Der Überflieger hält Kurs

Kein anderer Porsche verkauft sich weltweit besser als das SUV-Modell Macan. Jetzt wird seine Leistung auf 440 PS gesteigert – und man plant gleichzeitig seine Elektrifizierung.

In schnell gefahrenen Kurven setzt die Physik dem Macan Grenzen, aber den Spagat zwischen Sportlichkeit, Komfort und Alltagstauglichkeit schafft er umso überzeugender. Foto: PD

In schnell gefahrenen Kurven setzt die Physik dem Macan Grenzen, aber den Spagat zwischen Sportlichkeit, Komfort und Alltagstauglichkeit schafft er umso überzeugender. Foto: PD

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Drei Zahlen haben das Image der Marke geprägt, der 911er gilt seit über 50 Jahren als Porsche schlechthin. Mit drei Buchstaben hingegen, die in der Zwischenzeit ebenfalls zum Begriff geworden sind, hatten die Zuffenhausener lange Zeit ihre liebe Mühe. Geht das? Darf Porsche einen SUV bauen?

Viele Fans der Marke, die sich 2002 ob der Frage echauffierten, machten daraus eine Grundsatzfrage. Und selbst beim Hersteller tat man sich mit der Entscheidung schwer, wie man in Zuffenhausen heute gerne zugibt. Gerne? Klar doch, fährt doch nach dem Cayenne jetzt auch der Macan bei den Verkäufen auf Rekordkurs. Und so stellt sich die Grundsatzfrage heute eigentlich umgekehrt: Wo würde Porsche stehen, hätten man sich dem SUV-Boom damals verweigert?

«Fahrdynamik ist beim Macan ebenso Kernkompetenz wie bei jedem andern Porsche»Jonas Pieper, Entwickler

Schon der Cayenne machte rasch klar, welches Potenzial auch ein klassischer Sportwagenhersteller in diesem «explodierenden Segment» generieren kann, wie sich Porsche heute erklärt. Von ursprünglich 25'000 Einheiten pro Jahr stieg das Verkaufsvolumen bald einmal um das Dreifache an.

Und jetzt werden diese Zahlen vom «kleinen Bruder» sogar noch getoppt: Der Macan hat sich zum neuen Porsche-Überflieger entwickelt. Fast 400'000-mal haben ihn die Zuffenhausener in seinen ersten vier vollen Produktionsjahren verkauft, zu Beginn dieses Jahres legten sie mit einem Facelift erstmals nach. Optisches Highlight dabei: das durchgehende, dreidimensionale LED-Leuchtenband, welches das für SUV-Verhältnisse eh schon knackige Heck noch prägnanter macht. Und die überarbeitete Front lässt den Macan noch bulliger erscheinen.

10 Prozent mehr Leistung bei 20 Prozent weniger Hubraum

Mit dem erklärten Ziel, 2020 die 500'000er-Marke zu knacken, schärft Porsche den Macan jetzt auch leistungsmässig nach. Der neue 2,9-Liter-6-Zylinder Biturbo bietet mit 440 PS im Vergleich zum bisher eingesetzten Top-Aggregat 10 Prozent mehr Leistung aus 20 Prozent weniger Hubraum. Das maximale Drehmoment gibt Porsche mit 550 Newtonmeter an, den Spurt von 0 auf 100 km/h soll der Macan in 4,3 Sekunden schaffen. Und eine Spitze von 270 km/h erreichen.

Bei aller Kraft, die der neue Turbo auf die Strasse bringt, und bei allen Beteuerungen von Entwickler Jonas Pieper, «Fahrdynamik ist beim Macan ebenso Kernkompetenz wie bei jedem andern Porsche»: Die Physik können auch die Zuffenhausener nicht überlisten. Vor allem in schnell gefahrenen Kurven geht das klassische Porsche-Feeling halt doch etwas verloren, wie sich bei der Fahrpräsentation in Südafrika zeigte.

Klar: Der für einen Porsche hohe Schwerpunkt und auch das Gewicht von fast zwei Tonnen setzten dem Macan Grenzen. Doch den Spagat zwischen Sportlichkeit, Komfort und Alltagstauglichkeit kriegen die Zuffenhausener umso überzeugender hin. Und genau darin sehen sie auch den Grund, weshalb der deutlich kompaktere und weniger protzige SUV so beliebt ist.

Auch künftig ein Mix aus Elektro- und Benzinmotoren

Diese Beliebtheit dürfte denn auch mit dafür gesorgt haben, dass Porsche den Macan schon ab der anstehenden zweiten Generation elektrifizieren will. Zunächst läuft allerdings noch der Taycan als erster Elektro-Porsche überhaupt vom Band, und zwar im extra für die Elektromobilität ausgebauten Werk in Leipzig.

Auch der Elektro-Macan soll dort produziert werden, zumal er laut Porsche-Chef Oliver Blume über die gleiche 800-Volt-Technologie verfügen wird wie der Taycan. Die Basis dazu bildet bei beiden die PPE-Architektur (Premium Plattform Electric), die Porsche gemeinsam mit Audi entwickelt hat. Doch auch wenn Porsche in naher Zukunft sechs Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren will: «Wir werden weiterhin auf einen breiten Antriebsmix setzen, zu dem selbstverständlich auch optimierte Benzinmotoren gehören werden», betont Blume zusätzlich.

Peter Hegetschweiler fuhr den Macan Turbo auf Einladung von Porsche Schweiz am 3./4. Dezember in Südafrika.

Erstellt: 16.12.2019, 19:44 Uhr

Porsche Macan Turbo

Modell: Sport-SUV

Masse: Länge 4684 mm, Breite 1926 mm, Höhe 1624 mm, Radstand 2807 mm

Kofferraum: 488 bis 1503 Liter

Motor: V6 Biturbo mit 440 PS

Fahrleistungen: 0 auf 100 km/h in 4,3 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 270 km/h

Verbrauch: 9,8 Liter auf 100 Kilometer (Werksangabe)

CO2-Ausstoss:270 Gramm pro Kilometer

Markteinführung: ab sofort

Preis: ab 121'300 Franken


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