Salman sucht Alliierte gegen den Iran

Der saudische Kronprinz zieht in Erwägung, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Friedensinitiative. Ganz im Gegenteil.

Er will die Vorherrschaft im Nahen Osten: Kronprinz Salman. Foto: Nicolas Asfonri (Reuters)

Er will die Vorherrschaft im Nahen Osten: Kronprinz Salman. Foto: Nicolas Asfonri (Reuters)

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Wenn dieser Staatsmann eine hervorstechende Charaktereigenschaft hat, dann ist es die, seine Ansichten unverblümt und unstaatsmännisch kund­zutun. Da es sich um den Kronprinzen von Saudiarabien handelt, haben seine Äusserungen fast immer Gewicht, und das nicht nur im Nahen Osten. Wenn also Muhammad bin Salman in einem Interview mit einem US-Magazin – und damit sehr, sehr öffentlich – gesagt hat, dass «Palästinenser und Israelis das Recht haben, in einem eigenen Land zu leben», könnte sich im seit Jahren hoffnungslos festgefahrenen Friedensprozess endlich wieder Bewegung abzeichnen.

Das kommt gut an. Immerhin hat der Ölprinz, zumindest indirekt und wohlmeinend interpretiert, eine Anerkennung des Existenzrechts Israels in Aussicht gestellt, die arabischen Staatschefs ja schwerfällt. Im Nachsatz hat Salman noch gesagt, dass er sich im Falle eines Friedensabkommens vorstellen könne, das Verhältnis zwischen der arabischen Welt und Israel zu nor­malisieren. Noch besser.

Eine alte Initiative

Was epochal klingen mag, ist es nicht. Fast identisch hatte sich 2002 ein anderer Saudi geäussert, der spätere König Abdullah. Dessen Initiative hatte sogar die Arabische Liga aufgegriffen und zu einem Friedensplan aller arabischen Staaten umetikettiert – nur um ein paar Jahre später folgenlos im Treibsand des jahrzehntealten Nahostkonflikts zu versinken. Die Frage ist, warum Prinz Salman, der neue starke Mann Saudiarabiens, die alte Friedensinitiative wieder ins Gespräch bringt.

Der Grund liegt auf der Hand, und er hat wenig mit Friedenswillen zu tun. Vielmehr sucht Prinz Salman, der derzeit auf einer Art PR-Tour für sein Land und für sich als künftigen König durch die USA reist, Bundes­genossen gegen die regionale Grossmacht Iran. Der immer aggressiver ausgetragene Streit zwischen dem schiitischen Theokraten-Regime und den arabischen Sunniten-Staaten hat die Händel zwischen Israelis und Palästinensern als nahöst­lichen Kernkonflikt abgelöst. Für Prinz Salman geht es nur um eines: Wer gewinnt die Vorherrschaft im Nahen Osten – die Sunniten-Nationen unter saudischer Führung oder die Iraner mit ihrer Allianz aus den Syrern und der libanesischen Hizbollah-Miliz?

«Hitler des Nahen Ostens»

Militärisch ist Saudiarabien im Vergleich zum Iran ein Gnom; die schlagkräftigen Gegner Teherans sitzen in Israel und den USA. Da ist Premier Benjamin Netanyahu, der mit einem Präventivschlag gegen die iranischen Atomanlagen liebäugelt. Und da twittert US-Präsident Donald Trump, der das internationale Atomabkommen mit Teheran schnellstens kündigen möchte und in seinen Tagträumen wohl auch aufs Bombardieren setzt. Das sind die Bundesgenossen, die der Kronprinz braucht. Er scheint einen Krieg gegen den schiitischen Nachbarn für unvermeidlich zu halten, beschimpft den iranischen Revolutionsführer Khamenei als «Hitler des Nahen Ostens».

Salman braucht Trump und Netanyahu – für den diplomatischen Druck und notfalls den Krieg. Dafür würde er den Israelis beim Friedensabkommen mit den Palästinensern entgegenkommen, auf Kosten der Araber im Gazastreifen und im Westjordanland. Dafür muss Saudiarabien die Führung in Sachen Nahostfrieden übernehmen – was Salman gerade versucht.


Video – Salman lüftet die Schleier

Betont die Gleichheit von Frauen und Männern: Saudi-Arabiens Kronprinz Muhammad bin Salman im Interview mit dem US-Sender CBS News. Video: CBS News (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.04.2018, 09:25 Uhr

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