Hintergrund

Obamas Aktienportfolio ist im Sinkflug

Bankaktien, Energiefirmen oder Gesundheitssektor: Die Wahl des US-Präsidenten beeinflusst auch die Börse. Der Wirtschaftssender CNBC zeigt, welche Aktien von Barack Obama und welche von Mitt Romney profitieren.

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Wer hat die grösseren Chancen auf den Einzug ins Weisse Haus? Für die Aktienmärkte ist dies hoch relevant. Denn Mitt Romney bevorzugt andere Wirtschaftssektoren als Barack Obama. Unterschiedliche Unternehmen dürften von einem Sieg des Herausforderers profitieren, als bei weiteren vier Jahren unter Obama. Jede Debatte, jede Umfrage wird an der Wallstreet deshalb genauestens verfolgt. Nicht verwunderlich, dass Mitt-Romney-Aktien seit dem letzten Fernsehduell im Aufwind sind.

Der US-Wirtschaftssender CNBC zeigt dies anhand von zwei Portfolios, die er den beiden Präsidentschaftskandidaten zugeordnet hat. In Mitt Romneys Aktienkorb wurden die Titel von Bank- und Energieaktien gelegt, auch Tabakproduzenten und Rüstungsfirmen sind darin vertreten. Seit der letzten TV-Debatte hat der so gebildete «Romney Index» um 0,7 Prozent zugelegt. Dagegen hat der «Obama Index» im gleichen Zeitraum 2,7 Prozent eingebüsst. Im virtuellen Depot des Präsidenten liegen Titel aus den Bereichen Health Care, Solarenergie oder der Autoindustrie.

Spitäler hoffen auf Obama

Interessante Beispiele sind Firmen wie Telnet Healthcare, Healthsouth oder HCA Holdings. Letztgenanntes Unternehmen ist der grösste private Spitalbetreiber des Landes. Im Verlauf des letzten Jahres legte HCA an der Börse um beinahe 40 Prozent zu. Diesen Anstieg hat HCA auch Barack Obamas Gesundheitsreform zu verdanken. Unter Obamacare sind alle Bürger grundversichert, was sich zugunsten der Spitäler auswirkt. Herausforderer Romney hat sich dagegen als Kritiker des Systems profiliert. Sein aktueller Aufwind wirkt sich für HCA gar nicht gut aus: Seit der Fernsehdebatte verloren die Papiere 7,5 Prozent ihres Werts.

In CNBCs Mitt Romney zugeordnetem Portfolio stechen hierzulande eher unbekannte Energieproduzenten wie Arch Coal, Alpha Natural, Peabody Energy und James River hervor. Seit Obamas lamentablem TV-Auftritt gewannen diese Öl-, Gas- und Kohleförderer gegen 10 Prozent an der Börse. Romney gilt als Befürworter von Tiefseebohrungen vor der US-Küste und will neue Pipelines von Kanada in die USA erstellen. Romney will die Umweltgesetzgebung möglichst den einzelnen Gliedstaaten überlassen und die Macht der Behörde EPA beschneiden.

Bankenfreund Romney

Dass Banken wie J. P. Morgan von einem Wahlsieg Romneys profitieren würden, gilt an der Wallstreet als ausgemacht. Auch das «Wall Street Journal» hat dazu einige Empfehlungen zusammengestellt. Darunter finden sich ein paar Überraschungen. So prognostiziert das Wirtschaftsblatt dem Rohstoffunternehmen Alcoa einen Vorteil bei einer Wiederwahl Obamas. Grund dafür ist die Energiewende, die der Präsident vorantreiben möchte: Um Wind-, Solar- und andere alternative Energien zu fördern, braucht es Aluminium – ein Markt, in dem Alcoa eine starke Stellung hat.

Etwas gewagt erscheint die Kaufempfehlung von Facebook-Aktien bei einem Obama-Sieg. Der Präsident sei Dingen wie der Netzneutralität gegenüber generell freundlicher eingestellt als sein Herausforderer, so die Überlegung. Wer mit dem baldigen Einzug von Mitt Romney ins Weisse Haus rechnet, könnte sich demgegenüber den Kauf von Cisco-Wertpapieren überlegen. Das Technologieunternehmen verfüge über einen massiven Cashbestand, so die Autoren: Romneys Plan, die Steuern bei der Repatriierung dieser Gelder umgehend aufzuheben, würde die Cisco-Aktien dann zu gefragten Papieren machen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2012, 12:25 Uhr

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