Wenn der Jihad in der Familie liegt

Islamistische Attentäter sind überraschend oft verwandt. Das gibt Hinweise auf die Art der Radikalisierung.

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Ibrahim El-Bakraoui zündete eine der Bomben am Flughafen Zaventem, Khalid El-Bakraoui diejenige im Pendlerzug bei der U-Bahn-Station Maalbeek. Die Brüder haben sich bei den Anschlägen gestern in Brüssel beide selbst in die Luft gesprengt. Mindestens 34 Menschen fanden dabei den Tod.

Ibrahim und Khalid El-Bakraoui: Zwei der Brüsseler Attentäter. (Bild: AFP)

Eine ganze Liste von verwandten Attentätern

Die Bakraoui-Brüder reihen sich in eine ganze Liste von verwandten Attentätern ein, die zusammen einen Anschlag verübt haben. «Jihad by family» nennt das die englische Zeitung «The Guardian». Auffällig oft befinden sich unter den Terroristen Brüder, Halbbrüder oder Personen, die zusammen aufgewachsen sind. Es gibt viele Beispiele. Hier eine Auswahl:

Ibrahim und Salah Abdeslam: Zwei der Pariser Attentäter. (Bild: Mirror.co.uk/Keystone)

Unter den Attentätern in Paris befand sich neben dem kürzlich in Brüssel verhafteten Salah Abdeslam auch sein Bruder. Ibrahim verübte am 13. November 2015 vor dem Restaurant «Comptoir Voltaire» mit einem Sprengstoffgürtel einen Selbstmordanschlag. Die Pariser Terroranschläge forderten insgesamt 130 Menschenleben.

Cherif und Said Kouachi: Sie attackierten die Redaktion von «Charlie Hebdo». (Bild: Keystone)

Die Brüder Kouachi attackierten im Januar 2015 die Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» in Paris. Zwölf Menschen brachten sie um, Zeichner des Blatts und Polizisten. Elf weitere Personen verletzten sie mit ihrem Serienfeuer, vier von ihnen schwer. Bei ihrer Flucht vor der Polizei verschanzten sich die Kouachis in einer Druckerei und nahmen eine Geisel. Französische Eliteeinheiten töteten die Brüder beim Zugriff und befreiten die Geisel.

Tamerlan und Dschochar Zarnajew: Sie zündeten Bomben am Boston Marathon. (Bild: Keystone)

Tamerlan und Dschochar Zarnajew, Brüder tschetschenischer Abstammung, zünden im April 2013 zwei Bomben am berühmten Marathonlauf. Drei Menschen werden dabei getötet und mehr als 260 teils schwer verstümmelt. Auf der Flucht wird der ältere Tamerlan in einem Schusswechsel mit der Polizei getötet, Dschochar kann zunächst entkommen, wird dann aber doch noch geschnappt. Ein Gericht spricht in schuldig. Er muss mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen. Sogar die Todesstrafe ist möglich.

Ein Drittel hat familiäre Bindungen

Die nichtstaatlichen US-Denkfabrik «New America» hat die Verwandtschaftsbeziehungen bei Terroristen untersucht. Das Ergebnis: Über ein Drittel der westlichen Kämpfer haben eine familiäre Verbindung zum Jihad, entweder durch Angehörige, die bereits in Syrien oder im Irak kämpfen, durch Heirat oder einen Link zu verwandten Terroristen von anderen Anschlägen.

Die Studie lässt den Schluss zu, dass Radikalisierung und Rekrutierung von späteren Jihadisten stark von sozialen Faktoren beeinflusst werden – und nicht wie oft vermutet nur über das Internet passieren. «Anwerbung passiert im Wesentlichen durch Kollegen. Es sind Verwandtschaft und Freundschaft, die wirklich eine Rolle spielen, mehr als Religion oder andere Faktoren», meint Rik Coolsaet im «Guardian». Der belgische Terrorismusexperte untersuchte die lokalen, militanten Netzwerke in seinem Land. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2016, 17:03 Uhr

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