Arnies Neffe will die Elektromobilität revolutionieren

Was ein Star-Anwalt namens Schwarzenegger mit einer österreichischen Batteriefirma zu tun hat.

Arnold Schwarzenegger und der österreichische Bundeskanzler Christian Kern bei der Eröffnung des Entwicklungs- und Forschungszentrum von Kreisel Electrics in Rainbach (A). Bild: Roman Zach-Kiesling/Keystone

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Es gibt viele Geschichten über Batterien für elektrische Autos. Aber die Geschichte der österreichischen Batteriefirma Kreisel geht etwas anders, allein schon, weil man sie ein Stück weit von Hollywood aus erzählen kann. Sie beginnt mit einem in München geborenen Österreicher, der 1987 von seinem bekannten Onkel in die USA geholt wird. Arnold Schwarzenegger war schon 1968 rübergegangen – knapp 20 Jahre später also kommt auch sein Neffe Patrick Knapp Schwarzenegger nach.

Der Onkel wurde erst Bodybuilder, dann Schauspieler und Gouverneur von Kalifornien, schliesslich entdeckte er den Klimaschutz. Anfang des Jahres schliesslich fuhr der Terminator mit einer elektrischen Mercedes G-Klasse beim Hahnenkamm-Wochenende in Kitzbühel vor. Die Batterie stammte von einem österreichischen Unternehmen namens Kreisel, und der Terminator sagte: «Unheimlich spritzig!» Hier kommt nun der Neffe, der in den USA Jura studierte und ein bekannter Anwalt der Stars und Reichen von L.A. wurde, ins Spiel. Der tauchte an diesem Montag in München auf – und zwar bei einer Presseveranstaltung von: Kreisel.

Um 65 Prozent höhere Reichweite

Die Schwarzeneggers und Elektroautobatterien, dahinter steckt wohl ein grösseres Projekt. Das Ziel: nicht weniger als die Revolution der Elektromobilität. Die Ingenieure der Firma aus der Gegend von Linz setzen auf Batterien, die eine um bis zu 65 Prozent höhere Reichweite haben als herkömmliche Akkus. Dafür werden die Batteriezellen mit einer Flüssigkeit ummantelt, die sie langlebiger und widerstandsfähiger machen soll.

Gerade wurde ein Büro in Los Angeles eröffnet, Statthalter dort ist Knapp Schwarzenegger. Er hat strategische Investoren besorgt und sich mit ihnen an der Firma beteiligt; an diesem Dienstag eröffnet das Unternehmen mit viel Polit-Prominenz ein Forschungszentrum im oberösterreichischen Rainbach im Mühlkreis. Der Anfang einer grossen Elektro-Expansion? «Wir wollen nicht ins Rampenlicht», sagt Knapp Schwarzenegger. Natürlich könne irgendwann Kreisel auf den Autos der grossen Hersteller stehen – aber das stehe nicht im Mittelpunkt. Viel wichtiger sei, «Kreisel Electric zu einem globalen Marktführer der E-Mobilität zu machen».

Die Branche beobachtet, was Kreisel macht

Die Österreicher wollen keine Batterien bauen, erst recht keine Autos, aber: Sie wollen ins Auto hinein. Über Lizenzverträge sollen Hersteller und Zulieferer die Technologie selbst fertigen und ins Auto bringen, Kreisel liefert die Grundlagen. «Die Unternehmen wollen ihre lokale Fertigung behalten», sagt Markus Kreisel, Mitgründer und Geschäftsführer der Firma. Allerdings sei man mit «in die Entwicklungsprojekte der Hersteller involviert». Man sei mit den Grossen längst im Gespräch, Verträge stünden an. Mit wem genau, will oder darf er nicht sagen.

In der Branche heisst es dazu, man nehme Kreisel «absolut ernst». Die Akkus und Speicher seien «sicher und leistungsfähig und eine echte Herausforderung für die Branche». Allerdings sei es etwas anderes, «Prototypen zu bauen, als das Ganze dann auch in Serie zu überführen». Man beobachte jetzt genau, was die Firma mache, allerdings schaue man sich gerade in diesen Zeiten «Hunderte von Firmen» an, die sich mit Batterien beschäftigen.

Kontakte zu vielen Herstellern

Kein Wunder, die Autokonzerne haben ambitionierte Pläne für den Ausbau ihrer E-Auto-Flotten – und spielen seit einiger Zeit auch Pläne für eigene Batterieproduktionen durch.

Ein Autohersteller, der nicht namentlich genannt werden will, sagt auf Anfrage, man habe mit Kreisel bereits «Kontakte auf Arbeitsebene» – so wie man derzeit Kontakt zu vielen Herstellern habe. Auf eine konkrete Zusammenarbeit habe man sich bislang aber noch nicht geeinigt.

Sollte es hier nicht klappen – Kreisel will auch für die Luft- und Raumfahrt, für das Transportgewerbe und im Heimspeicherbereich arbeiten. Helfen soll bei all dem ein österreichischer Kalifornier mit berühmtem Onkel und bestem Draht zu Politik und Wirtschaft.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2017, 11:17 Uhr

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