Trump schwänzt Sitzung zu Umweltthemen

Die G7-Länder sagen 20 Millionen-Soforthilfe gegen die Amazonas-Brände zu. Umweltverbände kritisieren den Gipfel von Biarritz dennoch.

Mit der Soforthilfe sollen vor allem Löschflüge finanziert werden. Das grösste Löschflugzeug der Welt, eine umgebaute Boeing 747, im Einsatz. Video: Tamedia

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Umweltverbände haben die Ergebnisse des G7-Gipfels als unzureichend kritisiert. Die Staats- und Regierungschefs hätten bei ihrem Treffen in Biarritz lediglich ihre «Ambitionen» wiederholt, teilte die Organisation Greenpeace am Montag mit.

Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, seien aber konkrete Schritte nötig, sagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan.

Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch beklagte, dass die G7-Gruppe angesichts der Haltung des US-Regierung unter Präsident Donald Trump «klimapolitisch nicht handlungsfähig» sei. «Präsident Trump hat sich in der G7 mit seiner Position zum Klimaschutz weiter isoliert», erklärte der Politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals. «Nun ist es wichtig, dass die G6-Staaten – also ohne die USA – gemeinsam mit wichtigen Schwellenländern beim Uno-Klimasondergipfel in vier Wochen ambitionierter und konkreter werden.»

Demonstration gegen die Abholzung im Amazonas-Regenwald und den Klimawandel: Greenpeace-Aktivisten in Wien. (26. August 2019) Bild: Lisi Niesner

Trump, der den menschengemachten Klimawandel anzweifelt, hatte die Arbeitssitzung des G7-Gipfels zu Umweltthemen geschwänzt. Später bekräftigte er, dass er unverändert auf fossile Energieträger setzen werde. Bei der Sitzung waren auch die katastrophalen Brände im Amazonas-Becken zur Sprache gekommen. Die G7-Staaten sagten im Kampf gegen die Feuer 20 Millionen Dollar an Soforthilfen zu. Damit sollen vor allem Löschflugzeuge finanziert werde. Zudem einigten sich die Länder auf einen Wiederaufforstungsplan.

20 Millionen Dollar für Kampf gegen Brände

Im Kampf gegen die schweren Waldbrände in der Amazonasregion haben die G7-Staaten rund 20 Millionen Dollar an Soforthilfen zugesagt. Damit sollen laut Emmanuel Macron vor allem Löschflugzeuge finanziert werden. Zudem einigten sich die Länder auf einen Wiederaufforstungsplan.

Mehr als die Hälfte der Mittel kommt von Grossbritannien – das Land hatte zuvor eine Finanzspritze von umgerechnet 11 Millionen Euro angekündigt. Macron sagte bei dem gemeinsamen Auftritt mit dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera, über die Wiederaufforstung des Regenwalds solle bei der Uno-Vollversammlung Ende September weiter beraten werden. Dafür sei aber die Zustimmung aus Rio nötig.

Gegen Einmischung von aussen

Brasilien ist von den Bränden im Amazonasbecken am stärksten betroffen. Dessen ultrarechter Staatschef Jair Bolsonaro hatte Macron wegen seines Vorgehens Einmischung in innere Angelegenheiten und eine «kolonialistische Mentalität» vorgeworfen. Macron drohte ihm daraufhin mit einer Blockade des EU-Freihandelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten.

Unter dem internationalen Druck verlegte Brasilien am Sonntag zwei Transportflugzeuge vom Typ Hercules C-130, die je 12'000 Liter Wasser transportieren und ablassen können. Die beiden Maschinen sind von Porto Velho im besonders schwer betroffenen Bundesstaat Rondonia aus im Einsatz und überfliegen die Brandgebiete in geringer Höhe. Rund 43'000 Soldaten unterstützen die Löscharbeiten.


Grösstes Löschflugzeug der Welt im Einsatz in BolivienSeit drei Tagen ist im Amazonas-Regenwald eine umgebaute Boeing 747 im Einsatz. Sie erzeugt sintflutartigen Regen.


Im ökologisch für die ganze Welt wichtigen Amazonasgebiet lodern derzeit tausende Waldbrände, vor allem Brasilien ist betroffen. Nach Angaben des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts Inpe belief sich die Zahl der Brände seit Jahresbeginn am Samstag auf 79'513.

Knapp 80'000 Brände

Die Feuer haben international für besorgte Reaktionen sowie Kritik an der Regierung von Präsident Bolsonaro gesorgt. In Rio de Janeiro protestierten rund 2000 Menschen gegen den Staatschef. Kritiker werfen dem ultrarechten Staatschef vor, die Brandrodung durch Landwirte tatenlos hinzunehmen oder diese gar zu billigen.

Kolumbien kündigte an, den Vereinten Nationen einen regionalen Pakt für den Schutz des Regenwalds vorzuschlagen. Präsident Iván Duque sagte am Sonntag, er wolle den Pakt im September vor der Uno-Vollversammlung präsentieren. Zwar gebe es in seinem Land derzeit keine Waldbrände vom gleichen Ausmass wie in Brasilien; die Amazonas-Länder müssten sich aber vorbereiten.

Ein brennender Baum im Amazonas-Regenwald in Brasilien. (24. August 2019) Bild: Carl de Souza/AFP

Bereits am Sonntag hatten die G7-Chefs in Biarritz finanzielle und technische Hilfe in Aussicht gestellt. Den G7-Staaten gehören neben Deutschland und Frankreich auch Grossbritannien, Italien, die USA, Kanada und Japan an. Macron hatte den chilenischen Präsidenten neben anderen Vertretern von Schwellenländern wie Indien und Ägypten zu dem Gipfel dazugeladen.

«Tag des Feuers»

Angesichts der verheerenden Brände ermittelt die brasilianische Bundespolizei derweil gegen die Organisatoren des sogenannten «Tag des Feuers» ermitteln. «Die Bundespolizei wird den Fall mit ihrer Expertise aufklären», schrieb Justizminister Sérgio Moro am Sonntag auf Twitter. «Kriminelle Brandstiftung im Amazonasgebiet wird hart bestraft.»

Zuvor hatte die Zeitschrift «Globo Rural» berichtet, dass sich im Bundesstaat Pará zuletzt über siebzig Personen in einer Whatsapp-Gruppe dazu verabredet hatten, grosse Flächen entlang der Landstrasse BR-163 in Brand zu stecken. Ziel der koordinierten Aktion sei gewesen, den rechten Präsidenten Jair Bolsonaro bei seinem Plan zu unterstützen, die Umweltkontrollen zu lockern, hiess es in dem Bericht.

Nach Einschätzung von Naturschützern werden die meisten Brände von Farmern gelegt, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen. Da es momentan in der Region ungewöhnlich trocken ist, greifen die Brände immer wieder auch auf intakte Waldflächen über.

US-Präsident Trump schwänzte die Arbeitssitzung des G7-Gipfels zu Umweltthemen. Bild: Andrew Harnik/AP

(oli/sda)

Erstellt: 26.08.2019, 21:45 Uhr

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