Wie tief fallen die Republikaner?

Niemand zweifelt daran, dass die Demokraten die Kongresswahlen gewinnen. Die Frage ist einzig: Wie hoch fällt ihr Sieg aus?

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Ted Stevens ist in Alaska eine Legende. Strassen, Parks, Brücken, öffentliche Gebäude tragen seinen Namen. Der 84-jährige Senator vertrat den Polarstaat schon in Washington, als die meisten «Alaskans» noch nicht geboren waren. Nie haben sie ihn mit weniger als zwei Drittel der Stimmen gewählt. In Alaska ist Stevens einfach Ted. Seit ein Gericht aber «Onkel Ted» diese Woche in sieben Fällen der Korruption für schuldig befunden hat, müssen Amerikas Republikaner fürchten, auch diesen Senatssitz zu verlieren. Um einen anderen Kandidaten aufzustellen, ist es zu spät. Verliert Stevens (dem fünf Jahre Haft drohen, weil er sein Haus auf Rechnung einer Ölfirma für 250'000 Dollar aufmotzen liess), dann könnten die Demokraten ihrem grossen Ziel näher rücken: einer «Supermehrheit» von 60 der 100 Sitze im Senat.

Dass die US-Demokraten vor dem Urnengang am 4.November überhaupt vom ganz grossen Jackpot träumen können, ist bezeichnend für das politische Klima im Land. Barack Obamas Chancen auf das Weisse Haus stehen gut. Noch besser aber ist die Obama-Partei bei der zeitgleichen Kongresswahl aufgestellt. Niemand zweifelt daran, dass die Demokraten ihre Mehrheiten in beiden Kammern ausbauen werden. Die Frage ist nur: Wie hoch fällt der Sieg aus? Wie tief stürzt die Bush-Partei?

«Brutaler Herbst»

Bei den Republikanern brennt es an allen Ecken. Der Wahlexperte Stuart Rothenberg spricht von einem «brutalen Herbst» für die Bush-Partei. Rothenberg sagt republikanische Verluste von bis zu 33 Sitzen im Repräsentantenhaus und 9 im Senat voraus. Sein Kollege Charlie Cook sieht das ähnlich: Was vielen Republikanern ins Gesicht blase, sei kein Wind, sondern ein Hurrikan. Nach Ausbruch der Finanzkrise im September, die nicht nur für Präsidentschaftskandidat John McCain zum Mühlstein wurde, liess sich ein republikanischer Stratege mit der düsteren Prognose zitieren: «Es gibt keine sicheren Mandate mehr. Ich sage nicht, dass wir jedes Rennen verlieren, aber wir können überall verlieren.»

Als die Republikaner 2006 die Macht an die Demokraten verloren, waren es noch sogenannte «Swing»-Bezirke, die ihre Niederlage besiegelten: Die politische Mitte hatte sich von der Bush-Partei abgewandt. Diesmal geht es ans Eingemachte, wackeln selbst jahrzehntelange Hochburgen: Im Südstaat Georgia etwa fuhr Bush noch 2004 einen Kantersieg ein, jetzt könnten die Demokraten den Republikanern einen Senatssitz abjagen. In der Florida-Metropole Miami wackeln drei Kongressmandate, die dank exilkubanischer Stimmen seit einer Generation fest in republikanischer Hand waren. Im Bibelgürtel-Staat Kentucky kämpft Senatsfraktionschef Mitch McConnell ums politische Überleben. In Minnesota könnte der linke Comedystar Al Franken, dessen Kandidatur lange als Witz galt, den republikanischen Amtsinhaber stürzen. Nach dem Rette-sich-wer-kann-Prinzip setzen sich viele Republikaner inzwischen nicht mehr nur vom ungeliebten Präsidenten ab, sondern auch von Präsidentschaftskandidat John McCain.

Die Angst der Demokraten

Bei den Demokraten wiederum herrscht vorsichtiger Optimismus. Hier geht angesichts zu rosiger Umfragen die Sorge um, taktische Wähler könnten im letzten Moment davor zurückschrecken, die gesamte Macht in die Hand einer Partei zu legen – und ihr Votum bei Präsidentschafts- und Kongresswahl splitten. Auch der Gedanke an einen Erdrutschsieg aber macht manche Demokraten nervös: Zuletzt regierte die Partei nach Bill Clintons Triumph 1992 in Weissem Haus und Kapitol – zwei Jahre darauf schon ging der Kongress in der «konservativen Revolution» krachend verloren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.10.2008, 17:00 Uhr

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