Lega-Politiker lobt Breivik

Fünf Tage nach dem Massaker in Norwegen ist es offenbar kein Tabu mehr, mit den Ideen des Attentäters Breivik zu sympathisieren. Gleich mehrere ranghohe Rechtspolitiker sorgen zurzeit für Furore.

Lobt Breiviks Gedankengut in den höchsten Tönen: Europarat-Abgeordneter Mario Borghezio.

Lobt Breiviks Gedankengut in den höchsten Tönen: Europarat-Abgeordneter Mario Borghezio. Bild: AFP

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Fünf Tage nach dem Massaker auf der norwegischen Insel Utöya sitzt der Schock immer noch tief. Die ganze Welt verurteilt die Tat von Anders Behring Breivik, der von sich selbst sagte: «Ich werde als das grösste Monster beschrieben werden» – eine Aussage, die wohl die meisten unterschreiben würden.

Doch in seiner politischen Gesinnung hat Breivik durchaus seine Anhänger. Wer dies offen ausspricht, dem werden in der Regel sofortige Sanktionen angedroht. Der italienische Europarat-Abgeordnete der Lega Nord, Mario Borghezio, muss mit einem Ausschluss aus seiner Partei rechnen. Auch eine Klage drohe ihm, schreibt der «Guardian».

«100 Prozent der Ideen Breiviks sind richtig»

Den Ärger handelte er sich mit einer Aussage ein, die selbst seine Parteikollegen erzürnt. In einem Radiointerview bekundete er nicht nur Sympathien mit dem Gedankengut Breiviks, sondern lobte es in den höchsten Tönen: «100 Prozent der Ideen Breiviks sind richtig, manche sind sogar ausgezeichnet», sagte Borghezio. Zudem sei es die Schuld der Migranteninvasion, wenn solche Ideen in Gewalt münden.

Wie die «Krone Zeitung» schreibt, entschuldigte sich die Parteileitung der Lega Nord umgehend für die «schrecklichen Worte». Borghezio fasele «Verrücktheiten», die nichts mit der Linie der Partei zu tun hätten, erklärte Lega-Minister Roberto Calderoli. Rückendeckung erhielt der Politiker allerdings von einzelnen Parteikollegen. EU-Parlamentarier Francesco Speroni sagt, Breivik habe Ideen ausgedrückt, die mit dem Schutz der westlichen Zivilisation zusammenhängen würden. Der ehemalige Minister Berlusconis betonte zudem, dass er einverstanden sei, diese Ideen zu schützen, falls es darum ginge, dass man «die christlich-westliche Zivilisation» schützen müsse.

Sympathisanten in Frankreich

Auch in Frankreich geniesst Breivik Sympathien: Die rechtspopulistische französische Partei Front National musste heute eines ihrer Mitglieder wegen umstrittener Äusserungen zu den Anschlägen in Norwegen suspendieren. In seinem Blog hatte Jacques Coutela den Attentäter Anders Behring Breivik als Ikone bezeichnet. Partei-Sprecher Alain Vizier erklärte, dass Coutelas Worte nicht den Auffassungen der Partei entsprächen.

Coutelas soll sich den Angaben zufolge vor einer parteiinternen Kommission verantworten. Der Beschuldigte sagte, er habe die Meinung eines Dritten zitiert und verurteile die Anschläge.

Defensiver drücken sich die Rechtspolitiker in der Schweiz aus. Toni Brunner beschrieb die Tat in einem Videointerview als Katastrophe . Dennoch könne er verstehen, dass es Leute in Westeuropa gebe, die sich benachteiligt und bedroht fühlten und deshalb ein gewisses Frustpotenzial anhäuften, sagte der SVP-Präsident. Die Aufgabe der Politik sei es, dieses Frustpotenzial aufzufangen, indem die Themen angesprochen würden, so Brunner.

(mrs)

Erstellt: 27.07.2011, 20:43 Uhr

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