Wunsch und Wirklichkeit

An der Geneva Auto Show präsentierte Seat die Studie 20V20 – Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Mitarbeiter Thomas Geiger ist den Prototyp gefahren.

Leistungsträger: Die Seat-Studie 20V20 dreht erste Runden auf einer Rennstrecke vor den Toren Barcelonas. Fotos: Seat

Leistungsträger: Die Seat-Studie 20V20 dreht erste Runden auf einer Rennstrecke vor den Toren Barcelonas. Fotos: Seat

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Sie meinen es wirklich ernst mit ihren Plänen. Denn kaum hatte Seat den 20V20 in Genf von der Messe gefahren, baten die Spanier zum Schaulaufen ihrer SUV-Studie auf einem Rundkurs vor den Toren von Barcelona. Dass die Jungfernfahrt über eine Rennstrecke führt, ist nicht nur der Sicherheit geschuldet, die dem millionenschweren Einzelstück gebührt. Schliesslich muss es nach dem Zwischenstopp in der Heimat wieder in den Frachtflieger und hat schon in den kommenden Tagen den nächsten Auftritt auf der Motorshow in Shanghai. Aber der Rundkurs passt auch gut zum Konzept des Veinte Veinte. Denn die Studie sieht mit ihren harten Kanten und präzisen Linien, den knackigen Proportionen und der schnellen Silhouette nicht nur sportlich aus, sondern sie fühlt sich hinter dem Steuer auch so an.

Probefahrt im Schongang

Die Sitzposition ist tief und gedrungen. Obwohl es nirgends zwickt und kneift, fühlt sich der Wagen für den Fahrer enger an, als er tatsächlich ist. Und während der Sozius und bei 2,79 Metern Radstand vor allem die Hinterbänkler lässig in ihren Sesseln lümmeln, stellt man am Steuer gerne den Sitz etwas steiler und nimmt aktiv seine Führungsaufgabe wahr. Dieses Auto ist nicht nur ein Fahrzeug, es will auch gefahren werden. Dazu passt auch die Technik: Konstruiert mit den Komponenten des modularen Querbaukastens aus Wolfsburg, liesse sich ein Serienmodell mit Dieseln mit bis zu 240 PS, mit Benzinern bis 300 PS und natürlich auch mit einem Plug-in- Hybriden bestücken. Für die Studie sind die Spanier relativ weit oben eingestiegen und haben deshalb einen Leon Cupra mit seinem 265-PS-Turbo geopfert. In der Theorie sollte der 20V20 deshalb wohl in unter sieben Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. In der Praxis allerdings reicht es für wenig mehr als Stadtgeschwindigkeit – zu fragil sind die handgeschmiedeten 20-Zöller, zu empfindlich die Karosserie aus Karbon und Kunststoff und zu lange Nächte haben die Prototypenbauer an der Studie geschraubt, geschweisst und geschliffen, als dass sie jetzt mit den Journalisten ein Risiko eingehen würden.

Echte Offroad-Qualitäten

Man hätte den Veinte Veinte für seine ersten Kilometer aber genauso gut in einem Offroad-Park ausführen können. Denn der SUV ist kein Blender, sondern er meint es auch abseits der Strasse ernst. Fest im modularen Querbaukasten des VW-Konzerns verankert, gibt es deshalb zur soliden Bodenfreiheit, den kurzen Überhängen und den grossen Rampenwinkeln natürlich auch die Option auf einen standesgemässen Allradantrieb.

Wahrscheinlich am besten passt das Schaustück aber in eine Stadt wie Barcelona. Nicht nur, weil man dort ein Auge für seine Schönheit hat und dort genügend Sonne scheint, um den spektakulären Lack in Ultra-Orange kräftig leuchten zu lassen. Sondern weil die Katalanen modisch und hip genug wären, um die liebevolle und trotzdem nicht übertrieben luxuriöse Eleganz des Interieurs zu schätzen. Als Gastgeber des Mobile World Congress hätten sie ein Auge für die hübsch integrierten

Display-Landschaften im Cockpit und wüssten sofort, welche Möglichkeiten der digitale Zündschlüssel bietet, der auf dem Mitteltunnel thront und alle persönlichen Daten des Besitzers bis hin zu den Facebook- Kontakten und den Internet-Favoriten speichern kann. Und selbst wenn der Verkehr auf der Avenida Diagonal oder den Ramblas mal wieder zum Erliegen kommt, brächte sie der 20V20 noch ans Ziel. Nicht umsonst liegt unter dem Boden des 600 Liter grossen Kofferraums ein elektrischer Mini-Roller.

Kompakter SUV kommt 2016

Zwar ist der 20V20 nur eine Vision. Und wenn sie wahr wird, dann wohl erst zum Ende des Jahrzehnts – schliesslich hat Seat den Namen ja nicht umsonst gewählt. Doch ganz so lange müssen die Kunden nicht mehr auf einen Geländewagen warten. Im Gegenteil: Schon im nächsten Jahr gewährt der VW-Konzern seiner spanischen Tochter ihren ersten kompakten Geländewagen. Technisch eng verwandt mit dem nächsten VW Tiguan und wie sein Wolfsburger Vetter natürlich aus dem modularen Querbaukasten gefertigt, soll er neben Ibiza und Leon die dritte Säule bilden, mit der Firmenchef Jürgen Stackmann die Marke stabilisieren will.

Erstellt: 10.04.2015, 17:38 Uhr

Edles und futuristisches Cockpit.

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