Mit Willen zur Leistung

Die Bulgarin Kristalina Georgiewa soll Chefin des Internationalen Währungsfonds werden. Sie war nicht die Favoritin, ist aber geeignet.

Wurde von der EU als Chefin des Internationalen Währungsfonds nominiert: Kristalina Georgiewa. Foto: AFP

Wurde von der EU als Chefin des Internationalen Währungsfonds nominiert: Kristalina Georgiewa. Foto: AFP

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Es gibt kein Amt, das Kristalina Georgiewa zu hoch wäre. «Nach reiflicher Überlegung», erklärte sie im September 2016, «habe ich beschlossen, die Nominierung anzunehmen.» Der Posten war seinerzeit kein geringerer als der des UNO-Generalsekretärs – die bulgarische Regierung hatte sie aufgestellt. Am Ende unterlag sie dem Portugiesen António Guterres. Geschwächt hat sie das aber nicht. Im Gegenteil.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird die 65-jährige Bulgarin nun die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Üblicherweise besetzt Europa den Posten, und die EU hat sie nominiert – nach einigem Gezerre. Georgiewa war die Kandidatin Frankreichs und einiger osteuropäischer Staaten; Deutschland und andere hätten lieber den früheren niederländischen Finanzminister Jeroen Dijsselbloem auf der Position gehabt, doch am Ende setzte sich Paris durch. «Georgiewa hat alle nötigen Fähigkeiten, die Erfahrung und internationale Glaubwürdigkeit, um den IWF erfolgreich zu führen», erklärt Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire.

Hohe Posten

Dafür spricht in der Tat einiges. Georgiewa ist promovierte Ökonomin und forschte unter anderem an der London School of Economics und am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Von 1993 bis 2010 arbeitete sie bei der Weltbank. Sie leitete die Umweltabteilung der Washingtoner Bank und zwischenzeitlich deren Repräsentanz in Moskau. 2010 wechselte sie nach Brüssel – als Kommissarin. Weil eine andere bulgarische Kandidatin am EU-Parlament gescheitert war, wurde kurzerhand Georgiewa nominiert. So wurde sie Europas oberste Entwicklungshelferin.

Als 2014 Jean-Claude Juncker den Kommissionsvorsitz übernahm, machte er sie zur Vize-Kommissionspräsidentin, zuständig für den Haushalt. Er habe, sagte Juncker einmal, immer ihren «Willen zur Leistung» bewundert. Anfang 2017, wenige Monate nach der gescheiterten Kandidatur für den UNO-Generalsekretär-Posten, wechselte Georgiewa zurück zur Weltbank – nun aber auf den neu geschaffenen Posten eines Chief Executive Officer. Und die Chance hat sie ergriffen.

Nach IWF-Regeln zu alt

Sollte sie am Ende tatsächlich Exekutivdirektorin des Währungsfonds werden, dann lässt die Zeit bei der Weltbank einige Schlüsse zu. Denn als operative Chefin hatte Georgiewa dort an einem grossen Umbau mitgewirkt: Die globale Entwicklungsbank sollte grüner werden, ihre Förderungen und Investitionen viel stärker auch an Fragen des Klimaschutzes ausrichten. Für Georgiewa, die ihre Promotion zu «Umweltschutzpolitik und Wirtschaftswachstum in den USA» schrieb, ist das gleichsam ein Lebensthema.

«Umwelt und Entwicklung sind zwei Seiten derselben Medaille.»Kristalina Georgiewa, Ökonomin

Auch innerhalb des IWF hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass sich Klimaschutz und Finanzsysteme nicht mehr trennen lassen. Georgiewa sind diese Zusammenhänge sehr gut vertraut. «Umwelt und Entwicklung sind zwei Seiten derselben Medaille», sagt sie.

Noch ist der Weg nicht völlig frei. Kristallina Georgiewa wird in einer Woche 66 Jahr alt, nach IWF-Regeln wäre sie zu alt für den Job. Doch Regeln lassen sich ändern. Und jung genug ist sie gewiss.

Erstellt: 05.08.2019, 18:48 Uhr

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