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Wer kriegt die 500-Millionen-Dollar-Jacht?

Der russische Oligarch Farchad Achmedow muss seiner Ex-Frau seine Jacht im Wert von einer halben Milliarde Dollar überlassen.

Die Luxusjacht Luna war vorher im Besitz von Roman Abramowitsch. Foto: Ali Balli (Getty Images)
Die Luxusjacht Luna war vorher im Besitz von Roman Abramowitsch. Foto: Ali Balli (Getty Images)

Die russischen Oligarchen lieben das Meer. Eine schicke Jacht ist in diesen Kreisen deshalb das Statussymbol schlechthin. Das grösste und luxuriöseste Schiff ist die Eclipse von Roman Abramowitsch. Seine «alte» Luxusjacht Luna – neun Decks, ausgestattet mit U-Boot, Helikoptern, Raketenabwehrsystem und einem riesigen Swimmingpool – hat er 2014 seinem Freund und Mitoligarchen Farchad Achmedow verkauft.

Doch der hatte wenig Glück damit. Das Luxusboot im Wert von 540 Millionen Dollar wurde beschlagnahmt und soll nun an seine Frau Tatjana gehen. Ein Londoner Gericht hatte ihr bereits vor zwei Jahren 453 Millionen Pfund zugesprochen, das waren damals gut 40 Prozent von Achmedows Vermögen. Doch weil der Oligarch nicht bezahlte, hat das Gericht nun kurzerhand sein Schiff kapern lassen. Die Luna liegt in Dubai vor Anker, der Oligarch hat dort bereits Rekurs eingelegt.

Oligarchen werden immer reicher

Der erbitterte Streit zwischen den Eheleuten Achmedow, die bereits im Jahr 2000 in Russland geschieden wurden, wächst sich damit zu einer der teuersten Scheidungen aus, die London je gesehen hat. Seine Frau lebe wie ein Königin, beklagt sich der Ex-Ehemann, dessen Vermögen auf 1,3 Milliarden Dollar geschätzt wird. Diese Scheidung wird noch teurer werden als jene seines Freundes Abramowitsch, der seiner zweiten Frau 300 Millionen Dollar bezahlte.

Leisten können sich russische Oligarchen solche Rekordzahlungen noch immer: Laut dem Magazin «Forbes» ist ihr Vermögen allen Sanktionen zum Trotz letztes Jahr um 25 Milliarden auf insgesamt 485 Milliarden angewachsen. Und in nur zwei Jahren hat Russland 29 Neumilliardäre hervorgebracht. Achmedow ist unter den russischen Oligarchen eher ein kleines Licht und liegt in der Rangliste nur auf Platz 70.

Handel mit Zobelfellen

Seine Frau hatte der 62-Jährige 1993 in Russland geheiratet. Danach zog das Paar nach London, wo Tatjana die zwei gemeinsamen Söhne grosszog, während er in Russland seinen Geschäften nachging. Dabei hat sich Achmedow von ganz unten nach oben hochgearbeitet: Mit 15 Jahren sei der gebürtige Aserbeidschaner nach Moskau gekommen – mit nichts als 48 Rubel in der Tasche, wird über ihn erzählt. Sein Vater war zuvor in der damaligen Sowjetrepublik Aserbeidschan wegen Betrugs zum Tode verurteilt worden. Nach seiner Ausbildung zum Tierarzt handelte Achmedow zuerst mit Zobelfellen in London, dann mit Zubehör für die Ölindustrie, bis er sich schliesslich eine eigene Ölfirma kaufte.

Wie viele russische Oligarchen steht auch er auf der amerikanischen Sanktionsliste. Er soll dem russischen Präsidenten Wladimir Putin besonders nahe stehen. Laut dem türkischen Aussenminister hat Achmedow 2016 nach dem Abschuss eines russischen Jets durch das türkische Militär zwischen den beiden Ländern vermittelt. Dabei wurde er als «enger Freund» des russischen Präsidenten bezeichnet.

Auf der Seite Aserbeidschans

Achmedow hat nicht nur Geschäfte gemacht, er war auch politisch aktiv: Zweimal wurde er in den Föderationsrat, das russische Oberhaus, gewählt. Zudem sass er drei Jahre für Russland im Europarat. Dabei war er unter anderem als Wahlbeobachter in seiner alten Heimat Aserbeidschan im Einsatz. Das war umstritten, denn der Vater des aserbeidschanischen Präsidenten Ilham Alijew soll am Todesurteil gegen den Vater Achmedows beteiligt gewesen sein.

Ilham Alijew wollte dies offenbar wiedergutmachen: Die sterblichen Überreste konnten dank seiner Hilfe gefunden und mit allen Ehren beigesetzt werden. Kritiker werfen Achmedow vor, er habe sich deshalb auf die Seite Bakus gestellt und sei direkt mitverantwortlich dafür, dass der Europarat die Parlamentswahlen 2010 in Aserbeidschan trotz massiver Kritik von allen Seiten als frei und fair durchgehen liess.

Patriotische Kritik an May

Und auch in Bezug auf Russland profiliert er sich als Patriot. So kritisiert Achmedow etwa die britische Premierministerin Theresa May scharf. Sie führe eine «antirussische Hexenjagd», mit der sie nur vom Brexit ablenken wolle. Als Beispiel dafür nennt er die Vorwürfe, der Kreml habe den einstigen Doppelagenten Sergei Skripal mit einem Nervengift attackiert, den er als «nutzlosen und harmlosen alten Verräter» bezeichnet.

«Grossbritannien dämonisiert einmal mehr Russland, seinen Präsidenten und seine Bürger», sagt Achmedow in einem Interview mit der britischen «Daily Mail». Und bei seiner Scheidung verfahre man nach dem gleichen Prinzip: «Das Gericht und das britische Justizsystem manipulieren die grundlegenden Fakten.»

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