7 erste Eindrücke vom neuen 7er

Die sechste Generation des grossen BMW-Flaggschiffs, das im Herbst Premiere feiert, wird vielleicht keine Revolution. Doch die Summe ihrer Eigenschaften macht sie einzigartig.

Noch handelt es sich um ein getarntes Vorserienmodell: Der neue BMW 7er feiert erst im September an der IAA in Frankfurt Weltpremiere. Fotos: BMW

Noch handelt es sich um ein getarntes Vorserienmodell: Der neue BMW 7er feiert erst im September an der IAA in Frankfurt Weltpremiere. Fotos: BMW

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«Wie weit sind wir denn?», fragt Projektleiter Walter Schindelbeck in die Runde. Dass die Frage nicht an seine Ingenieure, sondern an Journalisten gerichtet ist, sagt doch schon alles: Die Entwicklung des BMW 7ers ist weit fortgeschritten. So weit, dass der Hersteller die Presse bereits ein halbes Jahr vor der langersehnten Weltpremiere ins streng bewachte Versuchsgelände im südfranzösischen Miramas eingeladen hat, um ihr das Vorserienmodell vorzustellen. Weit genug sogar, um sie bei einer Testfahrt davon zu überzeugen, dass die sechste Generation der seit 1977 gebauten Luxuslimousine «ein Wegbereiter für zukunftsweisende Innovationen» wird. Oder, wie Schindelbeck sagt: «mehr als ein neues, grosses Auto».

Trotzdem lautet der erste Eindruck offen gesagt «neues, grosses Auto». Mehr lässt sich angesichts der Tarnfolie im verwirrenden Kringel-Design nicht erkennen. Auch das Cockpit bleibt bis auf die virtuellen Rundinstrumente verhüllt. Und Leistungsdaten verrät BMW keine. In puncto Effizienz wird lediglich eine «signifikante Verbrauchsreduzierung » versprochen. Und selbst die Erwartung, Dinge zu hören, von denen die Auto-Welt noch nie gehört hat, wird nicht erfüllt. «Leichtbau» und «intelligente Vernetzung» gehören schliesslich längst zum guten Ton, und Schlagworte wie «Gestiksteuerung» oder «ferngesteuertes Parkieren» versetzen auch niemanden mehr in Schnappatmung. Also setzt man sich ans Steuer dieses neuen, grossen Autos, greift wie gewohnt zum Automatikwählhebel des wie gewohnt 8-gängigen Getriebes, fährt los – und kommt doch ins Grübeln.

Wurden die Ziffern vertauscht?

Weil BMW nach den i-Modellen erstmals auch bei einem Grossserienfahrzeug auf eine Karosseriestruktur mit kohlefaserverstärktem Kunststoff und hochfesten Stählen setzt, wiegt der 7er bis zu 130 Kilogramm weniger als sein Vorgänger und dürfte mit einem Gewicht von weniger als 1,9 Tonnen zum leichtesten Auto seiner Klasse werden. In Kombination mit effizienten Turboantrieben der jüngsten Motorengeneration sorgt dies für besagte «signifikante Verbrauchsreduzierung ». Fast eindrücklicher noch: Man glaubt keinen 7er, sondern den leichteren 5er zu pilotieren. Und schon gar nicht wähnt man sich in einem 7er mit verlängertem Radstand – jene Version, auf deren Basis das Fahrzeug entwickelt wurde.

Fehlt da nicht ein «M»?

Leichter bedeutet agiler, klar. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum sich der getestete BMW 740i so handlich, präzise und kurvenfreudig gibt, dass man meint, die Performance-Tochter M GmbH hätte ihre Finger bei der Entwicklung im Spiel gehabt: Denn die serienmässige Zweiachs-Luftfederung mit automatischer Niveauregulierung und dynamischer Dämpferkontrolle, die neu auch bei den Allradlern erhältliche Hinterachslenkung sowie die elektromechanische Wankstabilisierung verleihen der Limousine das Handling eines Sportwagens.

Wo ist der Stern?

Gerade war man gefühlt noch in einem BMW M5 unterwegs, doch schon im nächsten Moment ertappt man sich dabei, wie man anstelle des Propeller-Logos einen Stern auf dem Lenkrad sucht. Im Comfort-Modus setzt sich der 7er überraschend leise in Bewegung, die Luftfederung erhöht ihn um bis zu vier Zentimeter, das geschmeidige Fahrwerk bügelt sämtliche Strassenverwerfungen glatt. «Um diese Spreizung zwischen Sport und Komfort zu erleben, bräuchte man normalerweise zwei Autos», sagt Fahrwerksspezialist Albert Maier.

Kann der 7er Gedanken lesen?

Im neuen Adaptive-Modus analysiert die bayrische Luxuslimousine sowohl den Fahrstil des Piloten als auch die GPS-Daten und passt sich mit einer entsprechend sportlichen oder komfortablen Abstimmung an – und das tönt nicht nur auf dem Papier sehr gut, sondern funktioniert beim neuen 7er wirklich, wie die Probefahrten bewiesen.

Das Ende der Fahrfreude?

Die Lenkung greift bei bis zu 210 km/h automatisch sanft ein, wenn man von der Spur abkommt oder dem Vordermann folgen will, und der Tempomat lässt sich auf Knopfdruck ans jeweilige Tempolimit anpassen. Als erster BMW fährt der 7er zudem geradeaus in enge Parklücken, während der Fahrer lässig draussen steht und auf den neuen Display- Schlüssel drückt. Das Beste an diesen Assistenzsystemen ist: Man kann sie nutzen. Muss man aber nicht.


Keine Sensation, aber extrem praktisch: Der neue 7er-BMW parkiert auf Knopfdruck autonom ein.

Wird alles anders im Cockpit?

Zum ersten Mal kann man mit einem Infotainmentsystem auch mit den Händen kommunizieren: Mit dem Finger in der Luft zu kreisen, reguliert die Lautstärke der Audioanlage, mit einem angedeuteten Knopfdruck nimmt man Anrufe entgegen, mit einer wegwerfenden Handbewegung lehnt man sie lässig ab. BMW startet zunächst mit vier robusten und vor allem «in allen Kulturen ungefährlichen » Gesten, wie Projektleiter Stephan Peters betont. Doch das Potenzial scheint immens: Wie wäre es zum Beispiel, wenn der Wagen automatisch lichthupen würde, wenn der Fahrer den Vogel zeigt? Im Weiteren erfolgt die Bedienung aber wie gewohnt per Controller und Sprache oder neu auch per Touchscreen. «Der 7er-Fahrer muss also nichts Neues lernen», versichert Walter Schindelbeck.



Ein Novum ist die Gestiksteuerung: Mit einem Handwisch lehnt man beispielsweise Anrufe ab.

Und gewiss, die sechs gestellten Fragen sind absurd. Aber dass man sie überhaupt stellen kann, sagt doch eigentlich schon alles: Der kommende BMW 7er wird tatsächlich viel mehr als ein neues, grosses Auto, und wenn dieser «Wegbereiter für zukunftsweisende Innovationen» im September auf der IAA in Frankfurt Premiere feiert, dürfte auch die Konkurrenz mit Stern und vier Ringen ins Grübeln geraten.

Nina Vetterli fuhr das Vorserienmodell des neuen BMW 740i am 14.und 15. April auf Einladung der BMW Group Switzerland in Frankreich.

Erstellt: 24.04.2015, 17:46 Uhr

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