Mehr Wagen fürs Volk

Die Volkswagen-Gruppe ist an der Geneva Motor Show in Sachen Neuheiten klarer Leader. Ihr Vorstandschef Martin Winterkorn scheut keine Konkurrenten, auch Apple oder Google nicht.

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«Wir begrüssen das Engagement von Apple oder Google in der Welt der Autoindustrie», sagte Martin Winterkorn diese Woche im Rahmen der VW Group Night vor über 1000 aus aller Welt angereisten Journalistinnen und Journalisten. Damit nahm der 67-jährige Konzernchef der Volkswagen-Gruppe am Vorabend eines der weltweit wichtigsten Branchentreffen, der Geneva Motor Show, dem kursierenden Gerücht den Wind aus den Segeln, dass sich die etablierten Autohersteller vor potenziellen Newcomern mächtig fürchten. Im Gegenteil: Winterkorn erklärte, weshalb er die IT-Firmen mit ihren Milliarden in der Portokasse schätzt, falls diese tatsächlich schon bald mit eigenen Autos die iPad-Generation für sich gewinnen wollen: «Ich bin überzeugt, dass sich die junge Internetgesellschaft dann für die richtige Marke entscheiden wird.»

VW 2015 die Nummer 1?

Mit «richtiger Marke» meinte Winterkorn natürlich eine aus der immer breiter werdenden Angebotspalette seiner Volkswagen-Gruppe. Die präsentiert in Genf nämlich mit den Marken VW, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini und Porsche ein wahrlich stattliches Portfolio: Nicht weniger als 17 Welt-, Europa- oder Schweiz-Premieren stehen da derzeit an den Ständen der Konzerngruppe. Erweitert werden diese Hingucker von vier attraktiven und teilweise auch sehr überraschenden Studien bei Audi, VW, Seat und Bentley.

Eine solche Bandbreite und Schaffenskraft stellt momentan kein anderer Autokonzern auf die Räder – wortwörtlich. Darum geht die Branche davon aus, dass das erklärte Ziel von Martin Winterkorn, Toyota als Weltmarktführer von der Spitze zu verdrängen, in greifbare Nähe gerückt ist. Jedenfalls liess der VW-Konzernboss keine Zweifel darüber offen, als er seine Rede in Genf mit diesen Worten abschloss: «Wir haben auch dank der Arbeit unserer über 46'000 Forscher und Entwickler sowie gut 10'000 IT-Technologen 2014 weltweit über 10 Millionen Fahrzeuge verkauft. Und alleine in den ersten beiden Monaten 2015 sind es bereits wieder über 1,5 Millionen Verkäufe.»

Die ganze Schaffensbreite der Volkswagen- Gruppe zeigt sich bei einem Rundgang durch die beiden Palexpo- Hallen 1 und 2. Am riesigen Stand von VW stechen fünf Weltpremieren ins Auge. Der absolute Blickfang ist selbstverständlich die elegante Studie mit der sperrigen Bezeichnung Sport Coupé Concept GTE. Der wie ein Coupé gestaltete 4-Türer zeigt auf 4,87 Meter Länge den ersten Ausblick in das zukünftige Design von VW. Die Gegenwart und nahe Zukunft präsentieren die Wolfsburger mit dem komplett neuen Kompaktvan Touran, der nun noch mehr Platz bietet, mit den überarbeiteten Modellen Sharan und Caddy sowie mit dem auf Geländetauglichkeit getrimmten Passat Alltrack und dem Golf Variant in der GTD-Version.

Sieben Weltpremieren bei Audi

Nur ein paar Schritte weiter stehen am Stand von Audi nicht weniger als sieben Weltpremieren bereit. Dazu gehören unter anderem vier supersportliche Modelle der zweiten R8-Generation, der neue RS3-Sportback mit 367 PS, laut Audi «das weltweit stärkste Auto der Premium- Kompaktklasse», sowie der neue Q7 e-tron quattro mit Plug-in-Hybridantrieb und einem angeblichen Durchschnittsverbrauch von nur 1,7 Liter Diesel. Nebst all diesen Neuheiten rückt die optisch auffällige Studie Audi prologue Avant beinahe in den Hintergrund, obwohl sie mit ihrem auf 5,11 Meter Länge gestreckten Design laut Audi-Chef Rupert Stadler die neue Avant-Philosophie repräsentiert.

Während die einen Konzernverantwortlichen in die ferne Zukunft blicken, zeigt Seat-Chef Jürgen Stackmann am Stand der spanischen VW-Tochter, wie deren erster, grosser SUV aussehen wird. Zwar nennt er den kraftvoll gestalteten Seat 20V20 noch «ein Showcar mit mittelfristigen Ambitionen», doch ist klar, dass die Spanier diese Vision allerspätestens im Jahr 2020 – nach dem für 2016 angekündigten ersten Kompakt- SUV von Seat – auf die Strasse bringen werden. Die Basis des rund 4,6 Meter langen 20V20 steht ja schon in Form des Tiguan oder Q5 im Konzernregal bereit.

Ebenfalls bereit steht nebenan bei Porsche das neuste Rennstreckenmodell aus Zuffenhausen: der 911 GT3 RS. «Vom Band weg fit für die Rennstrecke» lautet das Credo für das jüngste Modell in der 911-Baureihe. Für den Antrieb des nur 1420 Kilogramm leichten Supersportlers ist ein 4-Liter-Saugmotor mit 500 PS und 460 Nm Drehmoment verantwortlich, der über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe geschaltet wird. In nur 3,3 Sekunden erfolgt damit der Paradesprint auf Tempo 100. Der Preis für so viel Leistung und Sportlichkeit: über 220'000 Franken.

Englischer Überraschungscoup

Während Porsche als Sportmarke des VW-Konzerns mit purer Leistung laut auf sich aufmerksam macht, hat die britische Konzerntochter Bentley in aller Stille eine der grössten Überraschungen des diesjährigen Salons vorbereitet: Ohne die mittlerweile üblichen Vorankündigungen zeigt sie in Genf erstmals das zweisitzige Coupé EXP 10 Speed 6. Die atemberaubend schöne Studie stellte Bentley-Markenvorstand Wolfgang Dürheimer in gewohnt zurückhaltender Manier noch als «futuristisches Bentley- Design im Stil des modernen britischen Luxus» vor. Aufgrund der überaus positiven Rückmeldungen, welche dieser elegante Sportwagen in diesen Tagen in Genf in Massen sammeln wird, dürften sich die Briten die Serienfertigung nicht zweimal überlegen. Sofern Konzernvorstand Winterkorn dazu grünes Licht gibt. Aber bestimmt würde er damit den Bau eines Fahrzeuges genehmigen, das auch die junge Internetgeneration zu begeistern vermag.

Erstellt: 05.03.2015, 17:32 Uhr

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