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Mazda bleibt sich treu

Der MX-30 wird der erste reine Stromer des kleinen japanischen Herstellers. Es setzt auf geringe Umweltbelastung.

Dave Schneider, Sintra
Vorerst gibt es den MX-30 nur als reinen Stromer. Ab 2021 soll er dann noch mit einem kleinen Benzinmotor, der für eine höhere Reichweite sorgt, angeboten werden. Foto: PD
Vorerst gibt es den MX-30 nur als reinen Stromer. Ab 2021 soll er dann noch mit einem kleinen Benzinmotor, der für eine höhere Reichweite sorgt, angeboten werden. Foto: PD

Mazda geht gerne eigene Wege. Der kleine Hersteller aus Hiroshima arbeitet beispielsweise als Einziger noch am Kreiskolbenmotor, während der Rest der Branche diese Technik längst ad acta gelegt hat. Anstatt wie die meisten anderen auf die Hybridisierung der Antriebe zu setzten, brachten die Japaner den selbstzündenden Benzinmotor zur Serienreife. Mazda wollte auch lange nichts von batterieelektrischen Autos (BEV) wissen. Doch die Zeiten haben sich geändert: Mit dem neuen MX-30 wird im Herbst 2020 das erste BEV von Mazda in den Verkauf gelangen. Es überrascht nicht, dass die Japaner auch hier eigene Wege gehen.

Batterie hat nur 35,5 kWh

«Natürlich geht es vor allem um die strengen CO2-Vorschriften», macht Christian Schultze, Chef der technischen Entwicklung, kein Geheimnis daraus, warum nun auch Mazda ein batterieelektrisches Modell lanciert. Doch auch der Klimawandel respektive die Belastung der Umwelt stehe bei Mazda im Vordergrund, weshalb sich die Japaner beim MX-30 für eine vergleichsweise kleine Batterie mit einer Kapazität von 35,5 kWh entschieden hätten. «BEV mit einer grossen Batterie erzeugen schon bei der Herstellung eine hohe Umweltbelastung, das Gleiche trifft dann beim Recycling respektive der Entsorgung des Fahrzeugs wieder zu», führt Schultze aus. «Was bringt es, wenn wir lokal emissionsfrei fahren, wenn die Umwelt dadurch dennoch stärker belastet wird?»

Nicht eine hohe Reichweite, sondern eine umweltschonende Produktion steht bei Mazda also im Vordergrund – ist das der richtige Ansatz? Schliesslich ist die beschränkte Reichweite für viele ein Kriterium, das gegen den Kauf eines Elektroautos spricht. Schultze relativiert: «Die meisten Menschen fahren deutlich kürzere Strecken, als sie meinen. Der europäische Durchschnitt liegt bei nur 48 Kilometern am Tag». Der MX-30 decke mit einer maximalen Reichweite von etwa 200 Kilometern somit die allermeisten Fahrten ab. «Letztlich wollten wir einen guten Kompromiss aus Reichweite und Umweltbelastung.» Ein Teil der Lösung ist aus Mazdas Sicht ein kleiner Benzinmotor, der als Range Extender zum Einsatz kommt, das Auto also nicht direkt antreibt, sondern wenn nötig Strom für zusätzliche Reichweite erzeugt. Dies wird ein kleiner Kreiskolbenmotor sein und irgendwann 2021 angeboten werden. Zuvor gibt es den MX-30 lediglich als reinen Stromer.

Rezyklierbares Interieur

Dass Mazda die gesamte Umweltbelastung und nicht nur die lokal erzeugten Emissionen beim Fahren berücksichtigt, zeigen auch andere Details. Das Material an den Türinnenseiten besteht zu 100 Prozent aus geschredderten PET-Flaschen, die zu feinen Fasern und dann zu einem filzartigen Stoff verarbeitet werden. Die Sitzbezüge sind aus einem Material, das 20 Prozent wiederverwertetes Garn enthält. Die Ablageflächen sowie die Tür-Innengriffe werden aus den Abfällen, die bei der Produktion von Weinkorken entstehen, produziert. Und auch beim Thema Leder hat sich Mazda etwas einfallen lassen: «Leatherette» nennt sich das komplett vegane Kunstleder, das ohne Einsatz von Chemikalien produziert wird und in einer gehobeneren Ausstattungsvariante des MX-30 zum Einsatz kommt. «Das gesamte Interieur ist zu 95 Prozent rezyklierbar», sagt Entwicklungschef Christian Schultze, und er betont nochmals, dass das sehr wichtig sei, weil eben auch am Ende des Autolebens CO2-Emissionen und andere Umweltbelastungen entstünden.

Mazdas Ansatz ist glaubhaft, und es ist wohltuend, dass der Hersteller aus Hiroshima erneut einen eigenen Weg einschlägt. Denn der Hype um die Elektromobilität hat erneut zu einem Wettrüsten bezüglich Leistung und Performance geführt, wie man es schon bei den Verbrennungsmotoren kannte. Ein Elektroauto, das den Fokus tatsächlich in erster Linie auf die Umweltbelastung legt, ist da sicher sehr willkommen.

Dave Schneider fuhr den Prototyp des neuen MX-30 auf Einladung von Mazda Schweiz in Portugal.

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So fährt sich der Elektro-Mazda

Der neue MX-30 war für eine Probefahrt zwar noch nicht verfügbar, doch Mazda hat die gesamte Antriebstechnik samt Bodengruppe unter die Karosserie eines CX-30 verbaut. Kein Wunder, denn die beiden Modelle teilen sich die Plattform. «Aber die ist so variabel, dass sie auch für batterieelektrische Fahrzeuge ausgelegt wurde», erklärt der zuständige Ingenieur Tobias Overdiek. Optisch hebt sich der MX-30 vor allem durch seine coupéhafte Dachlinie ab, die derzeit so en vogue ist. Doch auch hier geht Mazda einen eigenen Weg: Die Fondtüren sind hinten angeschlagen und nur sehr kurz – eine B-Säule entfällt, was den Zugang zu den hinteren Plätzen vereinfacht. Das Kofferraumvolumen entspricht dem des CX-30, der MX-30 hat also keinen zusätzlichen Laderaum unter der Fronthaube. Dort braucht es neben dem kompakten E-Motor auch Platz für den später angebotenen Reichweitenverlängerer.

Die Fahreindrücke überraschen nicht, Mazda legt auch beim MX-30 grossen Wert auf das Fahrgefühl. Der E-Motor mit 105 kW sorgt für einen guten Durchzug, die situationsbedingte Drehmomentverteilung G-Vectoring wurde auf die neue Antriebsart angewandt und macht den Stromer agiler und handlicher. Für eine akustische Rückmeldung hat Mazda dem Stromer ein Fahrgeräusch komponiert, das sich zwar natürlich anhört, derzeit aber noch nicht ausgeschaltet werden kann. «Darüber werden wir aber noch diskutieren», erklärt Entwicklungsleiter Christian Schultze. Der neue Mazda MX-30 kann bereits mit einer unverbindlichen Anzahlung von 1000 Franken reserviert werden, auf den Markt kommt er frühestens im September 2020. (ds)

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