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Fast 100 Tote bei Bombenanschlag in Mogadiscio

Aufgerissene Autos, darunter Schulbusse – Aufnahmen zeigen ein Bild der Verwüstung. Unter den Opfern sind auch Ausländer.

Blick auf den Ort der Explosion in Mogadiscio. (28. Dezember 2019) Bild: Feisal Omar/Reuters
Blick auf den Ort der Explosion in Mogadiscio. (28. Dezember 2019) Bild: Feisal Omar/Reuters

Bei einem der verheerendsten Sprengstoffanschläge der vergangenen Monate sind am Samstag in der somalischen Hauptstadt Mogadiscio knapp 100 Menschen getötet und Dutzende andere verletzt worden.

Nach Angaben von Informationsminister Abdi Hayir Maareye traf am Sonntag ein türkischer Militärtransporter mit einem Ärzteteam in Mogadiscio ein, um bei der Versorgung der zahlreichen Verwundeten zu helfen. Einige von ihnen sollen ausserhalb des Landes in der Türkei behandelt werden, wie Ministerpräsident Hassan Ali Khaire angekündigt hatte. Viele Bewohner strömten zum Blutspenden in die städtischen Krankenhäuser.

Augenzeugen hatten von einem Bild der Verwüstung gesprochen, nachdem ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen an einem Kontrollpunkt in einem belebten Stadtviertel während des morgendlichen Berufsverkehrs explodiert war.

Bei der Suche nach den Verantwortlichen für den folgenschweren Sprengstoffanschlag vom Wochenende haben Somalias Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben Hinweise auf ausländische Drahtzieher.

Die nationale Sicherheitsagentur Nisa betont in einem Beitrag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, sie habe der Regierung des ostafrikanischen Landes einen vorläufigen Bericht zum Anschlag überreicht, «der von einem ausländischen Land geplant war». Die Behörde machte jedoch weder den Namen des Landes noch den Bericht öffentlich und betonte: «Um die andauernde Untersuchung zu beenden, werden wir Unterstützung von ausländischen Geheimdiensten suchen.» Obwohl es zunächst kein Bekennerschreiben gab, wird hinter dem Anschlag die Terrororganisation al-Shabaab vermutet.

Al-Shabaab kämpft in dem Land am Horn von Afrika seit Jahren um die Vorherrschaft. Die sunnitischen Fundamentalisten beherrschen Gebiete im Süden und Zentrum Somalias und verüben immer wieder Anschläge.

Weltweit verurteilt

Weltweit gab es scharfe Verurteilungen der Sprengstoffattacke. Uno-Generalsekretär António Guterres forderte dazu auf, die Verantwortlichen für diese «schreckliche Verbrechen» zur Rechenschaft zu ziehen und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. «Unsere Haltung ist klar», betonte EU-Ratspräsident Charles Michel auf Twitter, «Europa wird Afrika im Kampf gegen den Terrorismus weiter unterstützen.»

Auch Russland verurteilte den «barbarischen Anschlag». Der blutige Angriff von Extremisten habe offenbar darauf abgezielt, die Lage in Somalia zu destabilisieren, erklärte das Aussenministerium in Moskau. Russland werde die Regierung Somalias weiterhin bei ihren Bestrebungen um eine Aussöhnung des Landes und bei den Vorbereitungen von Wahlen unterstützen.

Papst Franziskus sprach den Angehörigen «des schrecklichen Attentats» sein Mitgefühl aus und rief am Sonntag zum Gebet für die Opfer auf.

Türkische Todesopfer

Mogadiscios Bürgermeister Omar Mohamed Filish hatte bereits kurz nach der Explosion von 90 Verletzten gesprochen, darunter auch viele Studenten. Obwohl die genaue Opferzahl noch immer nicht feststeht, gehen die Behörden mittlerweile von mindestens 124 Verletzten aus. Unter den Toten sind nach Polizeiquellen auch fünf Polizisten sowie drei türkische Staatsbürger. Bei ihnen handelt es sich nach ersten Erkenntnissen um Strassenbau-Ingenieure.

Die Explosion ereignete sich im Westen der Stadt in der Nähe einer Steuerbehörde. Über dem Ort der Explosion - einer Kreuzung von vier Strassen - stand weithin sichtbar eine grosse Rauchwolke. Durch die Wucht der Detonation wurden auch zahlreiche Gebäude beschädigt. Noch Stunden später suchten Anwohner dort verzweifelt nach Opfern.

«Die Gegend war voller Menschen, die zur Schule oder zum Einkaufen in die Stadt fuhren, als sich der schreckliche Anschlag ereignete», sagte Regierungssprecher Mukhtar Omar. Nach Polizeiangaben wurden durch die Explosion am frühen Morgen auch zwei Minibusse mit Schulkindern an Bord schwer beschädigt.

Augenzeugen berichteten von aufgerissenen Karosserien und völlig zerfetzten Fahrzeugen. Verzweifelt versuchten einige der Helfer, Verwundete auf Eselskarren oder Velos in die nächstgelegenen Krankenhäuser zu bringen.

Präsident: «Feind der Menschenwürde»

Präsident Mohamed Abdullahi Farmajo rief die Bevölkerung zum Zusammenhalt beim Kampf gegen «den Feind der Menschenwürde» auf und erklärte: «Das einzige Ziel, das die Terroristen in unserem Land entwickelt haben, ist das wahllose Töten unschuldiger Menschen.»

Als Vergeltung für den Anschlag flogen US-Drohnen am Tag nach dem Anschlag Luftangriffe auf Kämpfer der islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab. Die Angriffe seien mit der Regierung des ostafrikanischen Landes abgestimmt gewesen.

Die Al-Shabaab-Attentäter verübten zuletzt bevorzugt Anschläge auf Hotels, öffentliche Gebäude oder Plätze und auch auf Regierungseinrichtungen. Die Fundamentalisten sind auch jenseits der Grenzen Somalias aktiv.

Nicht immer geben sich die Islamisten dabei als Urheber der Anschläge zu erkennen. Das gilt auch für den bisher folgenschwersten Anschlag in Mogadiscio, bei dem im Oktober 2017 mehr als 500 Menschen ums Leben kamen. Anhänger der Gruppe werden auch hinter zahlreichen Entführungen vermutet.

Karte: Google

SDA/red

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