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«Unerträglich, wie die UNO versagt»

«Vielleicht schreibe ich einen Thriller»: Die frühere UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte. Fotos: Urs Jaudas

Sie haben im letzten August die UNO-Untersuchungskommission zu Syrien verlassen – aus Frust und aus Protest gegen das Versagen der internationalen Politik. Mit welchen Gefühlen und Gedanken schauen Sie heute auf den Syrien-Krieg?

Ihre Enttäuschung ist spürbar. War das Buch «Im Namen der Opfer», das Sie nun veröffentlicht haben, eine Art Psychohygiene für Sie?

Warum stemmt sich der UNO-Sicherheitsrat gegen die Strafverfolgung von Kriegsverbrechen in Syrien? Liegt das nur am Veto Russlands, das mit dem Assad-Regime verbündet ist?

Worauf gründen Sie Ihre Hoffnungen?

«Damit ich als Chefanklägerin im Fall Syrien antreten würde, müsste es bald offizielle Sonderermittlungen geben. Ich werde auch nicht jünger.»

Ein mutmasslicher Kriegsverbrecher ist der syrische Machthaber Bashar al-Assad. Glauben Sie, dass sich Assad in naher Zukunft vor einem Gericht verantworten muss?

Die Russen kämpfen an der Seite des Assad-Regimes, und sie tun dies mit unzimperlichen Methoden. Müsste sich auch Russlands Präsident Wladimir Putin wegen Kriegsverbrechen verantworten?

Als Mitglied der UNO-Untersuchungskommission haben Sie vor ein paar Jahren die Rebellen öffentlich beschuldigt, Nervengas eingesetzt zu haben. Anschliessend wurden Sie von der eigenen Kommission zurückgepfiffen ...

Würde es Sie reizen, die Aufgabe als Chefanklägerin zu Kriegsverbrechen in Syrien zu übernehmen?

«Der vorzeitige Tod von Milosevic war eine Enttäuschung, aber keine Niederlage.»

Sie waren von 1999 bis 2007 Chefanklägerin beim Jugoslawien-Tribunal in Den Haag. In 24 Jahren wurden 161 Personen angeklagt. In erster Instanz gab es 84 Schuldsprüche, so etwa für den bosnisch-serbsichen Ex-General Ratko Mladic. Ist das eine gute Gesamtbilanz?

Keinen Schuldspruch gab es für den serbischen Ex-Präsident Slobodan Milosevic. Er starb noch vor dem Urteil im Gefängnis an einem Herzinfarkt. Nach Ansicht von Kritikern war das eine Niederlage für Sie. Sie sollen die Anklage überladen haben, so dass das Verfahren viel zu lange dauerte. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Von Ihnen ist die Aussage überliefert, dass Sie von Milosevic fasziniert waren?

Die Richter in Den Haag haben ein paar umstrittene Urteile gefällt. So wurde der kroatische Ex-General Ante Gotovina zu einer Freiheitsstrafe von 24 Jahren verurteilt und im Berufungsprozess freigesprochen. Wie ist ein solches Urteil möglich?

Der serbische Kriegstreiber Vojislav Seselji wurde in erster Instanz freigesprochen.

Für Aufsehen sorgte der kroatische Ex-General Slobodan Praljak, der nach der Urteilseröffnung vor laufenden TV-Kameras einen Gifttrank schluckte und später starb. Wie konnte das passieren?

«Für eine Grossmutter fühle ich mich noch zu jung.»

Die internationale Strafjustiz sollte im besten Fall nicht nur Recht sprechen, sondern auch Gerechtigkeit schaffen. Ist es dem Jugoslawien-Tribunal gelungen zu Versöhnung und Frieden zwischen einstigen Kriegsgegnern beizutragen?

Sie sind jetzt 71 Jahre alt. Haben Sie noch grosse Pläne? Oder werden Sie sich Ihren Pflichten als Grossmutter widmen?

Sie sind begeisterte Golfspielerin. Welches Handicap haben Sie?