Der amerikanische Freund

Flaggschiff, aber trotzdem günstig kalkuliert: Der neue Edge soll Fords Position im SUV-­Segment stärken.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Man kommt sich vor wie in der Physik- Schulstunde oder im Ingenieursstudium. Weil: Sonst geht es bei der Präsentation neuer Automodelle immer um Emotionen, um Premium hier und Premium da, und um die schon ganz hibbelige und hippe Zielgruppe, die der Neuheit entgegenfiebert. Beim Ford Edge geht es um Frequenzüberlagerung. Um Crashpunkte, Karosseriekonstruktion und Windverwirbelungen. Wenigstens Barb Samardzich, Fords Statthalterin in Europa, sagt etwas, das bekannt tönt: «High End.» Dort soll es positioniert werden, das neue Ford-Flaggschiff.

Seit 2007 verkauft Ford den Edge als mittelgrossen SUV in den USA; im April 2015 wurde dort die zweite Generation lanciert. Ab 16. Juni steht sie nun auch bei uns als hierzulande grösstes Allradler- Modell jenseits des Mauerblümchens Ecosport und des Bestsellers Kuga. Und sie scheinen mächtig stolz bei Ford: Weil der global angebotene Fünfplätzer – sieben Sitze sind nicht geplant, dafür gibt es schliesslich S-Max und Co. – nicht nur europäische Crash- und Abgasnormen erfüllt, sondern weltumspannend den Vorschriften Genüge tut. «Zuerst haben wir die US-Version konstruiert», sagt Projektleiter Ulrich Kösters, «und uns dann an die Anpassungen für Europa gemacht. » Dies sei auch der Grund, warum der Edge erst mit fast einem Jahr Verzögerung gegenüber dem US-Pendant über den grossen Teich komme.

Seine Hardware ist dabei global identisch, aber sie wird unterschiedlich konfiguriert. In Europa federt und dämpft er härter und stellt die Lenkung kräftiger zurück, um bei höheren Geschwindigkeiten mehr Stabilität ins Auto zu bringen; ausserdem sind ein Sportfahrwerk und eine adaptive Lenkung für mehr Agilität lieferbar: «Würde ein Amerikaner nie ordern», sagt Kösters. Genauso wenig wie die beiden Turbodiesel mit 180 oder 210 PS, die als einzige Motorisierungen in Europa angeboten werden – beim schwächeren sogar mit manuellem Getriebe. Dafür bleiben die Benziner den USA vorbehalten, leider.

Ton- und Thermomanagement

Viel lieber spricht Kösters daher über technischen Feinschliff. Über die akustische Geräuschunterdrückung, die störendes Brummen mit einem phasenverschobenen Ton gleicher Frequenz auslöscht. Interferenz, neunte Klasse Schulphysik. Spart einerseits Dämmmaterial, sorgt aber auch für die nötige Stille, damit Fords hochgelobte Sprachsteuerung SYNC2 inklusive SMS-Vorleser und Notruffunktion auch verstehen kann, was der Fahrer von ihr will. Aktive Grilljalousien in der Front – Thermodynamik? Keine Erinnerung . . . – verbessern Temperaturmanagement und Aerodynamik des XL-Allradlers. Im Unfall – Energieerhaltungssatz, siebte Klasse – stemmt sich hochfester Stahl in der Karosserie dagegen und fünfteln aufblasbare Airbag- Gurte hinten die auf die Brustkörbe wirkenden Kräfte. Idealerweise verhindert das per Radar und Frontkamera informierte Notbremssystem schon im Vorfeld Schlimmeres.

