Genf feiert eine PS-Party

Im Premieren-Reigen der diesjährigen Geneva International Motor Show hat es für jeden Geschmack etwas dabei.

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So bunt und so abwechslungsreich war der Strauss schon lange nicht mehr: Die Autobranche ist im Aufwind und feiert auf der Geneva International Motor Show eine ausgelassene PS-Party: Beflügelt von guten Absatzzahlen, schiessen die Hersteller beim Branchengipfel in der Schweiz aus vollen Rohren und geben sich so selbstbewusst wie selten zuvor.

Und zum ersten Mal seit langem gilt das fast ohne Einschränkung: Waren es zuletzt vor allem die Luxusmarken und Premiumhersteller, die allen Konjunkturzyklen trotzen konnten, reicht der Optimismus diesmal durch alle Segmente. Klasse trifft Masse, lautet darum das Motto, wenn Kleinwagen wie der Opel Karl auf Supersportwagen wie den Audi R8 treffen und Showcars wie der handliche Nissan Sway ähnlich viel Aufmerksamkeit geniessen wie ein eleganter Mittelklasse-Kombi von Kia oder der edel Prologue als Luxus-Avant am Audi-Stand.

PS-Protze en masse in Genf

Am meisten Aufsehen erregen natürlich trotzdem die Neuheiten mit jeder Menge Leistung – von denen es vor allem im VW-Konzern viele zu feiern gibt. Nicht umsonst stellt Audi auf dem Salon die zweite Generation des R8 ins Rampenlicht. Porsche baut zwar mittlerweile mehr Gelände- als Sportwagen, beweist aber mit strassenzugelassenen Rennversionen wie dem Cayman GT4 und dem 911 GT3 RS, dass die Marke ihre Herkunft nicht vergessen hat. Und Lamborghini sichert sich mit dem Aventador Superveloce einen weiteren Superlativ. Denn stärker und schneller als der 750-PS-Bolide für die Liga 350+ war bislang kein anderes Serienmodell.

Dazu noch Neuheiten wie die Corvette Z06, den überarbeiteten Ferrari Italia mit Turbo Power oder der McLaren 675 LT und waschechte Rennwagen wie der Mercedes AMG GT3 oder der Aston Martin Vulcan – schon hat man ein heisses Stechen im PS-Quartett beisammen. Aber auch Luxus steht in Genf wieder hoch im Kurs: Für alle, die bei Preisen jenseits von 200'000 Franken zur Leistung auch einen gewissen Komfort und etwas Distanz zum schnöden Volk erwarten, gibt es zum Beispiel bei Mercedes die auf 6,50 Meter gestreckte Pullman- S-Klasse oder den auf mehr als zwei Meter aufgebockten G 500 4x4hoch2.

Tourer und Kompaktsportler

Zwar mögen Sportler und Luxusliner in der Publikumsgunst ganz vorne stehen. Doch die eigentlichen Stars des Salons sind die vielen neuen Brot-und-Butter- Autos, die bald das Strassenbild prägen werden. Dazu zählen Grossraumlimousinen wie der neue VW Touran oder der Gran Tourer auf Basis des 2er-BMW genauso wie Geländewagen vom Stil eines Seat 20V20, der als etwas gestreckter Vorbote des ersten spanischen Serien- SUV gilt. Und dazu zählen Kleinwagen wie der Opel Karl oder das Hyundai i20 Coupé. Aber auch das Bürgertum schmückt sich mit ein bisschen Glanz und Gloria. Für den neuen Luxus in der Mittelklasse steht deshalb der noch einmal deutlich aufgewertete Skoda Superb, und für die Lust an der Leistung stehen Messepremieren wie ein 320 PS starker Ford Focus RS, ein Opel Corsa OPC mit 207 PS oder ein Honda Civic Type R, der es auf 310 PS bringt.

Supersportwagen mit zum Teil über 1000 PS, Luxuslimousinen mit zwölf Zylindern und kompakte Kraftmeier mit irrwitzigen Leistungsdaten – war da nicht auch mal was mit Klimakrise und CO2-Grenzwerten? Ein grosses Thema ist das in Genf allenfalls für die Zulieferer und Entwicklungsdienstleister. Die meisten Serienhersteller jedenfalls lassen sich davon die Stimmung nicht vermiesen und verweisen allenfalls auf ihre Plug-in-Offensiven. Nicht umsonst zeigt zum Beispiel Mercedes eine V-Klasse mit 50 Kilometer elektrischer Reichweite, und Audi hat neben einem Q7 eTron mit Steckdosen-Anschluss beim Generationswechsel des R8 sogar noch einmal die Idee vomrein elektrischen Sportwagen aus der Mottenkiste geholt.

Asiatische Hersteller in der zweiten Liga

Während die deutschen Hersteller und ihre ausländischen Töchter gross auffahren, sieht es bei den anderen Auto-Nationen nicht ganz so rosig aus: Volvo zehrt noch vom Neuheitenwert des XC90, Jaguar Land Rover gönnt sich mit dem Facelift für den Evoque eine kleine Verschnaufpause, bevor die Pace schon zur New York Autoshow wieder anzieht, und Aston Martin sendet mit einer eigenwilligen Crossover-Studie mal wieder ein Lebenszeichen. Doch sieht man einmal vom Qashqai-Klon Kadjar bei Renault ab, haben zum Beispiel die Franzosen nur ein paar dünne Modellpflegen zu bieten, und aus Italien gibt es gar keine Neuheiten.

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Auch die Asiaten wirken in diesem Jahr lange nicht so stolz und souverän wie die deutschen Hersteller: Ein Facelift für Auris und Avensis bei Toyota, eine Kleinwagenstudie bei Nissan, zwei kompakte SUV-Visionen bei Lexus und Infiniti, der dritte Premierenaufguss für Civic Type-R und Jazz bei Honda und die Europa-Premiere des CX-3 bei Mazda – das reicht allenfalls für die zweite Liga. Und während Hyundai mit dem neuen Tucson gross auffährt und VW schon mal vorab die Tiguan-Premiere im Herbst versaut, muss auch Kia offenbar erst einmal durchschnaufen und zeigt nur die Studie eines kommenden Optima Kombi.

Ein paar Überraschungen

Starke Deutsche, nicht ganz so starke Marken aus dem Rest der Welt und Premieren, die seit Wochen durch die Gazetten geistern – also eine Motor Show wie jede andere? Nein. Denn nicht nur die Stimmung ist besser als in den Jahren zuvor, sondern es hat auch für ein paar Überraschungen gereicht. Zwar nicht bei der Comeback-Marke Borgward, weil die tatsächlich statt neuer Modelle nur ihr neues Logo gezeigt hat. Aber einen neuen, kleinen Sportwagen von Bentley, der in drei, vier Jahren zum meistverkauften Modell der Marke werden könnte, hatte man genauso wenig auf dem Zettel wie ein luxuriöses Coupé von VW, das die Lücke zwischen Passat und Phaeton schliessen soll: Klasse trifft Masse auch da – allerdings diesmal mit umgekehrten Vorzeichen.

Erstellt: 04.03.2015, 18:04 Uhr

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