Schlicht der beste Kandidat

Kater Barsik soll in einer russischen Stadt Bürgermeister werden.

Gemäss einer Umfrage des russischen Online-Netzwerkes Vkontakte wären Kater Barsik mehr als 90 Prozent der Stimmen sicher. Foto: PD

Gemäss einer Umfrage des russischen Online-Netzwerkes Vkontakte wären Kater Barsik mehr als 90 Prozent der Stimmen sicher. Foto: PD

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Bis vor kurzem war Russland die beste Demokratie der Welt. Wo sonst hatten Wähler eine dritte Option neben Wählen und Nichtwählen? «Gegen alle» hiess sie. Das entsprechende Kästchen stand ganz unten auf dem Wahlzettel. Kreuzte eine Mehrheit «Gegen alle» an, mussten die Wahlen wiederholt werden – mit neuen Kandidaten. Auf regionaler Ebene ist dies mehrfach vorgekommen, was jeweils als Indiz für Korruption, Vetternwirtschaft und Einschüchterung verstanden wurde. «Gegen alle» war Protest.

Das schöne Volksrecht ist Geschichte. Putin strich es 2006. Das Volk soll wählen, wen es kriegt. Nicht von besserem Personal träumen.

Die schottische Faltohrkatze

Doch wer wird jetzt aufgeben? In der sibirischen Stadt Barnaul wird am Dienstag ein neuer Bürgermeister oder «Stadtmanager» bestellt. Unzufrieden mit den sechs offiziellen Kandidaten, unterstützen Tausende eine schottische Faltohrkatze namens Barsik. In einer Umfrage des russischen Online-Netzwerkes Vkontakte wären Barsik mehr als 90 Prozent der Stimmen sicher. Sein Slogan hat Feuer: «Nur Mäuse wählen Barsik nicht.» Der politische Unterton ist gewollt. In oppositionellen Kreisen wird Barsik landesweit gefeiert. «Mit diesem Kandidaten zeigen die Wähler Krallen», freut sich ein Politiker der Kommunistischen Partei.

Barnaul in der Region Altai hatte bisher wenig Glück mit Politikern. Wählen darf die Bevölkerung schon länger nicht mehr; die «Stadtmanager» werden nach neurussischem Demokratieverständnis von einem Ausschuss bestimmt. Dieser wird vom Gouverneur der Region bestellt – und der Gouverneur direkt vom Kreml.

Während der letzten fünf Jahre lenkte Igor Sawintsew die Geschicke Barnauls. Im August trat er zurück – weil er ein Verfahren am Hals hat. Sawintsew wird vorgeworfen, Land der Gemeinde günstig an Familienmitglieder und deren Firmen verkauft zu haben. Sein flüchtiger Sohn wurde in Thailand verhaftet.

Gegen alle, für die Katz!

Kater Barsik gehört einem Stadtbürger, der sich im Internet nur «Altai-Bauer» nennt. Er hat die Onlineumfrage mit den sechs Kandidaten und dem Kater lanciert. Ihm missfallen die offiziellen Bewerber: «Niemand kennt sie, niemand weiss, weshalb sie Stadtmanager werden wollen», sagt er russischen Medien. Die Glorifizierung seines Katzentiers durch die Opposition ist ihm aber auch suspekt: «Die Opposition hätte ja selber einen besseren Kandidaten aufstellen können.»

Der blauäugige Kater wäre eine Abwechslung für Barnaul. Und wer weiss, vielleicht brächte er wertvolle internationale Kontakte mit. In den USA kandidiert derzeit zwischen Hillary Clinton und Donald Trump auch Limberbutt McCubbins offiziell fürs Weisse Haus – eine Hauskatze aus Louisville, Kentucky. Sie steht den «Demokratzen» nahe und pflegt den Wahlspruch: «The Time Is Meow!» Gegen alle, für die Katz.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.12.2015, 23:39 Uhr

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