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Sexvideo-Affäre: Frankreich geht gegen russischen Aktivisten vor

Ein selbsternannter «politischer» Künstler veröffentlichte intime Aufnahmen von Macrons Wunschkandidat für das Amt des Pariser Bürgermeisters.

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Wird angeklagt: Der russische Künstler Pjotr Pawlenski. Bild: Valentyn Ogirenko/Reuters
Wird angeklagt: Der russische Künstler Pjotr Pawlenski. Bild: Valentyn Ogirenko/Reuters

In der Pariser Sexvideo-Affäre hat die französische Justiz den russischen Aktivisten Pjotr Pawlenski angeklagt. Wie Pawlenskis Anwalt Yassine Bouzrou am Dienstagabend mitteilte, wurde der Russe «unter richterliche Aufsicht» gestellt.

Pawlenski hatte im Internet intime Aufnahmen und Textbotschaften des Pariser Bürgermeisterkandidaten Benjamin Griveaux veröffentlicht, der sich daraufhin zum Rückzug gezwungen sah. Auch gegen Pawlenskis 29-jährige Partnerin Alexandra de Taddeo wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Pawlenski, der sich als «politischer» Künstler bezeichnet, wollte Griveaux nach eigenen Angaben «Scheinheiligkeit» nachweisen. In dem von ihm im Internet veröffentlichten Video ist ein masturbierender Mann zu sehen. Es war offenbar an die Freundin Pawlenskis gerichtet. Griveaux war der Wunschkandidat von Präsident Emmanuel Macron für das prestigeträchtige Amt des Pariser Bürgermeisters und hatte am Freitag seinen Rückzug erklärt.

Die Ermittlungen der Justiz beziehen sich auf Griveaux' Vorwurf der Verletzung der Intimsphäre und Verbreitung von Sex-Bildern ohne seine Zustimmung.

Ermittlungen auch wegen Messerangriff

Gegen Pawlenski wird auch wegen eines Messerangriffs ermittelt, bei dem er bei einer privaten Silvesterparty zwei Männer verletzt haben soll. In dieser Sache hatte die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft gegen den Russen beantragt. Die nun bekannt gewordene Anklage gegen Pawlenski stehe mit diesem Vorwurf jedoch nicht in Zusammenhang, erklärte Bouzrou.

Eine französische Regierungssprecherin hatte zuletzt spekuliert, Pawlenski habe «zweifellos Hilfe» bei der Veröffentlichung des Sex-Videos gehabt. Der bisherige Anwalt des Russen, Juan Branco, ist ein ausgewiesener Macron-Kritiker.

Branco hatte sich als einer der Anwälte von Wikileaks-Gründer Julian Assange und in der Protestbewegung der «Gelbwesten» einen Namen gemacht. Branco erklärte aber nun, dass er die Verteidigung Pawlenskis abgebe. Er gilt als befangen, da er private Beziehungen zu dem Paar unterhält.

Asyl in Frankreich erhalten

Spekuliert wird in Frankreich auch über ein russisches Komplott, für das es allerdings keinerlei Beweise gibt. Pawlenski hatte im Frühjahr 2017 Asyl in Frankreich erhalten. Zuvor war er in Russland zu einer verhältnismässig milden Geldstrafe verurteilt worden, nachdem er Feuer an der Moskauer Zentrale des Geheimdienstes FSB gelegt hatte.

Im Pariser Exil legte er dann im Oktober 2017 Feuer an einer Filiale der Banque de France, um gegen deren Geschäftspraktiken zu protestieren. Dafür sass er ein Jahr im Gefängnis.

(SDA)

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