Ein Arbeitstier als Trendsetter

Für Mitsubishi hat der Pick-up L200 eine mehrfache Bedeutung: Er steht für den Neustart der Marke und für Wachstum in Europa, aber auch für den Angriff im Lifestyle-Sektor.

Trendig: Mit dem neuen L200 will Mitsubishi in Europa auch Lifestyle-Kunden ansprechen. Foto: Mitsubishi

Trendig: Mit dem neuen L200 will Mitsubishi in Europa auch Lifestyle-Kunden ansprechen. Foto: Mitsubishi

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Zufall? Eher nicht. Wenn Mitsubishi nach langer Durststrecke endlich wieder mit einer Neuheit von sich reden macht und dabei einen Pick-up ins Rennen schickt, dann ist auch Kalkül dabei. Denn die Japaner sind überzeugt, im Sog der grossen SUV mit dem L200 künftig auch in Europa Lifestyle-Kunden gewinnen zu können. Und nicht nur sie. Seit VW 2010 mit dem Amarok ins Segment eingestiegen ist und sich in Europa bereits als Nummer 3 hinter Toyota mit dem Hilux und Ford mit dem unverwüstlichen Ranger etabliert hat, wittern auch andere Hersteller ihre Chance: Renault plant auf Basis des Dacia Duster einen Pick-Up, auch Fiat will künftig mitmischen. Und weil sogar Mercedes einen veredelten Allzweck-Lastenträger in Planung hat, sehen sich selbst die beiden Weltmarktführer herausgefordert: Nissan wird den Navara noch in diesem Jahr neu auflegen, Toyota bringt 2016 den nächsten Hilux.

Ein Arbeitstier geblieben

Ihnen kommt Mitsubishi mit dem L200, Jahrzehnte lang Inbegriff des klassischen Pritschenwagens und bisher über vier Millionen Mal verkauft, mit seiner fünften Generation zuvor. Klar: Der «All new Mitsubishi Pick-up», wie er angepriesen wird, ist noch immer ein Arbeitstier: 90 Prozent aller Käufer, auch in der Schweiz, nutzen ihn so. Deshalb gab es für die Japaner keinen Grund, das robuste Grundkonzept in Frage zu stellen. So übernimmt der neue L200 das bewährte Fahrwerks-Layout des Vorgängers. Maximal können im Club Cab mit vier Sitzplätzen 1035 Kilo zugeladen werden, im fünfplätzigen Double Cab etwas weniger. Dafür ist in dieser Karosserievariante die Beinfreiheit für die Hinterbänkler deutlich grösser. Die maximale Zuglast beträgt neu 3,1 Tonnen.

Markant gesenkter Verbrauch

Für Einsätze in grobem Gelände hat Misubishi das Allradsystem weiter optimiert: Es verfügt nun über vier variable Fahrmodi, angefangen beim ebenfalls wählbaren Heckantrieb bis hin zum rustikalen 4x4 mit Geländeuntersetzung und gesperrtem Mitteldifferenzial. Geregelt wird das System zeitgemäss über einen Drehschalter. Ebenso zeitgemäss ist die Effizienz des neuen 2,4-Liter-Diesels mit wahlweise 154 oder 181 PS (380 oder 430 Newtonmeter), der sich laut Mitsubishi in der schwächeren Motorisierung mit 6,4 Liter begnügt. Bisher lag der Durchschnittsverbrauch bestenfalls bei 7,7 Liter. Der technische Fortschritt unter der Haube und unter der Ladefläche ist beim L200 in seiner Neuausrichtung allerdings nur das eine. Sehr direkt fokussiert Mitsubishi seinen Pick-up auch auf Kunden, die in ihm mehr Geländewagen als Nutzfahrzeug sehen und das «echte» Abenteuer suchen. Allerdings, ohne auf den bisher gewohnten Komfort und die Alltagstauglichkeit verzichten zu müssen.

Neues Design und neue Helfer

Kein Problem. Im L200, der im Oktober in den Handel kommt, gibt es in seiner Top-Version Double Cap Navigator mit 181 PS und Fünfgang-Automatik ein durchaus edles Cockpit mit Glanzlack-Einlagen, wohl proportionierten und gut gepolsterten Sitzen (auch hinten) und einem einfachen, aber gut positionierten Navigationssystem. Selbst Schaltwippen fehlen in der Luxusversion nicht. Allerdings kommt sie mit 43?499 Franken exakt 16?000 Franken teurer zu stehen als der Basis-Pick-up mit 153 PS und rustikalem Innenausbau.

Mitsubishi hat den L200, der die Rolle des Trendsetters unter den Pick-up spielen will, natürlich auch optisch überarbeitet. Er wirkt jetzt kantiger, bulliger und mit dem optionale Sport-Hardtop als Abschluss der Ladefläche fast schon ein bisschen dynamisch.

Sind neue Assistenzsysteme wie Spurhalte- oder Anhänger-Assistent sowie die Berganfahrhilfe Serie, so gibt es eine Reihe von Optionen, die den Mitsubishi Pick-up weit über das bisher im Segment übliche Niveau hinausheben: Bi-Xenon-Scheinwerfer, LED-Tagfahrlicht, Zwei-Zonen-Klimaautomatik und eine Rückfahrkamera. Auch gibt es laut den Japanern keinen anderen Hersteller, der für ein solches Fahrzeug eine 5-Jahres-Garantie anbietet.

Peter Hegetschweiler fuhr den L200 auf Einladung von Mitsubishi Schweiz am 10. Juni in Südfrankreich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.06.2015, 17:21 Uhr

«Ein Neustart für Mitsubishi»

Bernd Hoch, Produkte-Neuheiten von Mitsubishi waren in letzter Zeit rar. Jetzt, endlich, kommt ein Neuer – ein Pick-Up. Freut sie das?

Aber sicher! Erstens lassen sich Neuheiten grundsätzlich gut vermarkten. Zweitens bietet der L200 ein Feuerwerk an Innovationen. Drittens lässt sich auch in Nischen Wachstum generieren.

Pick-ups fahren in Europa also noch immer in der Nische?

Ja, aber in einer Nische, die in Europa noch besonders ausbaufähig ist. Und genau dort stossen wir mit dem neuen L200 jetzt hinein.

Weshalb hat es so lange gedauert, bis Mitsubishi wieder eine echte Neuheit präsentiert?

Mitsubishi Motors hat eine mehr als zehnjährige Restrukturierungsphase hinter sich, die 2014 mit einer umfassenden Entschuldung abgeschlossen worden ist. Jetzt werden wieder Mittel frei für die Entwicklung neuer Produkte.

Und was kommt danach?

Wir werden im September einen von Grund auf neu entwickelten Outlander bringen. Der Mittelklasse-SUV wird auch die neue Formensprache von Mitsubishi zeigen, die von einem jungen Designteam in Japan entwickelt wurde.

Was wünschen Sie sich für den Schweizer Markt?

Ich hoffe, dass wir die SUV-Palette schon in Kürze durch ein drittes Modell ergänzen können, das unterhalb des kompakten ASX positioniert wird.

Interview: Peter Hegetschweiler

Bernd Hoch ist Geschäftsführer von Mitsubishi Schweiz.

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