China lässt auf sich warten

Wie steinig der Weg nach Europa für chinesische Hersteller ist, zeigt sich an der Marke Qoros, die zum dritten Mal in Folge in Genf ausstellt.

Gute Miene zum schwierigen Spiel: Qoros-CEO Phil Murtaugh glaubt an eine Zukunft für China-Autos in Europa. Foto: Schatzmann

Gute Miene zum schwierigen Spiel: Qoros-CEO Phil Murtaugh glaubt an eine Zukunft für China-Autos in Europa. Foto: Schatzmann

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Dreht man die Zeit ein paar Jahre zurück, trifft man auf eine stark verunsicherte etablierte Automobilindustrie, die den Markteintritt Chinas erwartet. 2007 war es Brilliance, 2010 BYD, die mit Auftritten in Genf eine rasche Eroberung der westlichen Autowelt ankündeten. Jetzt spricht zwar niemand hier von Entwarnung, doch die Realität war bislang erträglich für die Europäer, aber hart zu den potenziellen Mitbewerbern aus Fernost. Wer durch die Hallen der diesjährigen Geneva Motor Show wandert, findet die Schwierigkeiten insofern abgebildet, als dass nur gerade Qoros als einzige Marke aus China mit Personenwagen präsent ist.

Westlicher Standard als Ziel

Doch auch Qoros gibt es nicht zu kaufen, nur zu sehen. Dabei ist seit der Gründung 2007 Europa explizit Teil der Marktpläne der Firma. Aufgebaut ist Qoros auf dem Joint-Venture der chinesischen Chery Automobile und des Investors Israel Corporation, wobei Letzterer Anfang Jahr seine Anteile an die Kenon Holding abgetreten hat. Sechs Jahre nach der Gründung, also im Jahr 2013, war Qoros erstmals in Genf aufgetreten. Aber anders als Brilliance und BYD war dies keine Europapremiere, sondern der weltweit erste Auftritt der Marke. Damit betonten die Chinesen die Wichtigkeit Europas, denn Qoros will sich auf dem Heimmarkt als Hersteller darstellen können, der es im Ausland geschafft hat. Hintergrund ist die Tatsache, dass Chinesen heute lieber ausländische Wagen kaufen, weil sie deren Qualität mehr trauen als den Modellen der 125 einheimischen Autofirmen. Qoros ging von Anfang an keine Kompromisse ein, setzte alles daran, die Autos auf westlichen Standard zu bringen, vor allem bei Qualität, Sicherheit und Ausstattungstechnologie. Um das zu erreichen, holte sich Qoros das Knowhow westlicher Entwickler und Führungskräfte direkt ins Haus. So steuerte Magna Steyr die Technologie- und Sicherheitsentwicklung, und das Design verantwortet Gert Hildebrand, der bei BMW den Mini gezeichnet hat.

2014 nur 7000 Autos abgesetzt

Noch 2013 sollten in China Autos an die Kunden gehen, ebenso erste Auslieferungen in Europa. «Wir waren zu ambitiös », erklärte der im Februar neu eingesetzte Qoros-CEO Phil Murtaugh in Genf. Zwar nahm der erste Kunde tatsächlich einen Qoros zum Jahresende 2013 in Empfang. Doch über das ganze folgende Jahr konnten in China nur knapp 7000 Autos abgesetzt werden; die Produktionskapazität des Werks liegt bei 150000. «Wir waren am Anfang zu sehr auf die Entwicklung fokussiert und haben Marketing und Verkauf sträflich vernachlässigt», gibt sich der CEO selbstkritisch. Und man habe den Fehler gemacht, gleichzeitig China und Europa erobern zu wollen. So gibt es zwar im Testmarkt Slowakei einen Händler, doch verkauft wurde quasi nichts. An der Wichtigkeit Europas zweifelt der CEO jedoch nicht: «Wir müssen hier vertreten sein.» Aber es sei ein Fehler, die Kräfte an zwei Fronten aufzureiben. «Jetzt bringen wir China in Ordnung!» Damit sei man die nächsten zwei Jahre beschäftigt. «Erst dann gibts grünes Licht für Europa.» Das tönt zwar nach einer weiteren Verschnaufpause für die Etablierten, doch Qoros könnte es mit den zwei Jahren durchaus ernst meinen. Denn in Sachen Entwicklung ist Qoros auf Kurs: Sicherheit, Lärm- und Federungskomfort sowie die Konnektivität haben nach ersten Erkenntnissen hohes westliches Niveau, und das für Chinesen wichtige Platzangebot nimmt es mit den Klassenbesten auf. Zudem wurde dieses Jahr in Genf bereits das dritte Serienmodell gezeigt.

Erstellt: 13.03.2015, 18:35 Uhr

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