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Liebling, ich habe den Jeep geschrumpft

Mit dem kompakten Compass will die Fiat-Chrysler-Tochter Jeep beim Absatz die 2-Millionen-Hürde überspringen. Der erste Anlauf ist missglückt. Nun stehen die Chancen besser.

Einer, der allen gefallen will: Der Jeep Compass ist für den Weltmarkt gebaut. Foto: PD
Einer, der allen gefallen will: Der Jeep Compass ist für den Weltmarkt gebaut. Foto: PD

Irgendwie hatten sie bei Jeep die Richtung verloren. Ironischerweise hiess das Modell Compass – was leider nicht bedeutete, dass man damit zielsicher den Nerv europäischer Kunden getroffen hat. Ganz im Gegenteil. Die technische Basis der ersten Compass-Generation von 2007 war über eine obskure Kooperation zwischen Mitsubishi, Daimler-Chrysler und VW in die Jeep-Verkaufsräume geraten. Beim Design war den Zeichnern irgendwas dazwischengekommen, weshalb es nicht so recht fertig geworden war. Und die Verkäufe? Schweigen wir lieber. Nach zwei Jahren gab Jeep entnervt auf und zog den Compass in Europa erst einmal zurück.

«Die Kunden ticken unterschiedlich in den USA und Europa», sagt Jeeps Interieurdesigner Cliff Wilkins. Ach? Aber in der Tat gilt der erste Compass – immerhin 2011 gründlich überarbeitet; ein neues Auto, sozusagen – bei Jeep dennoch als Erfolg, mit gar steigenden US-Absatzzahlen in den letzten Jahren seines Lebenszyklus. Überhaupt befindet sich Jeep im Aufwind: 1,6 Millionen Autos wurden im letzten Jahr global abgesetzt, was ein Plus von 12 Prozent gegenüber 2015 bedeutet. Seit 2010 hat sich der Absatz von Jeep weltweit verdreifacht; in den EMEA-Märkten (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) gar versechsfacht. Dies vor allem dank dem kleinen Renegade, der rund drei Viertel der EMEA-Verkäufe ausmacht.

Am Anfang waren Raumschiffe

Schon im kommenden Jahr will Jeeps Europa-CEO Dante Zilli mithilfe einer neuen Compass-Generation gar die 2-Millionen-Marke knacken. Zwischen Renegade und Cherokee klafft eine Lücke in der Palette, und die soll der Fünfplätzer füllen. Die Plattform spendiert der kleine Bruder mit um sechs Zentimeter verlängertem Radstand, das Design das Markenflaggschiff Grand Cherokee. Der sei weltweit akzeptiert, sagt Zilli, und deshalb die ideale Inspiration. Denn der Compass wurde als Weltauto konzipiert, wird in allen Kontinenten gebaut und muss deshalb allen gefallen. Zilli hofft, dass sich Jeep so einen guten Teil des Segments der Kompakt-SUV sichern kann, das bis 2020 rund 38 Prozent Anteil an den weltweiten Autoverkäufen haben soll.

«Am Anfang haben wir noch Raumschiffe gezeichnet», sagt Designer Vince Galante und zeigt Skizzen, die eher nach einem platt gedrückten Jaguar F-Pace ausschauen. Dann habe sich der Compass im Prozess immer mehr dem Grand Cherokee angenähert. «Aber er ist dennoch eigenständig», findet Galante. Das Interieur wirkt durch Betonung der Waagerechten geräumiger als auf dem Papier. Die Materialien überzeugen auch in der zweiten Reihe, die Sitzposition passt, die Ausstattung ist klassentypisch mit Assistenzsystemen wie Spurverlassens- und Kollisionswarner. Und das Multimediasystem mit 5- bis 8,4-Zoll-grossen Touchscreens korrespondiert mit Apple- und Android-Smartphones.

Betagter 2,4-Liter-Benziner

Die 770 Liter Ladevolumen erreicht der Compass mit aufgestellten Rücksitzlehnen übrigens nur, wenn man ihn bis unters Dach vollpackt. Der Europa-übliche Wert bis zur Gepäckabdeckung dürfte einiges darunter liegen. Die Antriebspalette wird auf hiesige Bedürfnisse zugeschnitten – wir Europäer ticken ja anders. Zum Start gibt es je zwei Turbobenziner mit 1,4 Liter Hubraum und 140 oder 170 PS und zwei gleich starke Turbodiesel mit 2,0 Liter Hubraum. Lieferbar wird auch ein manuelles Sechsganggetriebe und eine Neunstufenautomatik sein, ausserdem Frontantrieb und zwei Allradantriebe. Der elaborierteste 4?4 mit zusätzlichem Felsfahrprogramm wird die Trailhawk-Version mit Extra-Geländetalenten vorantreiben. Die Angaben für Fahrleistungen und Verbrauch stehen noch aus, weil der Compass stufenweise lanciert wird: In Brasilien wird er seit letztem Herbst ausgeliefert, aktuell folgen die USA und dann im Sommer auch Europa.

Für die Testrunde durch die texanische Rindersteppe rund um San Antonio stehen deshalb nur US-Versionen zur Verfügung, angetrieben von einem betagten 2,4-Liter-Benziner, dem ein neuer Fiat-Zylinderkopf immerhin 180 PS entlockt. Und mit dem Europa nichts verpasst – gut, ticken wir hier anders. Dafür überzeugt die amerikanische Abstimmung von Federn, Dämpfern und Lenkung, auch wenn das Fahrwerk für den hiesigen Markt noch gestrafft werden soll.

Sonst werden sich die Anpassungen für den Compass-Start in Europa in Grenzen halten – selbst das Interieur erfülle schon europäische Erwartungen, sagt Jeep-Interieurdesigner Cliff Wilkins. Vier Ausstattungsgrade werden lieferbar sein: Sport, Lounge, Limited und Trailhawk, dazu die Interieurdessins Sand, Urban und Kohlrabenschwarz im Trailhawk. «Wir verteilen die hellen und dunklen Flächen in den Türverkleidungen unterschiedlich, je nach Version», sagt Wilkins. Ausgerechnet das hübsch helle Alpine-Interieur kommt nicht nach Europa. Aber sonst stimmt jetzt die Richtung.

Andreas Faust fuhr den neuen Jeep Compass im Februar 2017 auf Einladung von FCA Schweiz in den USA.

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