine der lautstärksten Medienverächterinnen auf der Rechten ist die einstige Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner, Sarah Palin. Sie lobte Trump nach dessen Pressekonferenz überschwänglich mit einem langen Eintrag auf ihrer Facebook-Seite, der sich wie ein Manifest über den künftigen Umgang mit den Medien liest. Trump habe sich furchtlos mit den «korrupten, lügnerischen Schosshund-Medien» angelegt – womit eben die etablierten Medien gemeint waren. «Diese ‹Journalisten›», wütet Palin weiter und setzt bewusst die Anführungszeichen, seien allesamt «schlechte Charaktere». Aber nach Trumps Pressekonferenz sei klar: «Wir betrachten diese Reporter und ihre Veröffentlichungen fortan als irrelevant.»

Das hatte der künftige Präsident so nicht gesagt, danach gehandelt hat er aber, als er eine Frage nach seinen noch nicht veröffentlichten Steuerunterlagen mit der Bemerkung beiseiteschob, die interessierten doch nach seiner Wahl endgültig niemanden mehr – «nur die Reporter». Wie auch immer zähneknirschend: Trumps Vorgänger hatten nie das Recht der Medien infrage gestellt, ihnen Fragen zu stellen und auf einer Antwort zu bestehen. Trump tut das.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.01.2017, 22:24 Uhr

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