All das täuscht aber nicht darüber hinweg: Man spürt bei allen Anpassungen noch die US-Gene des Edge. Die Breite – ohne Aussenspiegel, wohlgemerkt – fordert Konzentration auf der Testrunde im Münchner Innenstadtverkehr. Mit dem US-typischen Sechsstufen- Automaten ist man besser bedient, weil der manuelle Schalthebel nicht so recht griffgünstig liegt. Und der letzte Tick «High End» à la Audi, BMW und Konsorten fehlt im Interieur; sorry, Barb. Dafür überzeugen üppige Platzverhältnisse, Geräuschkomfort und Fahrverhalten: Wenn man nicht gerade auf engen Landstrassen sechster Ordnung unterwegs ist, lässt sich der Edge ziemlich behände durch die Kurven zirkeln, so die Sportversion mit adaptiver Lenkung geordert wird.

Der Edge fährt in die Nische

Von den Abmessungen her mag er zwischen VW Touareg und Audi Q7 passen. Aber eigentlich eröffnet der Edge eine neue Nische: Er überragt Hyundai Santa Fe, Kia Sorento und VW Tiguan, ist aber günstiger kalkuliert als die Konkurrenz im sogenannten Premiumsegment. Natürlich lassen sich die Preise nicht auf US-Niveau drücken – jenseits des Atlantiks müssen die Kunden auf all den europäischen Elektronik-Schnickschnack verzichten oder kräftig draufzahlen.

Drei Ausstattungen sind lieferbar. Wirklich verzichten muss man in der Basis ab 49'800 Franken nur auf Geräuschunterdrückung und Digitalradio; ansonsten ist alles Nötige an Bord. Wie viele Edge nun Ford gerne pro Jahr absetzen würde – darauf mag sich Kösters nicht so recht festlegen. So viele wie möglich, man erwarte deutliche Marktanteile. Aber Ford sei lange nicht in diesem Segment vertreten gewesen; es fehle die Markterfahrung.

Und ausserdem geht es dabei um Wirtschaft. Nicht um Physik.

Andreas Faust fuhr den neuen Edge am 12./13. Mai auf Einladung von Ford Schweiz in Deutschland.

Erstellt: 23.05.2016, 18:15 Uhr

Ford Edge: Europa-Premiere

Kategorie
Grosser SUV mit 5 Türen
Masse Länge 4808 mm, Breite 1928 mm, Höhe 1686 mm,Radstand 2848 mm
Kofferraum
507 bis 1847 Liter
Motoren
2,0-Liter-Turbodiesel mit 180PS (132 kW) oder 210PS(154 kW)
Fahrleistungen
0 bis 100km/h 9,4 bis 9,9 Sekunden.
Höchstgeschwindigkeit
200 bis 211 km/h
Verbrauch
5 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe)
CO2-Ausstoss
149 Gramm/Kilometer
Markteinführung
Juni2016
Preis
ab 49'800Franken
Infos
www.ford.ch

Artikel zum Thema

Alle sind bereit fürs E-Auto – nur nicht Zürich

Während Genossenschaften und Private die Installation von Ladesäulen für Elektroautos in Garagen und auf Parkplätzen vorantreiben, bleibt die Stadt Zürich untätig – aus gutem Grund. Mehr...

Kantone warnen davor, das Auto zu bevorzugen

Der öffentliche Verkehr soll von Bundesgeldern nur profitieren, wenn es um Strassenprojekte geht. Dies verlangen bürgerliche Nationalräte. Nun wehren sich die Kantone. Mehr...

Abbiegen läge drin: Mit Bodenfreiheit und serienmässigem Allradantrieb ist der Ford Edge auch geländetauglich. Fotos: Ford

Viel Platz, ganz hübsch verpackt.Grosser Grill, feines Tagfahrlicht.

Propere Sitze, pralle Ausstattung.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Sweet Home 10 günstige Wintergerichte

Mamablog Wutanfälle sind so ... gesund

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Keine Berührungsängste: In der Dinosaurierfabrik von Zigong in China wird ein voll beweglicher Dinosaurier hergerichtet. China produziert 85% aller Dinosaurier weltweit. (13. November 2019).
(Bild: Lintao Zhang/Getty Images) Mehr...