Was man über die Attentäter von Brüssel weiss

Die Gebrüder El-Bakraoui zählen zur Pariser IS-Zelle. Die Polizei fahndet nach einem dritten Täter: dem Mann mit dem Hut.

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Was gestern noch vermutet wurde, wird heute schreckliche Wirklichkeit: Es gibt eine Verbindung zwischen dem Attentat von Brüssel am Dienstag und den Anschlägen in Paris im letzten November.

Zwei der Attentäter von Brüssel wurden am Mittwochmorgen identifiziert. Es handelt sich um die Brüder Khalid und Ibrahim El-Bakraoui. Sie beide wurden während der Anschläge getötet. Sie waren der Polizei bereits länger bekannt und wurden seit letzter Woche international gesucht. Wie bekannt wurde, haben die zwei dem Paris-Attentäter Salah Abdeslam, der am Freitag verhaftet wurde, Unterschlupf geboten. Deswegen wurden die zwei von der belgischen Polizei gejagt.

Der 27-jährige Khalid soll unter gefälschtem Namen eine Wohnung in Vorst, einem Ort südwestlich von Brüssel, gemietet haben. Dort soll sich auch Abdeslam noch vor einer Woche versteckt gehabt haben. In diesem von den Ermittlern genannten «Safehouse» wurden schwere Waffen und eine Flagge des islamischen Staats sicher gestellt.

Die Brüder haben den Paris-Attentätern geholfen

Khalid soll ebenfalls das Versteck für andere Paris-Attentäter organisiert haben. Im belgischen Charleroi hatten sich zwei der Attentäter getroffen, die im November in Paris an den Anschlägen beteiligt waren. Es waren Abdelhamid Abaaoud, der Drahtzieher, und Bilal Hadfi, einer der Attentäter, die ihre Bombe am Stade de France explodieren liessen. Ebenfalls sollen die El-Bakraoui Brüder die Paris-Attentäter mit Munition und Waffen versorgt haben, wie das belgische Fernsehen RTBF berichtet.

Klar ist, dass beide El-Bakraoui-Brüder an den Anschlägen beteiligt waren und beide dabei getötet wurden. Laut der Staatsanwaltschaft war Ibrahim für die erste Explosion am Flughafen verantwortlich. Noch unklar ist aber, wer dort die zweite Bombe gezündet hat. Der zweite Bruder, Khalid, hat kurz nach 9 Uhr den Anschlag in einer stehenden U-Bahn bei der Station Maelbeek verübt. Ob er vorher auch am Flughafen war und dann in die Metro stieg, oder gar nie am Flughafen war, ist aber nicht klar. Zeitlich wäre es möglich.

Die Attentäter liessen sich von einem Taxi vom Quartier Schaerbeek zum Flughafen bringen, die Bomben in Koffern versteckt. Der Taxifahrer erkannte die jungen Männer auf dem Fahndungsfoto der Polizei. Bei einer Hausdurchsuchung in Schaerbeek wurde der Laptop Ibrahims gefunden. Darauf fanden die Ermittler eine Nachricht: Er wisse, dass die Polizei hinter ihm her sei und er wolle auf keinen Fall in einer Gefängniszelle landen. Am gleichen Ort wurde auch eine Person verhaftet, die zur Zeit befragt wird. Eine weitere Person wurde schon wieder freigelassen.

Gemäss Medienberichten sind die zwei Brüder in der kriminellen Szene bekannt. Khalid wurde 2011 wegen Autodiebstahls für fünf Jahre Gefängnis verurteilt. Ibrahim wurde ein Jahr vorher für neun Jahre verurteilt, weil er während eines Überfalls mit Kalaschnikows auf Polizeibeamten geschossen hatte. Gemäss des flämischen Radio VRT gab es damals Kritik, weil der Bürgermeister den Vorfall nur als «vermischte Meldungen» bezeichnete. Ibrahim wurde 2014 auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Weil er sich nicht an die Bedingungen gehalten hat, stand er eigentlich schon seit August letzten Jahres auf der Fahndungsliste der Polizei.

Dritter Attentäter noch auf der Flucht

Die Polizei veröffentlichte am Dienstagabend Fahndungsfotos der mutmasslichen Attentätern. Darauf sind drei junge Männer zu sehen. Gemäss Medienberichten soll es sich dabei um die Gebrüder El-Bakraoui handeln. Der dritte Mann trägt eine helle Jacke und einen Hut. Gemäss der Staatsanwaltschaft wurde diese dritte Person noch nicht identifiziert.

Hingegen bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass ein Hauptverdächtiger immer noch auf der Flucht ist: Najim Laachraoui. Ob es sich bei ihm um den Mann mit dem Hut handelt, ist unklar.

Der 25-Jährige Laachraoui ist gemäss Ermittlern spezialisiert auf Sprengstoffwesten. Auf Resten von Sprengstoffwesten, die beim Anschlag in St. Denis in Paris gefunden wurde, konnten Ermittler seine DNA feststellen. Ausserdem wurden Spuren von ihm an den Orten gefunden, wo andere radikale Islamisten sich versteckten. In den Polizeipapieren wird in seinem Zusammenhang oft der Name Soufiane Kayal verwendet. Diesen hatte er für gefälschte Reisepapiere benutzt. Laachraoui hat die belgische Staatsbürgerschaft.

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Laachraoui soll gemäss NRC von 2013 bis 2015 mit Salah Abdeslam in Syrien gewesen sein. Er war Teil einer der ersten Gruppe aus Brüssel, die sich dem IS angeschlossen hat. Sein Kampfname war «Abou Idriss», wie «La Dernière Heure» schreibt. Dieser Name würden auch in den Akten eines Gerichtsprozess auftauchen, der anfangs Mai geführt werden soll. Darin soll ihm der Staatsanwalt vorgeworfen haben, mehrere Freunde zum IS gelockt zu haben. Gemäss «Le Monde» soll Laachraoui auch in einen Anschlag in Kairo verwickelt sein.

Eine Spur führt nach Deutschland

Der dritte Attentäter von Brüssel war offenbar im September in Deutschland. Gemeinsam mit dem am Freitag verhafteten Paris-Attentäter Salah Abdeslam soll er mit dem Auto durch die Bundesrepublik gefahren sein. Die Route führte von Ungarn über Österreich, Deutschland bis nach Frankreich und Belgien. Dies schreibt der «Tagesspiegel».

Abdeslam habe Laachraoui in Ungarn abgeholt, schreibt die Zeitung weiter. An der ungarisch-österreichischen Grenze wurden die beiden, die mit falschen Namen unterwegs waren, kontrolliert. Wie lange sich Abdeslam und Laachraoui dann in der Bundesrepublik aufgehalten haben, ist unklar. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass sie auch durch Bayern gefahren sind. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2016, 09:15 Uhr

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