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Ein Sturm lehrt Obama und Romney das Fürchten

Der US-Wahlkampf steckt im Schlussspurt. Bis nächste Woche wollten die beiden Kandidaten um die Stimmen unentschlossener Wähler kämpfen. Hurrikan Sandy macht ihnen einen Strich durch die Rechnung.

In den Wahlkampfzentralen von US-Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney schielen die Mitarbeiter nicht mehr nur auf die Prognosen der Meinungsforscher. Gut eine Woche vor der Wahl sind auch die Vorhersagen von Meteorologen heiss begehrt. Vor der US-Ostküste braute sich ein schweres Unwetter zusammen, die US-Medien verpassten dem Sturm in Anspielung auf das Frankenstein-Monster den Namen «Frankenstorm». Der könnte vor dem Gruselfest Halloween am Mittwoch für Chaos sorgen – und den Kampf beider Kandidaten um unentschlossene Wähler überschatten.

Romney sagte für Sonntag alle geplanten Auftritte in Virginia ab. Der Bundesstaat an der Atlantikküste, in dem der Republikaner in Umfragen praktisch gleichauf mit dem Präsidenten liegt, sollte noch am Wochenende von ersten Ausläufern des «Frankenstorm» getroffen werden. Romneys Sprecher Rick Gorka erklärte, die Absage sei eine «Vorsichtsmassnahme». Die Behörden des Bundesstaats sollten sich voll auf das Unwetter konzentrieren können.

Wetter vor den Wählern

Auch Obama lenkte seine Aufmerksamkeit von den Wählern auf das Wetter. Auf dem Weg zu einem Wahlkampfauftritt in New Hampshire beriet er am Samstag mit Vertretern des Katastrophenschutzes. Zwei Wahlkampftermine Anfang der Woche sagte er ab, um den «Frankenstorm» vom Weissen Haus aus zu überwachen. «Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass der Präsident seine Verantwortung als Oberster Befehlshaber und Führer des Landes an erste Stelle setzen muss», sagte Sprecher Josh Earnest.

Verantwortlich für die Alarmstimmung ist Hurrikan Sandy, der nach seinem tödlichen Zug durch die Karibik in den vergangenen Tagen Kurs auf den Nordosten der USA nahm und sich dort mit einer Kaltfront vereinigen könnte. Diese Mischung aus Tropen- und Wintersturm könnte eine besonders zerstörerische Kraft entfalten, befürchten Meteorologen. Mehrere Bundesstaaten und die Hauptstadt Washington riefen bereits den Notstand aus.

Einfluss auf frühzeitige Stimmabgabe

Das Unwetter dürfte in den betroffenen Gebieten die frühzeitige Stimmabgabe beeinträchtigen. Das «early voting» ist in vielen US-Staaten möglich, nach Schätzungen von Experten der George-Mason-Universität wählten bereits mehr als elf Millionen Menschen. Obama und Romney drängen ihre Anhänger dazu, bereits vor dem Wahltag am 6. November an die Urnen zu treten, damit sie ihre Stimme auf jeden Fall abgeben. Der Fernsehsender CNN berichtete am Samstag, dass im heiss umkämpften North Carolina Wahllokale in Küstennähe aus Sicherheitsgründen geschlossen worden seien.

Schwere Stürme führen in den USA immer wieder zu tagelangen Stromausfällen, die Böen knicken die überirdischen Leitungen um wie Streichhölzer. Obama und Romney könnten in diesem Fall die Wähler nicht mehr massenhaft über Wahlspots in Radio und Fernsehen oder mit Telefonaktionen erreichen. Im vom «Frankenstorm» bedrohten Virginia steckten die Wahlkampfteams beider Kandidaten sowie politische Interessengruppen dem TV-Sender NBC zufolge seit März 144 Million Dollar in Wahlspots bei Lokalsendern – alleine 27 Millionen in den vergangenen beiden Wochen.

Persönliche Anrufe

In den Tagen vor dem Urnengang versuchen die Wahlkampfteams auch, die Wähler in besonders umkämpften Bundesstaaten mit Anrufen oder persönlichen Gesprächen an der Haustür zu überzeugen. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der «Washington Post» gaben 40 Prozent der Wähler in den Swing States an, von Obamas Lager kontaktiert worden zu sein; 35 Prozent der Befragten hatten den Angaben zufolge das Team Romneys am Apparat oder vor der Tür. Diese Bemühungen könnten nun kurz vor der Wahl zum Erliegen kommen.

Vor allem aber würde ein schweres Unwetter die politischen Botschaften der beiden Kandidaten aus den Schlagzeilen verdrängen. Wetterexperten von CNN schätzen, dass der Sturm Schäden in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar verursachen könnte. Die genauen Auswirkungen des «Frankenstorm» sind aber schwer vorauszusagen – genauso wie der Ausgang der Wahl am 6. November.

AFP/kpn

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