Die Erfindung des SUV – vom Wagoneer zum Jeep Cherokee

SUVs wurden in den Neunzigerjahren bei uns so richtig populär, erfunden wurde diese Fahrzeuggattung aber bereits in den Sechzigerjahren.

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Für viele ist der Name Jeep ein Synonym für den geländetauglichen Wagen überhaupt. Und tatsächlich hatten die Amerikaner bei der Entwicklung des 4x4-Einsatzes beim Personenwagen die Nase vorne. Die Geschichte von Jeep beginnt im Juli 1940, als die amerikanische Armee die Autohersteller über ihren Wunsch nach einem leichten Aufklärungsfahrzeug informiert. 135 Autofirmen wurden informiert, drei bauten schliesslich einen Prototyp, der die Anforderungen an ein leichtgewichtiges und geländegängiges Fahrzeug mit drei Sitzen und herunterklappbarer Windschutzscheibe erfüllen konnte: American Bantam (BRC), Ford (GP Pygmies) und Willys (Quad).

Nach ausgedehnten Feldversuchen mit je 1500 Fahrzeugen machte der Willys Quad das Rennen und wurde zum Willys MA/MB. Alle nannten ihn aber schon bald Jeep, wobei rückblickend nicht einmal klar ist, warum. Vielleicht weil der Armeebegriff GP (General Purpose, Allzweck) auch als Jeep ausgesprochen werden kann, vielleicht weil es im Popeye-Comic einen bekannten Komparsen namens «Eugene the Jeep» gibt. Der Name wurde jedenfalls zum Inbegriff für ein Geländefahrzeug, Willys baute 368’000 Wagen für die US-Armee und sicherte sich die Jeep-Namensrechte. Den für die Armee gebauten Geländewagen aber passte man an die Bedürfnisse von Landwirten an und verkaufte ihn weiterhin.

Hybrid-Gelände-Stationswagen Willys Wagon

Mit dem Willys Wagon ergänzte man 1946 den nutzraummässig knappen Standard-Jeep durch einen Stationswagen mit Stahlkarosserie und imitiertem Woody-Look. Der Willys Wagon wollte vor allem praktisch sein, und das schaffte er mit seiner grossen Ladekapazität und mit einem Interieur, das man einfach mit Wasser abspülen konnte.

Vorerst verfügte der Wagon nur über Zweiradantrieb, aber ab 1949 konnte man ihn mit zwei angetriebenen Achsen kaufen. Zwanzig Jahre wurde der von Brooks Stevens gezeichnete Wagen produziert, und man kann ihn als Vorgänger des modernen SUV sehen.

Einen grossen Schritt vorwärts machte Willys Motors, wie die Firma jetzt unter der Ägide Kaiser-Frazer genannt wurde, mit der Einführung des Jeep Wagoneer im Jahr 1962. Dieser Wagen sollte die Vorzüge des komfortablen Personenwagens mit dem Nutzen eines Geländewagens kombinieren. Der Vater aller luxuriösen 4x4-SUVs war geboren. Wiederum schwang Brooks Stevens den Zeichenstift. Bei der Technik warf man einige echte Innovationen in die Waagschale. Erstmals gab es eine Getriebeautomatik in einem 4x4-Fahrzeug, erstmals wies ein 4x4 vordere Einzelradaufhängungen auf.

28 Jahre lang wurde die sogenannte SJ-Fahrzeuglinie gebaut, erst 1991 wurde sie endgültig abgelöst. Die Vorzüge des Wagoneers wurden im Verkaufsprospekt von 1971 wie folgt erklärt: «Ein Wagoneer ist wie ein gewöhnlicher Wagen auf der Strasse, aber wenn man einen Hebel umlegt, dann erhält man eine Maschine, die doppelt so sicher ist und zweimal so viel Strassenhaltung bietet.» Und deshalb nannte ihn Jeep auch «2-Car».

Mehr Luxus und Stil mit dem Super Wagoneer

Das erfolgreiche Konzept rief natürlich nur so nach Variationen und Abwandlungen. So stellte Kaiser-Jeep 1964 dem Basismodell den Super Wagoneer zur Seite, der mit einer Reihe von Luxusattributen aufwarten konnte: Klimaanlage, Servolenkung, Vinyldach, V8 und Automatikgetriebe. Mit diesem Modell sollten auch Prestigekäufer auf den Jeep gebracht werden, lange bevor sich Range Rover oder viel später Mercedes-Benz, Volvo oder Audi dieser Nische annahmen.

1974 tauchte der Jeep Cherokee als zweitürige Variante des Wagoneers erstmals auf den Preislisten auf. Hinter Jeep stand schon seit 1970 die Firma AMC (American Motors). Mit Sportlenkrad, Schalensitzen und visueller Sportlichkeit sollte ein jüngeres Publikum angesprochen werden. Prompt gewann der Wagen denn auch Auszeichnungen. Den ersten Cherokee auf der SJ-Plattform gab es dann bald in den verschiedensten Ausführungen und mit zwei oder vier Türen.

Aufbruch in die Moderne mit dem zweiten Cherokee

AMC erkannte schon in den Siebzigerjahren, dass den kompakten SUVs eine grosse Zukunft bevorstand, und begann gegen Ende des Jahrzehnts eine neue Produktlinie zu gestalten, die schliesslich als XJ-Baureihe 1984 auf den Markt kam.

Der Jeep Cherokee der Achtzigerjahre war deutlich kürzer, schmäler, aber vor allem leichter als der grosse Wagoneer und kam erstmals mit selbsttragender Karosserie anstatt der Chassisrahmen-Aufbau-Konstruktion, die vorher bei Geländewagen üblich gewesen war. Der Cherokee wurde mit zwei unterschiedlichen 4x4-Systemen angeboten und es gab ihn vorerst als einzigen Wagen seiner Klasse sowohl mit zwei als auch vier Türen. 17 Jahre lang wurde dieser Cherokee gebaut.

Stetiges Wachstum der Angebotspalette

Die XJ-Plattform bot die Basis für eine umfangreiche Modellpalette, die sowohl unter den Namen Cherokee als auch Wagoneer verkauft wurde. Um auch im Segment der grösseren Geländewagen konkurrenzfähig zu bleiben, entwickelte man vorerst die SJ-Modelle als Grand Wagoneer weiter und ersetzte diese schliesslich durch den Grand Cherokee, der auf der ZJ-Plattform gebaut wurde.

Während die Besitzer der Jeep-Marke wechselten (Chrysler 1987–1998, DaimlerChrysler 1998–2007, Chrysler 2007–2009, Chrysler-Fiat 2009–2013 und ab 2014 Fiat Chrysler Automobiles), blieb die Jeep-Strategie weitgehend unverändert. In zwei Grössenklassen – kompakt und mittelgross – bot man auf bestimmte Marktsegmente optimierte SUVs an.

Dies hat sich auch mit dem neuesten Jeep Cherokee, der 2013 vorgestellt wurde, nicht verändert. Das Design mag den Modetrends folgen und die Interieurgestaltung von italienischen Einflüssen profitieren, der Jeep Cherokee bleibt ein Alltagsauto, das auch beim Geländeeinsatz nicht schlappmacht und der DNA des ersten Jeep MA/MB treu bleibt.

Weitere Informationen und viele Bilder zum Jeep Cherokee und seinen Vorgängern finden sich auf www.zwischengas.com.

Erstellt: 28.04.2014, 12:03 Uhr

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