Bond legt Manhattan lahm

An der New York Motorshow feiert sich das Auto ohne Risiken und Nebenwirkungen. Und Daniel Craig zeigt den neuen Range Rover Sport.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Absatzsorgen, Krisenszenarien und Überkapazitäten – wo flaue Konjunktur und düstere Prognosen den Autobossen beim Auto-Salon Anfang März in Genf noch die Stimmung verdorben haben, zeigt sich die PS-Branche keine vier Wochen später auf der New York Motorshow in Feierlaune. Denn das Wachstum des US-Marktes hält an, die Big Three aus Detroit stehen wieder auf festen Füssen, und von spassbefreiten Elektroautos – wir wissen, es gibt auch andere! –, will hier (fast) niemand etwas wissen: So feiert die Industrie zur Motorshow in Manhattan eine grosse PS-Party und inszeniert das Auto ohne Risiken und Nebenwirkungen.

Offroader weiter im Fokus

Besonders hoch im Kurs stehen in New York die Geländewagen. Denn in einer Stadt, in der manche Schlaglöcher problemlos einen Smart verschlucken können, fühlen sich die Autofahrer vor allem in den immer zahlreicheren SUV besonders gut aufgehoben. Niemand weiss das besser als Land-Rover-Chef John Edwards, der hier die Premiere des neuen Range Rover Sport feiert. «Nirgendwo haben wir mehr Exemplare des Vorgängers verkauft als in Manhattan.» Daran wird sich auch bei der zweiten Generation nichts ändern, denn das Design wurde geglättet und modernisiert, und dank der Diät mit Einsparungen von bis zu 420 Kilogramm wird der neue Sport laut den Briten zum «fahraktivsten Land Rover aller Zeiten». Gespart wird aber auch: 2014 kommt der «kleine» Range als Diesel-Hybrid.

Aber ihm gehört die SUV-Show im Big Apple nicht allein. Denn dem sportlichen und praktischen Briten, der bei uns im Herbst startet, fährt in New York der neue Jeep Cherokee in die Parade. Er sieht zwar von aussen aus wie ein Designunfall und erinnert (wohl ungewollt?) an den ersten Fiat Multipla. Doch das sorgt zumindest für Gesprächsstoff, das Interieur ist dafür gar nicht so schlecht, die Technik vielversprechend, und vielleicht hat sich der ganze Trubel ums Design schon gelegt, wenn das Auto im November nach Europa kommt.

Big Three lassen Muskeln spielen

Wer mehr Wert auf Sport als Utility legt, den lockt die Industrie mit einem frisch gelifteten Chevrolet Camaro samt dem Comeback des legendären Z28, einer Rennversion der neuen Viper oder einem Mustang, den die Nachfahren von Tuning-Legende Caroll Shelby mit 1200 PS zum Bugatti-Killer aufgerüstet haben. Und selbst Subaru zeigt mit einer WRXi-Studie, dass die Förster-Marke das forsche Fahren noch nicht ganz vergessen hat. Ausserdem für die Überholspur gedacht: Der Jaguar XJR mit 550 PS und der XKRS-GT, der aussieht wie ein Rennwagen mit Strassenzulassung.

Deutsche eine Nummer kleiner

Die deutschen Hersteller machen bei den Muskelspielen in Manhattan munter mit. Zwar bleiben BMW, Porsche und VW diesmal ganz überraschend ohne Neuheiten, und Mercedes und Audi backen mit dem CLA und dem nur abseits der Messe gezeigten A3 Stufenheck buchstäblich kleinere Brötchen. Doch damit die Amerikaner nicht am Fahrspassversprechen der ersten Kompaktlimousinen aus Deutschland zweifeln, stehen in New York die potenten Varianten im Vordergrund: bei Audi der S3 mit 300 PS und bei Mercedes der CLA 45 AMG, der es gleich auf 360 PS bringt. Kein Wunder, dass sich daneben für die Serienpremiere der elektrischen B-Klasse kaum jemand interessiert. Dabei ist das sogar ein (beinahe) exklusives US-Modell, das Anfang 2014 nur jenseits des Atlantiks auf den Markt kommt und in Europa erst später nachgereicht wird.

Ein paar normale Premieren gibts in New York übrigens auch: Kia zeigt dort die zweite Generation des Soul und nimmt damit die IAA-Premiere schon einmal vorweg. Subaru bringt den ersten Boxer-Hybriden im XV, und Cadillac bringt die nächste Auflage des CTS gegen E-Klasse & Co. mit viel Selbstbewusstsein in Stellung. «Die automobile Weltelite im Visier», so betiteln die Amerikaner den neuerlichen Angriff auf Europa, der vor allem dank polarisierendem Design, neuen Motoren, einer 8-Stufen-Automatik und dem Preisvorteil gelingen soll.

007 auf der 8th Avenue

Dass New York eigentlich die US-Stadt ist, in der man mit dem eigenen Auto am wenigsten anfangen kann, weil man nur im Schritttempo vorankommt und besser in der Subway aufgehoben ist, das wissen die Ausstellungsmacher selbst am besten. Doch der Termin vor den Osterfeiertagen liegt günstig, das Messegelände ist schmuck und vor allem leben im Speckgürtel rund um Manhattan so viele Menschen, die sich auch teure Autos leisten können, dass die New York Motorshow mehr Besucher anzieht als jede andere Automesse in Amerika – selbst wenn man dafür stundenlang im Stau stehen muss.

Zumindest einer der Messegäste hatte damit keine Probleme: Denn als Daniel Craig in bester James-Bond-Manier mit dem neuen Range Rover Sport zur Premiere am Vorabend der Motorshow über die 8th Avenue jagte, waren mitten in der Rushhour alle Strassen gesperrt. «Autos, die den Passanten den Kopf verdrehen, gibt es einige», räumt Land-Rover-Chef John Edwards ein. «Aber für diese Neuheit hält sogar Manhattan mal für ein paar Minuten den Atem an.»

Erstellt: 29.03.2013, 20:39 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Blogs

Mamablog Papas Alleswisserei nervt

Geldblog Warum auch Arbeitslose AHV-pflichtig sind